Konstruktionen mit cho im Vietnamesischen
Cấu Trúc Cho
Dieser Artikel ist Teil des Vietnamesisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Mit cho + Person + Verb erlaubt man einer Person eine Handlung: Mẹ cho tôi đi chơi bedeutet „Meine Mutter lässt mich ausgehen“. làm cho + Person/Sache + Zustand oder Handlung bezeichnet dagegen eine Ursache: Tin đó làm cho tôi lo heißt „Diese Nachricht macht mir Sorgen“. Das deutsche lassen kann je nach Zusammenhang zu cho, nhờ, bắt oder khiến passen und darf deshalb nicht automatisch immer mit cho übersetzt werden.
Überblick
Das Wort cho begegnet einem schon früh mit der Bedeutung „geben“ oder „für jemanden“. Auf B1-Niveau kommt eine weitere sehr häufige Funktion hinzu: cho kann ausdrücken, dass jemand eine Handlung erlaubt, zulässt oder einer anderen Person Gelegenheit dazu gibt. Dabei folgen mehrere Verben unmittelbar aufeinander. Vietnamesische Verben werden nicht konjugiert, und vor dem zweiten Verb steht kein Wort wie deutsches „zu“.
Außerdem gehört làm cho zu den wichtigsten Mitteln, um eine Ursache und ihre Wirkung miteinander zu verbinden. Ein Kausativ (eine Form, mit der jemand oder etwas eine Handlung oder einen Zustand verursacht) kann im Deutschen oft mit „machen“, „bewirken“ oder „dazu führen“ wiedergegeben werden. Vietnamesisch unterscheidet dabei vor allem durch das gewählte Verb: cho lässt etwas geschehen, làm cho bewirkt etwas, nhờ bittet jemanden um eine Handlung und bảo weist jemanden an oder sagt ihm, was er tun soll.
Für Deutschsprachige ist besonders wichtig, nicht von einem einzigen deutschen Verb auszugehen. „Sie lässt ihn gehen“ bezeichnet eine Erlaubnis und passt zu Cô ấy cho anh ấy đi. „Sie lässt ihr Auto reparieren“ meint dagegen, dass sie jemanden mit der Reparatur beauftragt; dafür ist häufig eine Formulierung mit nhờ oder mang xe đi sửa natürlicher als cho.
Wie es funktioniert
1. Jemandem eine Handlung erlauben
Das Grundmuster lautet:
Person A + cho + Person B + Verbgruppe
Person A erteilt die Erlaubnis. Person B ist zugleich das Objekt von cho und das Subjekt der folgenden Handlung, also die Person, die diese Handlung ausführt.
| Baustein | Funktion | Beispiel |
|---|---|---|
| Mẹ | Person, die erlaubt | die Mutter |
| cho | lässt zu, erlaubt | lässt |
| tôi | Person, die handeln darf | mich |
| đi chơi | erlaubte Handlung | ausgehen |
Der ganze Satz lautet: Mẹ cho tôi đi chơi. — „Meine Mutter lässt mich ausgehen.“
Zeit- und Verneinungswörter stehen dort, wo sie inhaltlich hingehören:
- Mẹ đã cho tôi đi. — „Meine Mutter hat mich gehen lassen.“
- Mẹ sẽ cho tôi đi. — „Meine Mutter wird mich gehen lassen.“
- Mẹ không cho tôi đi. — „Meine Mutter lässt mich nicht gehen.“
- Mẹ chưa cho tôi đi. — „Meine Mutter hat mich noch nicht gehen lassen.“
Bei einer Aufforderung kann die erlaubende Person fehlen: cho + Person + Verb. Cho tôi xem bedeutet je nach Situation „Lass mich sehen“, „Zeig es mir“ oder höflich „Darf ich mal sehen?“. Gesprächspartikeln wie nhé oder với können die Bitte freundlicher klingen lassen: Cho tôi xem với! — „Lass mich bitte auch mal sehen!“
2. Mit được die Erlaubnis hervorheben
In cho + Person + được + Verb hebt được hervor, dass die betreffende Person etwas tun darf oder die Möglichkeit dazu erhält:
- Cho tôi được giải thích. — „Erlauben Sie mir, das zu erklären.“
- Bố mẹ cho con được tự quyết định. — „Die Eltern erlauben ihrem Kind, selbst zu entscheiden.“
Diese Form klingt oft nachdrücklicher oder förmlicher als die einfache Konstruktion. Im Alltag genügt meist cho tôi giải thích. Die Stellung ist bedeutsam: cho tôi được nói betont die gewährte Erlaubnis; cho tôi nói được kann eher bedeuten, dass etwas mich in die Lage versetzt, sprechen zu können.
cho phép bedeutet ausdrücklich „erlauben, genehmigen“ und eignet sich für formellere Zusammenhänge:
- Nhà trường không cho phép học sinh dùng điện thoại trong giờ học. — „Die Schule erlaubt den Schülerinnen und Schülern nicht, im Unterricht Handys zu benutzen.“
3. Eine Wirkung mit làm cho ausdrücken
Das zweite Kernmuster lautet:
Ursache + làm cho + betroffene Person/Sache + Zustand oder Handlung
Làm heißt allgemein „machen, tun“. In làm cho zeigt es an, dass die erste Sache einen Zustand oder ein Ereignis verursacht:
- Tin đó làm cho tôi buồn. — „Diese Nachricht macht mich traurig.“
- Mưa lớn làm cho đường bị ngập. — „Der starke Regen führt dazu, dass die Straßen überschwemmt werden.“
Nach der betroffenen Person oder Sache kann ein Zustandswort wie vui „froh“, buồn „traurig“ oder lo lắng „besorgt“ stehen. Solche Wörter können im Vietnamesischen direkt das Prädikat bilden (den Teil des Satzes, der sagt, was geschieht oder wie etwas ist); ein zusätzliches Wort für „sein“ ist nicht nötig.
Cho kann nach làm gelegentlich entfallen: Điều đó làm tôi buồn und Điều đó làm cho tôi buồn sind beide möglich. Làm cho macht die Ursache-Wirkungs-Beziehung besonders deutlich, während làm + Person + Zustand oft kompakter klingt.
4. Bitten, Anweisungen und gewünschte Ergebnisse
Nicht jede deutsche Konstruktion mit „lassen“ oder „veranlassen“ enthält im Vietnamesischen cho. Die folgenden Muster gehören zum selben Bedeutungsfeld, müssen aber getrennt gelernt werden:
| Bedeutung | Vietnamesisches Muster | Beispiel |
|---|---|---|
| jemanden etwas tun lassen | cho + Person + Verb | Tôi cho em dùng máy tính. |
| jemanden um etwas bitten | nhờ + Person + Verb | Tôi nhờ Lan mua thuốc. |
| jemandem sagen, was er tun soll | bảo + Person + Verb | Mẹ bảo tôi về nhà. |
| etwas bewirken | làm cho + Person/Sache + Prädikat | Bài hát làm cho cô ấy vui. |
| jemandem etwas wünschen | chúc + Person + gewünschtes Ergebnis | Chúc bạn may mắn. |
Das Konzeptbeispiel Mẹ bảo về nhà ist in einem Gespräch möglich, wenn aus dem Zusammenhang klar ist, wer nach Hause gehen soll. Vollständig und für Lernende eindeutiger ist Mẹ bảo tôi về nhà. Auch chúc bildet eine Folge aus Verb, Person und gewünschtem Zustand, ist aber keine cho-Konstruktion.
Bei xin sind zwei Reihenfolgen wichtig:
- Xin cho tôi + Verb: eine eher nachdrückliche, förmliche oder feierliche Bitte um Erlaubnis — Xin cho tôi nói hết. „Bitte lassen Sie mich ausreden.“
- Cho tôi xin + Sache: eine sehr gebräuchliche Bitte, etwas zu bekommen — Cho tôi xin thực đơn. „Bitte geben Sie mir die Speisekarte.“
Beispiele im Zusammenhang
| Vietnamesisch | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| Mẹ cho tôi đi chơi tối nay. | Meine Mutter lässt mich heute Abend ausgehen. | einfache Erlaubnis |
| Giáo viên cho học sinh về sớm. | Die Lehrkraft lässt die Schülerinnen und Schüler früher nach Hause gehen. | die Lernenden führen về aus |
| Bố không cho em lái xe. | Vater erlaubt mir nicht, Auto zu fahren. | không verneint die Erlaubnis |
| Cho anh ấy vào. | Lass ihn hereinkommen. | Aufforderung; vorgegebener Beispielsatz |
| Cho tôi xem một chút nhé. | Lass mich bitte kurz sehen. | durch nhé abgemildert |
| Cho tôi được giải thích. | Erlauben Sie mir, das zu erklären. | Erlaubnis mit được hervorgehoben |
| Công ty cho phép nhân viên làm việc ở nhà. | Die Firma erlaubt den Beschäftigten, von zu Hause zu arbeiten. | formeller mit cho phép |
| Lời khen đó làm cho tôi vui. | Dieses Lob macht mich froh. | Ursache und Gefühlszustand |
| Làm cho tôi vui. | Mach mich glücklich. | ohne genanntes Subjekt als Aufforderung lesbar |
| Tiếng ồn làm cho em bé thức giấc. | Der Lärm bewirkt, dass das Baby aufwacht. | verursachtes Ereignis |
| Mưa lớn làm cho nhiều con đường bị ngập. | Starker Regen führt dazu, dass viele Straßen überschwemmt werden. | längere Ursache-Wirkungs-Kette |
| Mẹ bảo tôi về nhà ngay. | Mutter sagte mir, sofort nach Hause zu kommen. | Anweisung mit bảo, nicht mit cho |
| Tôi nhờ anh Nam sửa máy tính cho tôi. | Ich bat Herrn Nam, meinen Computer für mich zu reparieren. | nhờ ist die Bitte; das letzte cho bedeutet „für“ |
| Xin cho tôi nói thêm một câu. | Bitte erlauben Sie mir noch einen Satz. | förmliche Bitte um Redeerlaubnis |
| Chúc bạn may mắn. | Ich wünsche dir viel Glück. | gewünschtes Ergebnis ohne cho |
Häufige Fehler
1. Die handelnde Person an die falsche Stelle setzen
- Falsch: Mẹ cho đi tôi chơi.
- Richtig: Mẹ cho tôi đi chơi.
- Warum: Die Person, die die erlaubte Handlung ausführt, steht direkt nach cho: cho + Person + Verbgruppe.
2. Nach deutschem Vorbild ein Wort für „zu“ ergänzen
- Falsch: Mẹ cho tôi để đi chơi.
- Richtig: Mẹ cho tôi đi chơi.
- Warum: Vietnamesische Verben stehen in dieser Konstruktion direkt hintereinander. Để hat eigene Funktionen, etwa „um … zu“ oder „lass mich …“, und ist hier nicht bloß ein Infinitivzeichen.
3. Jede Bedeutung von „lassen“ mit cho übersetzen
- Unpassend: Tôi cho xe sửa für „Ich lasse mein Auto reparieren.“
- Natürlich: Tôi mang xe đi sửa. oder Tôi nhờ thợ sửa xe.
- Warum: Cho bezeichnet vor allem Erlaubnis oder Zulassen. Wer eine Dienstleistung beauftragt, verwendet je nach Situation eher nhờ „bitten/beauftragen“ oder eine Konstruktion wie mang xe đi sửa „das Auto zur Reparatur bringen“.
4. Erlaubnis und Ursache verwechseln
- Falsch für „Die Nachricht macht mich traurig“: Tin đó cho tôi buồn.
- Richtig: Tin đó làm cho tôi buồn.
- Warum: Eine Nachricht erteilt keine Erlaubnis, sondern verursacht einen Zustand. Dafür steht làm cho oder kurz làm.
5. Bei bảo die angesprochene Person unnötig auslassen
- Unklar ohne Kontext: Mẹ bảo về nhà.
- Eindeutig: Mẹ bảo tôi về nhà.
- Warum: Im Gespräch können bekannte Satzteile wegfallen. Beim freien Bilden eines Satzes sollte jedoch deutlich werden, wem die Mutter die Anweisung gibt.
6. Das letzte cho immer als Erlaubnis verstehen
- Satz: Tôi nhờ Lan mua thuốc cho mẹ.
- Richtige Bedeutung: „Ich bitte Lan, für Mutter Medikamente zu kaufen.“
- Warum: Nach mua kennzeichnet cho mẹ die begünstigte Person, also „für Mutter“. Dieses cho eröffnet keine erlaubte Handlung.
Hinweise zum Gebrauch
Das einfache cho ist im Alltag neutral und sehr häufig. Wie höflich ein Satz wirkt, hängt jedoch stark von Anrede, Stimme und Gesprächspartikeln ab. Ein bloßes Cho tôi xem! kann in passender Situation völlig normal sein, aber auch fordernd wirken. Cho tôi xem một chút nhé oder Cho tôi xem với klingt meist kooperativer. In formellen Regeln, Anträgen und Bekanntmachungen ist cho phép oft eindeutiger.
Vietnamesisch lässt Personen aus, wenn der Zusammenhang sie bereits eindeutig macht. Deshalb hört man kurze Formen wie Không cho đi! („Du darfst nicht gehen!“ oder „Lass ihn/sie nicht gehen!“) oder Mẹ bảo về nhà. Beim Zuhören muss man die Rollen aus der Situation erschließen. Beim eigenen Sprechen verhindert eine ausdrücklich genannte Person viele Missverständnisse.
Anredewörter wie anh, chị, em, cô oder chú zeigen zugleich soziale Beziehung und grammatische Rolle. In Mẹ cho con đi kann con „das Kind“ oder „ich“ aus Sicht des Kindes bedeuten. Eine deutsche Übersetzung mit „ich“, „du“ oder „Sie“ gibt diese Beziehungsinformation nur teilweise wieder.
Über die Grundlagen hinaus
Geben, für jemanden tun oder erlauben?
Die Stellung der Satzteile entscheidet darüber, welche Bedeutung cho hat:
| Vietnamesisch | Deutsch | Funktion von cho |
|---|---|---|
| Tôi cho Lan một cuốn sách. | Ich gebe Lan ein Buch. | Übertragung eines Gegenstands |
| Tôi mua một cuốn sách cho Lan. | Ich kaufe ein Buch für Lan. | begünstigte Person |
| Tôi cho Lan mua một cuốn sách. | Ich erlaube Lan, ein Buch zu kaufen. | Erlaubnis vor einer Verbgruppe |
Bei làm cho kann ebenfalls Mehrdeutigkeit entstehen. Làm cho tôi! bedeutet ohne weiteren Zusatz meist „Mach es für mich!“. Làm cho tôi vui! bedeutet dagegen „Mach mich glücklich!“, weil tôi vor dem Zustandswort vui als betroffene Person verstanden wird. Kontext und das, was nach cho folgt, sind daher unverzichtbar.
Die Stärke der Veranlassung genauer wählen
Fortgeschrittene unterscheiden nicht nur zwischen „erlauben“ und „verursachen“, sondern auch danach, wie viel Druck ausgeübt wird:
| Verb | Kernbedeutung | Typischer Eindruck |
|---|---|---|
| cho | erlauben, zulassen | die handelnde Person erhält Freiheit |
| nhờ | um eine Handlung bitten | höfliche Bitte oder Auftrag |
| bảo | sagen/anweisen, etwas zu tun | direkte Anweisung, je nach Beziehung neutral bis bestimmt |
| bắt | zwingen | keine freie Wahl |
| khiến | bewirken, verursachen | Ursache und Wirkung; oft schriftsprachlicher als làm cho |
| yêu cầu | auffordern, verlangen | formell oder institutionell |
So unterscheiden sich Tôi cho anh ấy đi „Ich lasse ihn gehen“, Tôi bảo anh ấy đi „Ich sage ihm, er soll gehen“ und Tôi bắt anh ấy đi „Ich zwinge ihn zu gehen“ deutlich. Das weiterführende B2-Thema behandelt diese Abstufungen ausführlicher.
Der Geltungsbereich der Verneinung
Không cho anh ấy đi bedeutet, dass die Erlaubnis verweigert wird: „Man lässt ihn nicht gehen.“ Soll dagegen ein verursachter negativer Zustand ausgedrückt werden, steht die Verneinung innerhalb des Ergebnisses, etwa Tiếng ồn làm cho tôi không ngủ được — „Der Lärm bewirkt, dass ich nicht schlafen kann.“ Die Position von không zeigt somit, welcher Teil des Satzes verneint wird.
Cho und để bei „Lass mich …“
Cho tôi làm bittet darum, eine Handlung tun zu dürfen. Để tôi làm bedeutet eher „Lass das mich machen“ oder „Ich übernehme das“: Die sprechende Person bietet sich an. In vielen Alltagssituationen liegen beide Bedeutungen nahe beieinander, doch die Perspektive ist verschieden — cho richtet den Blick auf die Erlaubnis, để auf das Überlassen einer Aufgabe oder das Ermöglichen eines Ablaufs.
Lerntipps
- Lerne Rollen statt Einzelwörter. Markiere in fünf eigenen Sätzen jeweils die Person, die erlaubt, die Person, die handelt, und die Handlung: Bố / cho / tôi / dùng xe. So bleibt die Wortstellung zuverlässig.
- Übersetze deutsches „lassen“ nicht sofort. Frage zuerst: Wird etwas erlaubt, erbeten, befohlen, erzwungen oder verursacht? Wähle danach cho, nhờ, bảo, bắt oder làm cho.
- Übe Kontrastpaare laut. Vergleiche etwa Mẹ cho tôi đi mit Mẹ không cho tôi đi sowie Tin đó làm tôi vui mit Tin đó làm cho tôi vui. Ergänze anschließend đã, sẽ und chưa, ohne die Verben zu verändern.
Verwandte Themen
- Voraussetzung: Aufeinanderfolgende Verben — erklärt, warum mehrere vietnamesische Verben ohne ein Infinitivwort direkt nebeneinanderstehen.
- Nächster Schritt: Fortgeschrittene Konstruktionen der Veranlassung — vergleicht khiến, bắt, yêu cầu, đề nghị und ra lệnh nach Stärke und Sprachstil.
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