B1

Der Konjunktiv im Rumänischen

Modul Conjunctiv

Dieser Artikel ist Teil des Rumänisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Der rumänische Konjunktiv heißt conjunctiv und wird meist mit să + gebeugtem Verb gebildet: Vreau să plec bedeutet „Ich möchte gehen“. Er steht besonders nach Ausdrücken des Wunsches, der Notwendigkeit, der Möglichkeit, der Bewertung und des Zwecks. Anders als der deutsche Konjunktiv entspricht er sehr oft einem deutschen Infinitiv mit zu oder einem Nebensatz mit dass.

Überblick

Der Konjunktiv ist ein Modus (eine Verbform, die zeigt, wie eine Handlung gemeint ist). Im Rumänischen bezeichnet er häufig eine gewünschte, notwendige, mögliche oder nur vorgestellte Handlung. Sein deutlichstes Erkennungszeichen ist die Partikel . Für den Grundgebrauch auf B1-Niveau ist vor allem der conjunctiv prezent, der Konjunktiv Präsens, wichtig.

Für Deutschsprachige ist dabei die Bezeichnung leicht irreführend: Man darf den rumänischen conjunctiv nicht einfach mit dem deutschen Konjunktiv I oder II gleichsetzen. In Vreau să plec steht im Deutschen kein Konjunktiv, sondern ein Infinitiv: „Ich möchte gehen.“ In E posibil să plouă passt dagegen ein dass-Satz: „Es ist möglich, dass es regnet.“ Entscheidend ist also die rumänische Konstruktion, nicht die Form der deutschen Übersetzung.

Der Konjunktiv ist im heutigen Rumänisch außerordentlich häufig. Wo Deutsch und viele andere Sprachen einen Infinitiv verwenden, bevorzugt Rumänisch oft einen vollständigen Nebensatz mit eigener Personalform. Dadurch kann das Subjekt (wer etwas tut) im Hauptsatz und im -Satz gleich oder verschieden sein: Vreau să plec „Ich möchte gehen“, aber Vreau să pleci „Ich möchte, dass du gehst“.

Bildung und Funktionsweise

Das Grundmuster

Die einfache Struktur lautet:

Hauptausdruck + să + Verb im Konjunktiv Präsens

  • Vreau să învăț. – Ich möchte lernen.
  • Trebuie să așteptăm. – Wir müssen warten.
  • E important să înțelegeți. – Es ist wichtig, dass ihr versteht / Sie verstehen.

Das Verb nach wird nach Person und Zahl gebeugt. Man erkennt also an der Verbform, wer handelt. Ein Personalpronomen wie eu „ich“ oder tu „du“ wird nur gesetzt, wenn es zur Klarstellung oder Betonung nötig ist.

Personen und typische Formen

Bei vielen Verben entsprechen die Formen der 1. und 2. Person den Formen des Indikativs Präsens (der normalen Form für Tatsachen). Besonders auffällig ist meist die 3. Person: Singular und Plural haben dort dieselbe Konjunktivform.

Person a pleca – weggehen a face – machen a veni – kommen
eu să plec să fac să vin
tu să pleci să faci să vii
el/ea să plece să facă să vină
noi să plecăm să facem să venim
voi să plecați să faceți să veniți
ei/ele să plece să facă să vină

Die Übereinstimmung der 3. Person Singular und Plural ist regelmäßig: el să plece und ei să plece. Ob eine oder mehrere Personen gemeint sind, ergibt sich aus dem Subjekt oder dem Zusammenhang.

Viele Verben zeigen in der 3. Person einen Wechsel, den man am besten zusammen mit dem Verb lernt:

Infinitiv 1. Person Singular 3. Person Singular/Plural Bedeutung
a lucra să lucrez să lucreze arbeiten
a citi să citesc să citească lesen
a mânca să mănânc să mănânce essen
a merge să merg să meargă gehen, fahren
a spune să spun să spună sagen

Diese Wechsel lassen sich nicht zuverlässig aus einer einzigen Endungsregel ableiten. Die Konjugationsgruppen helfen bei der Orientierung, doch häufige 3.-Person-Formen sollte man als festen Bestandteil des Verbs speichern.

Wichtige unregelmäßige Verben

Einige sehr häufige Verben haben Formen, die besonders gelernt werden müssen:

Person a fi – sein a avea – haben a lua – nehmen
eu să fiu să am să iau
tu să fii să ai să iei
el/ea să fie să aibă să ia
noi să fim să avem să luăm
voi să fiți să aveți să luați
ei/ele să fie să aibă să ia

Achte besonders auf să fii mit zwei i für „dass du bist“ und să fie für die 3. Person: Vreau să fii atent „Ich möchte, dass du aufmerksam bist“; E posibil să fie acasă „Möglicherweise ist er/sie zu Hause“.

Verneinung

Die Verneinung steht nach und vor dem Verb:

să + nu + Verb

  • Sper să nu întârzii. – Ich hoffe, mich nicht zu verspäten.
  • E bine să nu uiți. – Es ist gut, wenn du es nicht vergisst.
  • Să nu plecați! – Geht nicht weg! / Gehen Sie nicht weg!

Nu ersetzt also nicht. Die Reihenfolge nu să pleci ist im neutralen Grundmuster falsch.

Objektpronomen und reflexive Formen

Kurze unbetonte Pronomen stehen gewöhnlich zwischen und dem Verb. Ein Objektpronomen vertritt dabei eine Person oder Sache, auf die sich die Handlung richtet; ein reflexives Pronomen bezieht sich auf das Subjekt selbst.

  • Vreau să-l văd. – Ich möchte ihn sehen.
  • Poți să-mi spui adevărul? – Kannst du mir die Wahrheit sagen?
  • Trebuie să ne grăbim. – Wir müssen uns beeilen.
  • Sper să nu-l uiți. – Ich hoffe, dass du ihn nicht vergisst.

Vor einem Vokal werden einige Pronomen mit Bindestrich an das folgende Wort angeschlossen: să-l, să-mi, să-ți. Bei der Verneinung steht nu davor: să nu-l văd.

Gleicher oder verschiedener Handelnder

Der große praktische Vorteil der Konstruktion liegt in der Personalform:

Rumänisch Wörtliche Struktur Natürliche deutsche Wiedergabe
Vreau să plec. Ich will, dass ich weggehe. Ich möchte weggehen.
Vreau să pleci. Ich will, dass du weggehst. Ich möchte, dass du weggehst.
Vrem să veniți. Wir wollen, dass ihr/Sie kommt/kommen. Wir möchten, dass ihr kommt / Sie kommen.

Im Deutschen ist beim gleichen Handelnden meist ein Infinitiv üblich. Rumänisch behält dagegen und setzt die passende Person ein. Gerade deshalb sollte man nicht aus dem deutschen Satz Wort für Wort übersetzen.

Die wichtigsten Auslöser

Wunsch, Absicht und Hoffnung

Nach Verben wie a vrea „wollen“, a dori „wünschen“, a prefera „bevorzugen“ und a spera „hoffen“ folgt häufig ein -Satz:

  • Vreau să învăț româna. – Ich möchte Rumänisch lernen.
  • Sper să reușești. – Ich hoffe, dass du Erfolg hast.
  • Prefer să rămân acasă. – Ich bleibe lieber zu Hause.

Notwendigkeit, Möglichkeit und Bewertung

Unpersönliche Ausdrücke nennen keine konkrete handelnde Person im Hauptsatz. Dazu gehören trebuie „es ist nötig/müssen“, e bine „es ist gut“, e important „es ist wichtig“ oder e posibil „es ist möglich“:

  • Trebuie să mănânci. – Du musst essen.
  • E bine să știi. – Es ist gut, das zu wissen.
  • E posibil să plouă. – Es ist möglich, dass es regnet.

In dieser Verwendung bleibt trebuie unverändert; die Person wird durch das Verb nach angezeigt: trebuie să plec, trebuie să pleci, trebuie să plecăm.

Zweck mit ca să

Ca să leitet häufig einen Zwecksatz ein und entspricht „damit“ oder, bei gleichem Subjekt, „um … zu“:

  • Vorbesc încet ca să înțelegi. – Ich spreche langsam, damit du verstehst.
  • Am venit mai devreme ca să te ajut. – Ich bin früher gekommen, um dir zu helfen.

Nur kann ebenfalls einen Zweck ausdrücken, besonders wenn der Zusammenhang klar ist. Ca să markiert die Zweckbeziehung deutlicher.

Aufforderungen, Wünsche und Vorschläge

Ein -Satz kann selbstständig stehen. Dann drückt er je nach Tonfall eine Aufforderung, einen Wunsch oder einen Vorschlag aus:

  • Să intri! – Komm herein!
  • Să fim atenți. – Seien wir aufmerksam.
  • Să mergem? – Sollen wir gehen?
  • Să ai o zi bună! – Hab einen schönen Tag!

Beispiele im Zusammenhang

Rumänisch Deutsch Hinweis
Vreau să plec după prânz. Ich möchte nach dem Mittagessen gehen. Gleicher Handelnder; im Deutschen Infinitiv.
Vreau să pleci după prânz. Ich möchte, dass du nach dem Mittagessen gehst. Verschiedene Handelnde.
Trebuie să mănânci ceva. Du musst etwas essen. Notwendigkeit mit unverändertem trebuie.
E bine să știi adevărul. Es ist gut, die Wahrheit zu kennen. Unpersönliche Bewertung.
Sper să reușești la examen. Ich hoffe, dass du die Prüfung bestehst. Hoffnung.
Preferăm să călătorim cu trenul. Wir reisen lieber mit dem Zug. Vorliebe; 1. Person Plural.
E posibil să fie deja acasă. Es ist möglich, dass er/sie schon zu Hause ist. Unregelmäßige Form von a fi.
Vorbesc mai rar ca să mă înțelegi. Ich spreche langsamer, damit du mich verstehst. Zweck; unbetontes Objektpronomen.
Am venit să te ajut. Ich bin gekommen, um dir zu helfen. Zweck nur mit .
Te rog să nu întârzii. Bitte verspäte dich nicht. Verneinung: să nu.
Să mergem la o cafea? Wollen wir einen Kaffee trinken gehen? Vorschlag in der 1. Person Plural.
Să aveți drum bun! Gute Reise! Höflicher Wunsch an mehrere Personen oder an eine gesiezte Person.
Nu cred să fie adevărat. Ich glaube nicht, dass das wahr ist. Zweifel; eher gehobene oder sorgfältige Ausdrucksweise.
Mi-ar plăcea să locuiesc la Brașov. Ich würde gern in Brașov wohnen. Höflicher oder hypothetischer Wunsch.

Häufige Fehler

Den deutschen Infinitiv direkt übernehmen

  • Falsch: Vreau pleca acum.
  • Richtig: Vreau să plec acum.
  • Warum: Nach a vrea steht im heutigen Rumänisch normalerweise să + Personalform. Auch wenn Deutsch „Ich möchte jetzt gehen“ mit einem Infinitiv bildet, braucht Rumänisch hier să plec.

Nach den Infinitiv setzen

  • Falsch: Trebuie să a mânca.
  • Richtig: Trebuie să mănânci.
  • Warum: A mânca ist der Infinitiv „essen“. Nach folgt eine nach Person gebeugte Form; hier zeigt mănânci, dass „du“ gemeint ist.

Für alle Personen dieselbe Form verwenden

  • Falsch: Vreau să plece für „Ich möchte gehen.“
  • Richtig: Vreau să plec.
  • Warum: Să plece gehört zur 3. Person Singular oder Plural. Das Subjekt des -Satzes ist hier dieselbe Person wie bei vreau, also die 1. Person Singular.

bei der Verneinung weglassen oder falsch platzieren

  • Falsch: Sper nu să plouă.
  • Richtig: Sper să nu plouă.
  • Warum: Das neutrale Muster lautet immer să nu + Verb. leitet den Konjunktiv ein, nu verneint ihn.

Die 3. Person wie den Indikativ bilden

  • Falsch: E posibil să merge singur.
  • Richtig: E posibil să meargă singur.
  • Warum: Bei vielen Verben besitzt die 3. Person eine erkennbare Konjunktivform. Zu a merge gehört să meargă, nicht să merge.

Ein deutsches Komma automatisch übernehmen

  • Unüblich: Vreau, să plec.
  • Richtig: Vreau să plec.
  • Warum: Zwischen einem Verb und dem von ihm abhängigen -Satz steht im Rumänischen normalerweise kein Komma. Die deutsche Kommasetzung bei dass- oder zu-Gruppen lässt sich nicht übertragen.

Hinweise zum Gebrauch

Kein direktes Gegenstück zum deutschen Konjunktiv

Der deutsche Konjunktiv II drückt oft Irrealität oder Höflichkeit aus: „Ich würde gern …“. Rumänisch kann dafür den Konditional im Hauptsatz mit einem Konjunktiv ergänzen: Mi-ar plăcea să călătoresc mai mult „Ich würde gern mehr reisen“. Der Konjunktiv steht hier nur in să călătoresc; mi-ar plăcea ist eine andere Verbform. Bei indirekter Rede entspricht der deutsche Konjunktiv I wiederum nicht automatisch einem rumänischen -Satz.

und der rumänische Infinitiv

Der Infinitiv existiert, wird aber in vielen alltäglichen Ergänzungen durch den Konjunktiv ersetzt. Nach einigen Verben sind beide Bauarten möglich, besonders nach a putea „können“: Pot să vin und Pot veni bedeuten beide „Ich kann kommen“. Die Form mit ist sehr gebräuchlich und für Lernende das sichere Grundmuster.

In formeller oder schriftlicher Sprache begegnet außerdem pentru a + Infinitiv als Zweckangabe: pentru a evita o problemă „um ein Problem zu vermeiden“. Im Gespräch klingt ca să evităm o problemă oder, je nach Satz, să evităm o problemă oft natürlicher.

Wortstellung und wiederholtes

Ein -Satz hat nicht die deutsche Nebensatzstellung. Das Verb wandert also nicht ans Satzende: Vreau să citesc cartea azi heißt wörtlich eher „Ich möchte heute das Buch lesen“, nicht mit einer Endstellung wie im deutschen dass-Satz.

Bei zwei koordinierten Handlungen wird häufig wiederholt: Vreau să citesc și să scriu „Ich möchte lesen und schreiben“. Diese Wiederholung macht deutlich, dass beide Verben zum Konjunktiv gehören, und ist eine gute, sichere Lerngewohnheit.

Höflichkeit und Tonfall

Selbstständige -Sätze können freundlich, feierlich oder sehr bestimmt wirken. Să luați loc bedeutet höflich „Nehmen Sie Platz“, während Să taci! je nach Situation scharf „Sei still!“ heißt. Nicht der Modus allein, sondern Wortwahl, Anrede und Intonation bestimmen den Ton.

Über die Grundlagen hinaus

Der Konjunktiv Perfekt

Für eine Handlung, die vor einem anderen Zeitpunkt liegt, gibt es den conjunctiv perfect. Er wird mit să fi + Partizip gebildet. Das Partizip ist eine Verbform wie plecat „gegangen“ oder spus „gesagt“, die auch in zusammengesetzten Vergangenheitsformen vorkommt.

Struktur Beispiel Bedeutung
să fi + plecat E posibil să fi plecat. Vielleicht ist er/sie weggegangen.
să fi + spus Regret să fi spus asta. Ich bedaure, das gesagt zu haben.
să nu fi + uitat Sper să nu fi uitat. Ich hoffe, dass du es nicht vergessen hast.

Fi bleibt in dieser Konstruktion unverändert; die Person ergibt sich aus dem Zusammenhang. Der Perfekt ist für den ersten B1-Zugang weniger wichtig als der Konjunktiv Präsens, kommt aber in Nachrichten, Gesprächen über Vermutungen und in sorgfältiger Schriftsprache regelmäßig vor.

Zweifel, Ablehnung und stilistische Nuancen

Nach verneinten Ausdrücken des Glaubens oder nach zweifelnden Formulierungen kann der Konjunktiv erscheinen: Nu cred să fie adevărat „Ich glaube nicht, dass das wahr ist“. Im neutralen Alltagsrumänisch ist je nach Satz auch ein Indikativsatz möglich, etwa Nu cred că este adevărat. Die Wahl zwischen und („dass“) hängt vom einleitenden Ausdruck, vom Grad der Gewissheit und vom Stil ab; sie ist daher kein einfacher Austausch zweier gleichbedeutender Wörter.

Feste Wünsche können ebenfalls besondere, teils formelhafte Konjunktivformen enthalten: Trăiască România! „Es lebe Rumänien!“ oder Fie ce-o fi! „Komme, was wolle!“ Solche Wendungen sollte man zunächst erkennen und als Ganzes lernen. Feinere Unterschiede bei Zeitbezug, selbstständigen Wunschsätzen und dem Wechsel zwischen und gehören zum fortgeschrittenen Konjunktivgebrauch.

Übungstipps

  1. Lerne jedes neue Verb mit der 3. Person des Konjunktivs. Notiere nicht nur a merge – merg, sondern auch să meargă. Gerade diese Form unterscheidet sich oft deutlich vom Indikativ.
  2. Bilde Satzpaare mit wechselndem Handelnden. Vergleiche etwa Vreau să vin mit Vreau să vii und Sper să reușesc mit Sper să reușești. So wird die Personalendung wichtiger als die deutsche Übersetzung.
  3. Sammle Auslöser in Gruppen. Schreibe je drei eigene Sätze zu Wunsch (vreau să), Notwendigkeit (trebuie să), Bewertung (e bine să) und Zweck (ca să). Lies sie laut, damit să + Verb als feste rhythmische Einheit vertraut wird.

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