Das italienische Verb *dare* (geben)
Il Verbo Dare
Dieser Artikel ist Teil des Italienisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Das häufige Verb dare bedeutet zunächst „geben“, wird im Präsens aber unregelmäßig konjugiert: do, dai, dà, diamo, date, danno. Meist gibt jemand etwas an jemanden: Ti do il libro – „Ich gebe dir das Buch.“ Außerdem steckt dare in vielen festen Wendungen, deren deutsche Entsprechung kein „geben“ enthält, etwa dare un esame („eine Prüfung ablegen“) und dare fastidio („stören“).
Überblick
Dare gehört zum Grundwortschatz auf Niveau A1. Man braucht es beim Überreichen und Anbieten, beim Bitten um Hilfe und in zahlreichen Alltagssituationen: Man gibt jemandem einen Schlüssel, gibt einen Rat, hilft jemandem oder legt eine Prüfung ab. Obwohl der Infinitiv auf -are endet, folgt das Verb im Präsens nicht vollständig dem regelmäßigen Muster von parlare. Seine sechs Formen sollten deshalb als eigene Reihe gelernt werden.
Für deutsche Muttersprachler ist die Grundbedeutung leicht zugänglich: dare qualcosa a qualcuno entspricht oft „jemandem etwas geben“. Der deutsche Dativ in „jemandem“ wird im Italienischen jedoch meist mit a + Person oder einem kurzen Objektpronomen wie mi, ti, gli oder le ausgedrückt. Ein indirektes Objekt ist dabei die Person, die etwas erhält oder von der Handlung betroffen ist; ein direktes Objekt ist die Sache oder Person, die unmittelbar gegeben wird.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen die feste Form dà mit Akzent und die vielen Verbindungen, die man nicht Wort für Wort ins Deutsche übertragen kann. Wer nur an „geben“ denkt, versteht zwar Do il libro a Paolo, aber nicht automatisch Mi dai una mano? oder Questo rumore mi dà fastidio.
So funktioniert es
Präsensformen
Der Infinitiv – die Grundform im Wörterbuch – lautet dare. Im Präsens, also in der Gegenwartsform, wird er so konjugiert:
| Person | Form von dare | Deutsche Bedeutung |
|---|---|---|
| io | do | ich gebe |
| tu | dai | du gibst |
| lui / lei / Lei | dà | er / sie gibt; Sie geben |
| noi | diamo | wir geben |
| voi | date | ihr gebt; Sie geben |
| loro | danno | sie geben |
Wie bei anderen italienischen Verben zeigt die Endung meist schon, wer handelt. Das Subjektpronomen – das Wort für die handelnde Person, etwa io oder tu – kann daher oft wegfallen:
- Do il pane a Marta. – Ich gebe Marta das Brot.
- Diamo una mano a Luca. – Wir helfen Luca.
- Danno un consiglio agli studenti. – Sie geben den Studierenden einen Rat.
Die Formen sind nicht nach dem normalen Muster -o, -i, -a, -iamo, -ate, -ano vorhersagbar. Besonders dai und danno muss man bewusst lernen. In danno wird das doppelte n hörbar länger gesprochen als ein einzelnes n.
Der Akzent in dà
Nur die dritte Person Singular trägt im Präsens einen geschriebenen Akzent:
- Giulia dà il biglietto a Marco. – Giulia gibt Marco die Fahrkarte.
- Il professore dà molti esercizi. – Der Lehrer gibt viele Übungen auf.
Der Akzent unterscheidet das Verb dà von der Präposition da, die unter anderem „von“, „aus“ oder „bei“ bedeuten kann:
- Anna dà una lettera a Paolo. – Anna gibt Paolo einen Brief.
- Anna viene da Milano. – Anna kommt aus Mailand.
Die Formen do und dai erhalten keinen Akzent. Dai kann je nach Zusammenhang auch die Verbindung aus da + i sein, etwa in dai miei amici („bei meinen Freunden“). Der Satzbau macht normalerweise klar, welche Bedeutung gemeint ist.
Etwas an jemanden geben
Das Grundmuster lautet:
dare + Sache + a + Person
- Do il libro a Chiara. – Ich gebe Chiara das Buch.
- Dai le chiavi a tuo fratello? – Gibst du deinem Bruder die Schlüssel?
- Diamo il benvenuto ai nuovi colleghi. – Wir heißen die neuen Kollegen willkommen.
Die Sache ist das direkte Objekt: Was wird gegeben? Die empfangende Person ist das indirekte Objekt: Wem wird es gegeben? Im Deutschen erkennt man diese Person oft am Dativ, im Italienischen steht bei einem ausgeschriebenen Namen oder Nomen normalerweise a. Vor einem Artikel verschmilzt die Präposition häufig mit diesem: a + il → al, a + i → ai.
Ist die empfangende Person bereits bekannt, verwendet man oft ein unbetontes Objektpronomen vor dem konjugierten Verb:
| Person | Pronomen | Beispiel | Deutsche Bedeutung |
|---|---|---|---|
| mir | mi | Mi dai il menu? | Gibst du mir die Speisekarte? |
| dir | ti | Ti do il mio numero. | Ich gebe dir meine Nummer. |
| ihm | gli | Gli dà un consiglio. | Er/Sie gibt ihm einen Rat. |
| ihr / Ihnen | le / Le | Le diamo una risposta. | Wir geben ihr / Ihnen eine Antwort. |
| uns | ci | Ci date cinque minuti? | Gebt ihr uns fünf Minuten? |
| euch | vi | Vi do le chiavi. | Ich gebe euch die Schlüssel. |
| ihnen | gli | Gli danno informazioni. | Sie geben ihnen Informationen. |
Das Pronomen steht also nicht dort, wo im Deutschen „mir“ oder „dir“ steht, sondern gewöhnlich vor der gebeugten Verbform: Ti do il libro, nicht Do ti il libro. Die Großschreibung Le kann in förmlichen Texten anzeigen, dass eine höflich angesprochene Person gemeint ist.
Verneinung und Fragen
Zur Verneinung setzt man non unmittelbar vor das Verb; ein Objektpronomen steht zwischen non und der Verbform:
- Non do il mio indirizzo a sconosciuti. – Ich gebe Fremden meine Adresse nicht.
- Non ti do la password. – Ich gebe dir das Passwort nicht.
- Non mi dai una risposta. – Du gibst mir keine Antwort.
Bei einer Entscheidungsfrage ändert sich die Wortstellung nicht zwingend. Stimme, Zusammenhang und Fragezeichen zeigen die Frage an:
- Mi dai una mano? – Hilfst du mir?
- Date voi la notizia a Sara? – Überbringt ihr Sara die Nachricht?
Das ausdrücklich genannte voi im zweiten Beispiel setzt einen Kontrast: Seid ihr diejenigen, die es tun?
Häufige Verbindungen mit dare
Viele Verbindungen muss man als Ganzes lernen. Die passende deutsche Übersetzung hängt vom folgenden Wort ab.
| Italienische Verbindung | Natürliche deutsche Entsprechung | Beispiel |
|---|---|---|
| dare una mano a qualcuno | jemandem helfen | Mi dai una mano? |
| dare un consiglio a qualcuno | jemandem einen Rat geben | Ti do un consiglio. |
| dare un esame | eine Prüfung ablegen | Dà un esame domani. |
| dare fastidio a qualcuno | jemanden stören; lästig sein | Il rumore mi dà fastidio. |
| dare ragione a qualcuno | jemandem recht geben | Do ragione a Marta. |
| dare torto a qualcuno | jemandem unrecht geben | Non ti do torto. |
| dare un'occhiata a qualcosa | einen Blick auf etwas werfen | Do un'occhiata al messaggio. |
| dare il benvenuto a qualcuno | jemanden willkommen heißen | Diamo il benvenuto agli ospiti. |
| dare del tu / del Lei | jemanden duzen / siezen | Le diamo del Lei. |
Gerade hier führt eine wörtliche Übertragung oft in die Irre. Dare un esame bedeutet nicht, dass man eine Prüfung „gibt“, sondern dass man sie als Prüfling ablegt. Dare fastidio heißt je nach Satz „stören“, „lästig sein“ oder „Unbehagen verursachen“.
Beispiele im Zusammenhang
| Italienisch | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| Ti do il libro dopo cena. | Ich gebe dir das Buch nach dem Abendessen. | ti bezeichnet die empfangende Person. |
| Mi dai una mano con queste scatole? | Hilfst du mir mit diesen Kartons? | Feste Wendung: dare una mano. |
| Dà un esame domani. | Er/Sie legt morgen eine Prüfung ab. | dà ist die dritte Person Singular. |
| Le diamo del Lei. | Wir siezen sie/Sie. | dare del Lei bezeichnet die förmliche Anrede. |
| Luca dà le chiavi a sua sorella. | Luca gibt seiner Schwester die Schlüssel. | Empfängerin mit a. |
| Ci date ancora cinque minuti? | Gebt ihr uns noch fünf Minuten? | ci bedeutet hier „uns“. |
| I nonni danno un regalo alla bambina. | Die Großeltern geben dem Mädchen ein Geschenk. | Dritte Person Plural: danno. |
| Questo rumore mi dà fastidio. | Dieses Geräusch stört mich. | Im Deutschen steht hier gewöhnlich nicht „geben“. |
| Ti do un consiglio: prenota prima. | Ich gebe dir einen Rat: Reserviere vorher. | Häufige Verbindung mit consiglio. |
| Non gli do ragione. | Ich gebe ihm nicht recht. | non + gli + do. |
| Diamo il benvenuto ai nuovi vicini. | Wir heißen die neuen Nachbarn willkommen. | ai ist die Verbindung aus a + i. |
| Dai sempre del tu ai colleghi? | Duzt du deine Kollegen immer? | dare del tu heißt „duzen“. |
| Do un'occhiata al documento e poi ti chiamo. | Ich werfe einen Blick auf das Dokument und rufe dich dann an. | un'occhiata bedeutet „einen Blick“. |
| Perché non mi dai una risposta chiara? | Warum gibst du mir keine klare Antwort? | Frage mit vorangestelltem mi. |
| Gli insegnanti danno molti compiti per lunedì. | Die Lehrkräfte geben viele Hausaufgaben für Montag auf. | dare compiti kann „Hausaufgaben aufgeben“ heißen. |
Häufige Fehler
Dare wie ein regelmäßiges Verb auf -are bilden
- Falsch: Io daro il libro. / Loro darano un consiglio.
- Richtig: Io do il libro. / Loro danno un consiglio.
- Warum: Das Präsens von dare ist unregelmäßig. Lerne die Reihe do, dai, dà, diamo, date, danno als festen Rhythmus.
Den Akzent bei dà vergessen oder die Personen verwechseln
- Falsch: Marco da il pane a Lucia. / Io dà il pane a Lucia.
- Richtig: Marco dà il pane a Lucia. / Io do il pane a Lucia.
- Warum: Nur die dritte Person Singular lautet dà und trägt den Akzent. So wird sie von der Präposition da unterschieden; die erste Person heißt do.
Das deutsche Satzmuster direkt übertragen
- Falsch: Do Marco il libro.
- Richtig: Do il libro a Marco.
- Warum: Bei einem ausgeschriebenen Empfänger steht normalerweise a. Das Deutsche markiert dieselbe Rolle häufig durch den Dativ: „Marco“ beziehungsweise „dem Mann“.
Das kurze Pronomen hinter das Verb setzen
- Falsch: Do ti il mio numero.
- Richtig: Ti do il mio numero.
- Warum: Unbetonte Objektpronomen wie mi, ti, gli, le, ci und vi stehen vor einer konjugierten Verbform.
Jede Verbindung wörtlich mit „geben“ übersetzen
- Falsch verstanden: Domani do un esame = „Morgen gebe ich eine Prüfung.“
- Richtig: Domani do un esame. = „Morgen lege ich eine Prüfung ab.“
- Warum: Viele Verbindungen mit dare haben im Deutschen ein eigenes Verb. Lerne dare un esame, dare fastidio und dare del tu jeweils als Einheit.
danno nur mit dem Verb verwechseln
- Missverständlich ohne Kontext: Il danno è grave.
- Einordnung: Hier ist danno ein Nomen und bedeutet „Schaden“; in Loro danno una risposta ist es eine Verbform und bedeutet „sie geben“.
- Warum: Beide Wörter werden gleich geschrieben. Artikel, Satzstellung und Zusammenhang zeigen die Funktion.
Hinweise zum Gebrauch
Dare del tu und dare del Lei beschreiben, wie man jemanden anredet. Im Deutschen entsprechen sie meistens „duzen“ und „siezen“:
- Possiamo darci del tu? – Können wir uns duzen?
- All'inizio do del Lei alla direttrice. – Anfangs sieze ich die Direktorin.
Die Wahl zwischen tu und Lei hängt von Beziehung, Alter, Umfeld und regionalen Gewohnheiten ab. Im beruflichen oder förmlichen Erstkontakt ist Lei oft die sichere Wahl; ein Übergang zu tu kann ausdrücklich angeboten werden. Das deutsche und das italienische System ähneln sich, stimmen aber nicht in jeder Situation genau überein.
Bei dare un esame ist im Deutschen „eine Prüfung ablegen“ die neutrale Entsprechung. Im Italienischen hört man daneben auch fare un esame oder das formellere sostenere un esame; die genaue Wahl kann von Region, Institution und Art der Prüfung abhängen. Für das aktive Antreten zu einer Hochschulprüfung ist dare un esame sehr gebräuchlich.
Das Pronomen gli für „ihnen“ ist im heutigen gesprochenen und geschriebenen Italienisch weit verbreitet. In besonders formellem Stil kann für mehrere Personen auch loro nach dem Verb stehen, etwa Do loro le informazioni. Für A1 genügt es, gli zu verstehen und in gewöhnlichen Gesprächen zu verwenden.
Über die Grundlagen hinaus
Die folgenden Formen musst du auf A1 noch nicht beherrschen. Sie helfen aber, dare später in Texten und Gesprächen wiederzuerkennen.
Das Partizip Perfekt – die Verbform, die im zusammengesetzten Vergangenheitstempus verwendet wird – lautet dato. Mit dem Hilfsverb avere entsteht das passato prossimo:
- Ti ho dato le chiavi ieri. – Ich habe dir gestern die Schlüssel gegeben.
- Ci hanno dato una buona notizia. – Sie haben uns eine gute Nachricht überbracht.
Im Imperfekt, einer Vergangenheitsform für Hintergründe und wiederholte Vorgänge, stehen davo, davi, dava, davamo, davate, davano: Da bambino davo una mano in negozio – „Als Kind half ich im Laden mit.“ Der Futurstamm verliert das e: darò, darai, darà, daremo, darete, daranno. Achte bei darà und darò auf den Endakzent.
Der kurze bejahende Imperativ für tu, also die Aufforderungsform, lautet traditionell da': Da' il libro a Marco! – „Gib Marco das Buch!“ Auch dai kommt als Aufforderung vor. Vor angehängten Pronomen entstehen Formen wie dammi („gib mir“), dacci („gib uns“) und dalle („gib ihr“):
- Dammi un minuto! – Gib mir eine Minute!
- Dacci una possibilità! – Gib uns eine Chance!
Hier steht das Pronomen nicht vor dem Verb, sondern wird an die bejahende Aufforderung angehängt. Diese Abweichung gehört zu einem späteren Thema über den Imperativ.
In Sätzen mit zwei Objektpronomen verändern sich die Formen: Ti do il libro kann zu Te lo do werden – „Ich gebe es dir.“ Aus Gli do la chiave wird Gliela do – „Ich gebe sie ihm/ihr.“ Solche Kombinationen sind wichtig, aber deutlich anspruchsvoller als die A1-Grundregel. Zunächst reicht das sichere Muster Ti do + Sache.
Übungstipps
- Sprich die sechs Formen als Reihe: Wiederhole täglich do, dai, dà, diamo, date, danno und bilde danach je einen kurzen Satz. Markiere dà schriftlich immer mit Akzent und danno mit doppeltem n.
- Übe mit zwei Fragen: Nimm einen Gegenstand und frage „Was wird gegeben?“ sowie „Wem?“. Forme dann beide Varianten: Do il libro a Nina und Le do il libro.
- Lerne Wendungen statt Einzelwörter: Schreibe Karten für dare una mano, dare fastidio, dare un esame, dare ragione und dare del Lei. Übersetze jeweils den ganzen Ausdruck natürlich ins Deutsche, nicht nur das Verb.
Verwandte Themen
- Voraussetzung: Regelmäßige Verben auf -are – zeigt das Grundmuster, von dem das unregelmäßige dare abweicht.