A1

Familie und Personen auf Walisisch

Teulu a Phobl

Dieser Artikel ist Teil des Walisisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

In Kürze

Walisische Familienwörter verändern am Satzanfang nicht einfach ihre Endung, sondern häufig ihren Anlaut: Aus tad wird etwa fy nhad i („mein Vater“) und dy dad di („dein Vater“). Welcher Laut sich ändert, hängt unter anderem vom Possessivwort (fy, dy, ei) und vom grammatischen Geschlecht des Wortes ab. Für den Einstieg reichen einige feste Wortgruppen wie fy mrawd i, dy fam di und ei thad hi.

Überblick

Über die eigene Familie zu sprechen gehört zum Grundwortschatz auf A1-Niveau. Im Walisischen lernt man dabei jedoch mehr als nur Wörter wie tad („Vater“), mam („Mutter“), brawd („Bruder“) und chwaer („Schwester“). Diese Wörter zeigen besonders anschaulich zwei wichtige Eigenschaften der Sprache: Substantive haben ein grammatisches Geschlecht, und ihr erster Laut kann sich in bestimmten Umgebungen verändern.

Ein Substantiv ist ein Wort für eine Person, eine Sache oder einen Begriff. Das grammatische Geschlecht eines walisischen Substantivs ist männlich oder weiblich. Bei Familienbezeichnungen stimmt es meist mit der bezeichneten Person überein: mab („Sohn“) ist männlich, merch („Tochter“) weiblich. Dieses Geschlecht wirkt sich zum Beispiel auf die Form von „zwei“ und auf den Anlaut nach dem bestimmten Artikel aus.

Für Deutschsprachige ist vor allem die Mutation ungewohnt. Im Deutschen bleibt „Vater“ in „mein Vater“ und „dein Vater“ gleich; im Walisischen stehen dagegen fy nhad i und dy dad di. Die verschiedenen Formen sind keine neuen Wörter, sondern grammatisch ausgelöste Varianten desselben Grundwortes tad.

So funktioniert es

Die wichtigsten Familienwörter

Lerne jedes Substantiv möglichst mit seinem Geschlecht und seiner häufigsten Mehrzahl. Die Mehrzahl wird im Walisischen nicht nach nur einer einheitlichen Regel gebildet; gerade bei sehr häufigen Familienwörtern kommen unterschiedliche Endungen und Stammänderungen vor.

Grundform Deutsch Geschlecht Mehrzahl Deutsch
tad Vater männlich tadau Väter
mam Mutter weiblich mamau Mütter
brawd Bruder männlich brodyr Brüder
chwaer Schwester weiblich chwiorydd Schwestern
mab Sohn männlich meibion Söhne
merch Tochter weiblich merched Töchter
plentyn Kind männlich plant Kinder
rhieni Eltern Mehrzahl
tad-cu Großvater männlich tadau-cu Großväter
mam-gu Großmutter weiblich mamau-gu Großmütter

Bei plant und rhieni sollte man die Mehrzahl als eigenes Wort mitlernen. Plant ist die Mehrzahl von plentyn; rhieni bezeichnet bereits „Eltern“.

Besitz: Possessivwort, Mutation und Nachpronomen

Ein Possessivwort zeigt an, wem etwas gehört, also etwa „mein“ oder „dein“. Im gesprochenen und im modernen geschriebenen Walisisch wird die Person oft zweimal kenntlich gemacht: vor dem Substantiv durch fy, dy, ei und danach durch ein kurzes Nachpronomen wie i, di, e oder hi.

Person Muster Beispiel Bedeutung
mein fy + Nasalmutation + i fy nhad i mein Vater
dein dy + weiche Mutation + di dy fam di deine Mutter
sein ei + weiche Mutation + e/o ei ferch e seine Tochter
ihr ei + Hauchmutation + hi ei thad hi ihr Vater
unser ein + Grundform + ni ein mam ni unsere Mutter
euer/Ihr eich + Grundform + chi eich brawd chi euer/Ihr Bruder
ihr (Mehrzahl) eu + Grundform + nhw eu merch nhw ihre Tochter

Eine Mutation ist die regelhafte Veränderung des ersten Lautes eines Wortes. Für diesen Wortschatz sind folgende Formen besonders nützlich:

Grundform nach fy „mein“ nach dy „dein“ nach ei „sein“ nach ei „ihr“
tad fy nhad i dy dad di ei dad e ei thad hi
mam fy mam i dy fam di ei fam e ei mam hi
brawd fy mrawd i dy frawd di ei frawd e ei brawd hi
chwaer fy chwaer i dy chwaer di ei chwaer e ei chwaer hi
mab fy mab i dy fab di ei fab e ei mab hi
merch fy merch i dy ferch di ei ferch e ei merch hi

Nicht jede Mutationsart verändert jeden Anfangslaut. Deshalb bleiben zum Beispiel mam nach fy und merch nach dem weiblichen ei sichtbar unverändert. Das bedeutet nicht, dass die Regel ausgesetzt wurde; für m gibt es in diesen Mustern einfach keine sichtbare Nasal- oder Hauchmutation.

Die beiden Formen von ei sehen gleich aus. Erst die Mutation und häufig das Nachpronomen zeigen eindeutig, wer gemeint ist:

  • ei dad e — sein Vater
  • ei thad hi — ihr Vater
  • ei fam e — seine Mutter
  • ei mam hi — ihre Mutter

Für den aktiven Einstieg lohnt es sich, die vollständigen Gruppen zu lernen. Fy nhad i ist alltagstauglicher und leichter abrufbar als drei getrennt gelernte Einzelteile.

„Ich habe“ mit gan oder gyda

Walisisch verwendet für Besitz keine direkte Entsprechung des deutschen Verbs „haben“. Im Norden ist Mae gen i ... besonders gebräuchlich; wörtlich beschreibt die Konstruktion, dass etwas „bei mir“ ist. Eine verbreitete südliche Form ist Mae ... gyda fi.

Aussage Nördliches Muster Südliches Muster
Ich habe einen Bruder. Mae gen i frawd. Mae brawd gyda fi.
Ich habe zwei Schwestern. Mae gen i ddwy chwaer. Mae dwy chwaer gyda fi.
Hast du Kinder? Oes gen ti blant? Oes plant gyda ti?

Nach gen i steht ein unbestimmtes einzelnes Substantiv häufig weich mutiert: brawd wird in Mae gen i frawd zu frawd. Die Form blant in der Frage ist die weiche Mutation von plant.

Geschlecht bei „zwei“ und beim bestimmten Artikel

Walisisch unterscheidet bei den Zahlen zwei, drei und vier zwischen männlichen und weiblichen Formen. Für „zwei“ sind am Anfang besonders wichtig:

  • dau frawd — zwei Brüder
  • dwy chwaer — zwei Schwestern
  • dau fab — zwei Söhne
  • dwy ferch — zwei Töchter

Nach dau und dwy steht die Einzahl des Substantivs, obwohl im Deutschen die Mehrzahl folgt. Außerdem tritt die weiche Mutation ein, sofern der betreffende Anlaut eine solche Form hat: brawd → frawd, mab → fab, merch → ferch. Bei chwaer bleibt der Anlaut unverändert.

Auch nach dem bestimmten Artikel y/yr/'r zeigt sich das Geschlecht. Ein weibliches Substantiv in der Einzahl erhält gewöhnlich die weiche Mutation, ein männliches nicht:

Ohne Artikel Mit bestimmtem Artikel Bedeutung
tad y tad der Vater
mam y fam die Mutter
brawd y brawd der Bruder
merch y ferch die Tochter

In der Mehrzahl gilt diese geschlechtsbedingte Mutation nach dem Artikel nicht: y mamau („die Mütter“), y merched („die Töchter“).

Beispiele im Zusammenhang

Walisisch Deutsch Hinweis
Dyma fy mrawd i. Das ist mein Bruder. brawd wird nach fy zu mrawd.
Mae gen i ddwy chwaer. Ich habe zwei Schwestern. Nach dwy steht chwaer in der Einzahl.
Beth ydy enw dy fam? Wie heißt deine Mutter? Wörtlich: „Was ist der Name deiner Mutter?“
Mae fy nhad-cu yn byw yn y wlad. Mein Großvater lebt auf dem Land. Nasalmutation t → nh nach fy.
Dyma fy rhieni i. Das sind meine Eltern. rhieni ist bereits eine Mehrzahlform.
Mae ei ferch e yn yr ysgol. Seine Tochter ist in der Schule. Männliches ei: weiche Mutation m → f.
Mae ei merch hi yn gweithio yma. Ihre Tochter arbeitet hier. Weibliches ei: m bleibt unverändert.
Beth ydy enw ei thad hi? Wie heißt ihr Vater? Weibliches ei: Hauchmutation t → th.
Mae ein mam ni yn athrawes. Unsere Mutter ist Lehrerin. Nach ein keine Anlautmutation.
Mae ganddyn nhw dri mab. Sie haben drei Söhne. ganddyn nhw bedeutet „sie haben“.
Mae'r plant yn chwarae. Die Kinder spielen. plant ist die Mehrzahl von plentyn.
Oes gen ti blant? Hast du Kinder? Nördliches Besitzmuster; plant → blant.
Mae dwy ferch gyda fi. Ich habe zwei Töchter. Südliches Besitzmuster mit gyda fi.

Häufige Fehler

Die Grundform nach fy stehen lassen

  • Falsch: fy tad i
  • Richtig: fy nhad i
  • Warum: Fy löst die Nasalmutation aus. Bei tad verändert sich t zu nh.

Deutsches „haben“ Wort für Wort nachbauen

  • Falsch: eine Konstruktion mit einem erfundenen direkten Gegenstück zu „ich habe“
  • Richtig: Mae gen i chwaer. oder Mae chwaer gyda fi.
  • Warum: Besitz wird idiomatisch mit gan beziehungsweise gyda ausgedrückt. Die ganze Wendung sollte als Satzmuster gelernt werden.

Nach dwy die Mehrzahl verwenden

  • Falsch: dwy chwiorydd
  • Richtig: dwy chwaer
  • Warum: Nach den walisischen Zahlwörtern steht hier die Einzahl. Das unterscheidet sich klar vom Deutschen „zwei Schwestern“.

„Sein“ und „ihr“ bei ei nicht unterscheiden

  • Falsch: ei tad hi
  • Richtig: ei thad hi
  • Warum: Das weibliche ei („ihr“) löst bei t die Hauchmutation aus. Das Nachpronomen hi bestätigt zusätzlich die weibliche Besitzerin.

Die Mutation nach dem Artikel auf männliche Wörter übertragen

  • Falsch: y dad für „der Vater“
  • Richtig: y tad
  • Warum: Die weiche Mutation nach dem bestimmten Artikel kennzeichnet hier die weibliche Einzahl, etwa y fam. Das männliche tad bleibt nach dem Artikel unverändert.

Sichtbare und unsichtbare Mutation verwechseln

  • Falsch: annehmen, fy mam i müsse wegen fy zwangsläufig anders geschrieben werden
  • Richtig: fy mam i
  • Warum: Ein grammatischer Auslöser verändert nur die Anlaute, für die die jeweilige Mutation eine Form besitzt. Nicht jedes Wort sieht danach anders aus.

Hinweise zum Gebrauch

Die Nachpronomen in fy nhad i, dy fam di oder ei merch hi sind besonders in der gesprochenen Sprache sehr üblich. In knapper oder formeller Schriftsprache können sie fehlen, wenn der Bezug bereits eindeutig ist. Für Lernende sind die vollständigen Formen dennoch empfehlenswert, weil sie natürlich klingen und bei den beiden Bedeutungen von ei Klarheit schaffen.

Nord- und Südwalisisch verwenden bei Besitz unterschiedliche bevorzugte Wendungen. Mae gen i ... und Mae ... gyda fi sind beide korrekt. Es ist sinnvoll, eine Variante aktiv zu sprechen und die andere von Anfang an verstehen zu lernen. Auch bei einzelnen Verwandtschaftswörtern gibt es regionale Vorlieben; für Großeltern begegnen einem neben tad-cu und mam-gu besonders im Norden häufig taid und nain.

Im alltäglichen Walisisch können Possessivwörter in der Aussprache verkürzt werden. Solche Formen muss man auf A1 noch nicht selbst bilden. Wichtig ist zunächst, die Mutation als Teil der gesamten Wortgruppe zu hören und zu erkennen.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Einzelheiten muss man am Anfang noch nicht sicher beherrschen, wird ihnen aber später häufig begegnen.

Bei weiblichen Substantiven kann auch ein nachgestelltes Adjektiv weich mutieren. Ein Adjektiv ist ein Eigenschaftswort wie „klein“ oder „gut“. So steht neben mab bach („ein kleiner Sohn“) die Form merch fach („eine kleine Tochter“): bach wird nach dem weiblichen Substantiv in der Einzahl zu fach. Nicht jedes Adjektiv und nicht jeder Sprachgebrauch zeigt dieses Muster gleich deutlich, doch bei häufigen Verbindungen gehört es zur Standardsprache.

Verwandtschaft wird außerdem oft ohne ein vorangestelltes Possessivwort als eng zusammengehörige Wortgruppe ausgedrückt, etwa enw dy fam („der Name deiner Mutter“). Das Walisische setzt dabei nicht automatisch ein Wort ein, das dem deutschen „von“ entspricht. Solche Nominalgruppen — also Gruppen mit einem Substantiv als Kern — werden mit zunehmendem Niveau wichtiger.

Schließlich ist Mutation nicht nur ein Thema des Familienwortschatzes. Dieselben Auslöser wirken grundsätzlich auch bei anderen Substantiven: Wer fy nhad i, dy dad di und ei thad hi sicher unterscheiden kann, hat bereits ein brauchbares Muster für viele weitere Wörter mit t- gelernt.

Übungstipps

  1. Lerne Dreiergruppen statt Einzelwörter. Sprich zum Beispiel mehrmals tad – fy nhad i – dy dad di und danach mam – fy mam i – dy fam di. So verbindet sich die Mutation direkt mit ihrer Funktion.
  2. Zeichne einen kleinen Stammbaum. Beschrifte reale oder erfundene Personen mit ganzen Sätzen: Dyma fy mam i, Dyma fy mrawd i, Mae fy nhad-cu yn byw .... Ergänze später Formen mit ei ... e und ei ... hi.
  3. Übe Zahlen und Besitz getrennt. Bilde erst Paare wie dau frawd, dwy chwaer, dau fab, dwy ferch. Verwende sie anschließend in Mae gen i ... oder Mae ... gyda fi.

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Voraussetzung

Besitz im Walisischen ausdrückenA1

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