B2

Das Agenspartizip im Finnischen

Agenttipartisiippi

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Kurz gesagt

Das finnische Agenspartizip auf -ma/-mä beschreibt das Ergebnis einer Handlung und nennt zugleich den Handelnden: äidin tekemä kakku bedeutet „ein von der Mutter gebackener Kuchen“. Der Handelnde steht im Genitiv; bei Personalpronomen kommt außerdem ein Possessivsuffix an das Partizip: minun tekemäni kakku. Die verneinte Entsprechung wird mit -maton/-mätön gebildet: lukematon kirja „ein ungelesenes Buch“.

Überblick

Ein Partizip ist eine vom Verb gebildete Form, die sich ähnlich wie ein Adjektiv verhält. Das finnische agenttipartisiippi wird vor allem dann verwendet, wenn ein Gegenstand durch eine Handlung näher beschrieben wird und bekannt ist, wer diese Handlung ausführt oder ausgeführt hat. In lapsen piirtämä kuva „das vom Kind gezeichnete Bild“ ist kuva das, was gezeichnet wurde, und lapsen nennt das Kind als Handelnden.

Im Deutschen entspricht dieser Bauweise oft eine Formulierung mit „von“ oder ein Relativsatz mit „der/die/das“: opettajan antama tehtävä kann man als „die vom Lehrer gestellte Aufgabe“ oder „die Aufgabe, die der Lehrer gestellt hat“ wiedergeben. Anders als im Deutschen steht jedoch keine Präposition vor dem Handelnden. Finnisch setzt ihn in den Genitiv, also in den Fall, der häufig Besitz oder Zugehörigkeit ausdrückt.

Das Agenspartizip wird gewöhnlich auf B2-Niveau behandelt und baut auf den übrigen Partizipien auf. Es ist besonders nützlich in Sachtexten, Nachrichten, Anleitungen und verdichteter Schriftsprache, kommt aber auch in ganz gewöhnlichen Gesprächen vor: Onko tämä sinun tekemäsi? „Hast du das gemacht?“

Bildung und Funktionsweise

Das Grundmuster

Die Konstruktion folgt diesem Schema:

Handelnder im Genitiv + Verbstamm + -ma/-mä + Bezugswort

In Marian kirjoittama viesti ist Marian der Genitiv von Maria, kirjoittama das Agenspartizip von kirjoittaa „schreiben“ und viesti „Nachricht“ das Bezugswort. Gemeint ist also eine Nachricht, die Maria geschrieben hat.

Die Endung richtet sich nach der Vokalharmonie:

Vokale im Wortstamm Endung Beispiel Bedeutung
Hintervokale a, o, u -ma antama von antaa gegeben
Vordervokale ä, ö, y -mä syömä von syödä gegessen
Nur e und i meist nach der Vokalharmonie des Verbs tekemä von tehdä gemacht

Man hängt -ma/-mä nicht einfach an den Wörterbucheintrag des Verbs. Verwendet wird der passende Verbstamm, derselbe Stammtyp, der auch in vielen Formen des dritten Infinitivs erscheint.

Verb Stamm + Endung Agenspartizip Beispiel
puhua „sprechen“ puhu- + ma puhuma hänen puhumansa kieli
lukea „lesen“ luke- + ma lukema minun lukemani kirja
antaa „geben“ anta- + ma antama opettajan antama neuvo
kirjoittaa „schreiben“ kirjoitta- + ma kirjoittama Ainon kirjoittama viesti
tehdä „machen“ teke- + mä tekemä isän tekemä pöytä
nähdä „sehen“ näke- + mä näkemä meidän näkemämme elokuva
syödä „essen“ syö- + mä syömä lasten syömä ruoka
valita „auswählen“ valitse- + ma valitsema raadin valitsema voittaja

In der Praxis steht das Agenspartizip überwiegend bei transitiven Verben, also bei Verben, deren Handlung sich auf jemanden oder etwas richtet: Man liest ein Buch, baut ein Haus oder wählt einen Sieger. Das Bezugswort der Partizipialgruppe entspricht dabei dem Objekt (demjenigen oder demjenigen, auf das sich die Handlung richtet) im vollständigen Satz:

  • Äiti teki kakun. – „Die Mutter backte den Kuchen.“
  • äidin tekemä kakku – „der von der Mutter gebackene Kuchen“

Der Handelnde steht im Genitiv

Ein Nomen erhält normalerweise die Genitivendung -n:

  • lapsilapsen piirtämä kuva „das vom Kind gezeichnete Bild“
  • opettajaopettajan antama tehtävä „die vom Lehrer gestellte Aufgabe“
  • yritysyrityksen kehittämä sovellus „die vom Unternehmen entwickelte App“

Der Genitiv ist hier kein freier Besitzhinweis, sondern nennt den Urheber oder Handelnden. Vergleiche Pekan kirja „Pekkas Buch“ mit Pekan kirjoittama kirja „das von Pekka geschriebene Buch“: Erst das Partizip macht klar, dass Pekka das Buch geschrieben hat.

Personalpronomen und Possessivsuffixe

Bei einem Personalpronomen genügt der Genitiv allein nicht. Das Agenspartizip trägt zusätzlich ein Possessivsuffix (eine Endung, die auf die Person verweist). Diese doppelte Markierung ist für deutschsprachige Lernende ungewohnt, aber standardsprachlich erforderlich.

Person Genitiv + Agenspartizip Bedeutung
ich minun tekemäni von mir gemacht
du sinun tekemäsi von dir gemacht
er/sie hänen tekemänsä von ihm/ihr gemacht
wir meidän tekemämme von uns gemacht
ihr/Sie teidän tekemänne von euch/Ihnen gemacht
sie heidän tekemänsä von ihnen gemacht

Das Pronomen kann oft entfallen, weil das Suffix die Person bereits zeigt: tekemäni päätös bedeutet auch ohne minun „die von mir getroffene Entscheidung“. Das Pronomen bleibt stehen, wenn ein Gegensatz oder besonderer Nachdruck wichtig ist: Tämä on minun tekemäni, ei sinun. „Das habe ich gemacht, nicht du.“

Bei einem gewöhnlichen Nomen steht dagegen normalerweise kein Possessivsuffix: kokin valmistama ateria, nicht kokin valmistamansa ateria.

Übereinstimmung mit dem Bezugswort

Wie ein Adjektiv richtet sich das Agenspartizip nach Numerus und Kasus des Bezugswortes. Kasus bedeutet hier die Form, die die Aufgabe eines Wortes im Satz anzeigt. Ändert sich die Form des Nomens, ändert sich auch das Partizip:

Form Finnisch Deutsch
Nominativ Singular Liisan ottama kuva das von Liisa aufgenommene Foto
Genitiv Singular Liisan ottaman kuvan värit die Farben des von Liisa aufgenommenen Fotos
Partitiv Singular Liisan ottamaa kuvaa muokattiin das von Liisa aufgenommene Foto wurde bearbeitet
Nominativ Plural Liisan ottamat kuvat die von Liisa aufgenommenen Fotos
Partitiv Plural Liisan ottamia kuvia von Liisa aufgenommene Fotos
Inessiv Singular Liisan ottamassa kuvassa auf dem von Liisa aufgenommenen Foto

Mit einem Possessivsuffix steht dieses ganz am Ende der flektierten Form: minun ottamassani kuvassa „auf dem von mir aufgenommenen Foto“ und meidän tekemistämme ehdotuksista „von den von uns gemachten Vorschlägen“.

Keine eigene Zeitform

Das Agenspartizip besitzt keine eigene Gegenwarts- oder Vergangenheitsform. Meist versteht man die Handlung als abgeschlossen: Das Bild wurde schon gezeichnet, die Entscheidung schon getroffen. Den genauen Zeitpunkt liefert der Zusammenhang oder das finite Verb, also das Verb mit Personen- und Zeitform:

  • Tämä on viime vuonna rakentamamme talo. – „Das ist das Haus, das wir letztes Jahr gebaut haben.“
  • Huomenna esittelemme suunnittelijan tekemän mallin. – „Morgen stellen wir das vom Designer angefertigte Modell vor.“

Die verneinte Form auf -maton/-mätön

Die verneinte Entsprechung entsteht mit -maton/-mätön. Sie bedeutet, dass die betreffende Handlung nicht stattgefunden hat:

  • lukealukematon kirja „ein ungelesenes Buch“
  • tehdätekemätön työ „eine unerledigte Arbeit“
  • maksaamaksamaton lasku „eine unbezahlte Rechnung“
  • tuntematon henkilö „eine unbekannte Person“

Auch diese Form wird wie ein Adjektiv dekliniert: maksamattoman laskun, maksamattomat laskut, maksamattomia laskuja. Ein Handelnder kann im Genitiv genannt werden, wenn er inhaltlich wichtig ist: Liisan lukematon viesti „die von Liisa nicht gelesene Nachricht“. Ohne solchen Zusatz bleibt offen, wer die Handlung nicht ausgeführt hat.

Beispiele im Zusammenhang

Finnisch Deutsch Hinweis
Söimme äidin tekemän kakun. Wir aßen den von der Mutter gebackenen Kuchen. kakun und tekemän stehen im Genitiv/Akkusativ.
Opettajan antama tehtävä oli vaikea. Die vom Lehrer gestellte Aufgabe war schwierig. Nomen als Handelnder im Genitiv
Tässä on minun kirjoittamani raportti. Hier ist der von mir geschriebene Bericht. Personalpronomen plus -ni
Onko tämä sinun tekemäsi? Hast du das gemacht? Das Bezugswort wird aus dem Zusammenhang ergänzt.
He hyväksyivät meidän tekemämme ehdotuksen. Sie nahmen den von uns gemachten Vorschlag an. Possessivsuffix der 1. Person Plural
Museossa on Picasson maalaamia teoksia. Im Museum gibt es von Picasso gemalte Werke. Partitiv Plural maalaamia teoksia
Poliisi etsi silminnäkijän näkemää autoa. Die Polizei suchte nach dem Auto, das der Augenzeuge gesehen hatte. Partitiv Singular nach etsiä
Asumme isoisäni rakentamassa talossa. Wir wohnen in einem Haus, das mein Großvater gebaut hat. Inessiv an Partizip und Nomen
Tämä kakku on lasten tekemä. Dieser Kuchen ist von den Kindern gemacht. Prädikativer Gebrauch nach olla
Kaikki hänen ottamansa kuvat onnistuivat. Alle Fotos, die er/sie aufgenommen hatte, sind gelungen. hänen plus -nsa
Pöydällä on maksamaton lasku. Auf dem Tisch liegt eine unbezahlte Rechnung. Verneinte Form auf -maton
En löytänyt vielä lukematonta kirjaa. Ich fand kein Buch, das ich noch nicht gelesen hatte. Der Handelnde ergibt sich aus dem Zusammenhang.
Tuntematon numero soitti minulle. Eine unbekannte Nummer rief mich an. Lexikalisierte, sehr häufige Form
Raadin valitsema voittaja julkistetaan illalla. Der von der Jury gewählte Sieger wird am Abend bekannt gegeben. Typisch für Nachrichten und offizielle Texte

Häufige Fehler

Den Handelnden nicht in den Genitiv setzen

  • Falsch: äiti tekemä kakku
  • Richtig: äidin tekemä kakku
  • Warum: Der Handelnde muss in dieser Konstruktion im Genitiv stehen. Bei äiti lautet dieser äidin.

Das Possessivsuffix nach einem Personalpronomen vergessen

  • Falsch: minun tekemä työ
  • Richtig: minun tekemäni työ
  • Warum: Nach dem Genitiv eines Personalpronomens verlangt die Standardsprache ein passendes Possessivsuffix. Das deutsche „von mir“ hat keine vergleichbare Doppelmarkierung.

Nach einem Nomen unnötig ein Possessivsuffix ergänzen

  • Falsch: Marian kirjoittamansa kirje
  • Richtig: Marian kirjoittama kirje
  • Warum: Ein gewöhnliches Nomen im Genitiv löst nicht dasselbe Suffixmuster aus wie minun, sinun, hänen und die übrigen Personalpronomen.

Partizip und Bezugswort nicht gemeinsam deklinieren

  • Falsch: Liisan ottama kuvassa
  • Richtig: Liisan ottamassa kuvassa
  • Warum: Das Partizip verhält sich wie ein Adjektiv. Beide Wörter müssen hier im Inessiv stehen: ottamassa kuvassa „auf dem aufgenommenen Foto“.

-ma/-mä mit einem gewöhnlichen Passivpartizip verwechseln

  • Ungenau: rakennettu talo verwenden, obwohl der Erbauer ausdrücklich genannt werden soll
  • Passend: isän rakentama talo
  • Warum: rakennettu talo bedeutet allgemein „ein gebautes Haus“. isän rakentama talo nennt mit isän den Erbauer. Ein deutscher Zusatz mit „von“ lässt sich nicht einfach hinter rakennettu setzen.

Die Form direkt an den Infinitiv hängen

  • Falsch: tehdämä työ
  • Richtig: tekemä työ
  • Warum: Die Endung kommt an den passenden Verbstamm. Bei tehdä lautet dieser in dieser Form teke-.

Gebrauchshinweise

Agenspartizipien wirken kompakt. Sie ersetzen einen Relativsatz und vermeiden eine längere Formulierung mit jonka „den/die/das“: kirja, jonka Anna kirjoitti wird zu Annan kirjoittama kirja. Solche Verdichtungen sind in schriftlichen Nachrichten, Berichten, Produktbeschreibungen und wissenschaftlichen Texten besonders häufig. Kurze, vertraute Wendungen sind aber auch mündlich völlig natürlich.

Deutschsprachige Lernende greifen gern zu einer wörtlichen Entsprechung von „von“. Im Finnischen ist gerade das nicht nötig: Der Genitiv vor dem Agenspartizip übernimmt diese Funktion. Auch das finnische Passiv wird normalerweise nicht einfach mit einer deutschen „von + Person“-Ergänzung kombiniert. Soll der Handelnde knapp und eindeutig genannt werden, ist das Agenspartizip oft die idiomatischere Lösung.

Die Konstruktion kann attributiv vor einem Nomen stehen (Annin ostama auto) oder nach olla prädikativ gebraucht werden (Auto on Annin ostama). In Antworten kann das Nomen entfallen, wenn klar ist, worüber gesprochen wird: Kenen tekemä tämä on? – Minun tekemäni. „Von wem ist das gemacht? – Von mir.“

Über die Grundlagen hinaus

Unterschied zu anderen Partizipien

Das Agenspartizip ist nicht bloß eine weitere Übersetzung des deutschen Partizips II. Entscheidend ist, ob der Handelnde genannt werden soll:

Form Beispiel Schwerpunkt
Agenspartizip arkkitehdin suunnittelema talo das vom Architekten entworfene Haus; der Urheber ist genannt
Passives Partizip Perfekt suunniteltu talo ein entworfenes Haus; der Urheber bleibt offen
Aktives Partizip Präsens taloa suunnitteleva arkkitehti der Architekt, der gerade ein Haus entwirft; das Bezugswort handelt selbst
Verneintes Partizip suunnittelematon talo ein nicht entworfenes beziehungsweise ungeplantes Haus

Der Unterschied lässt sich mit einer Frage prüfen: Führt das Bezugswort die Handlung selbst aus, oder erfährt es die Handlung? In taloa suunnitteleva arkkitehti plant der Architekt selbst. In arkkitehdin suunnittelema talo ist das Haus das Ergebnis seiner Planung.

Mehrdeutige und lexikalisierte Formen auf -maton/-mätön

Viele verneinte Partizipien sind zu selbstständigen Adjektiven geworden. Ihre Bedeutung ist nicht immer vollständig aus dem Verb vorhersagbar:

  • tuntematon bedeutet „unbekannt“;
  • uskomaton kann wörtlich „unglaublich“ heißen, wird aber auch begeistert im Sinn von „fantastisch“ gebraucht;
  • väsymätön bedeutet „unermüdlich“;
  • lukematon heißt je nach Zusammenhang „ungelesen“, kann aber auch „unzählig“ bedeuten: lukemattomia kertoja „unzählige Male“.

Der Zusammenhang entscheidet daher, ob wirklich eine nicht ausgeführte Handlung gemeint ist oder ob die Form bereits eine feste Adjektivbedeutung hat.

Informationsstruktur und Stil

Der Genitiv steht direkt vor der Partizipialgruppe und macht den Handelnden früh sichtbar. Dadurch eignet sich die Konstruktion gut, wenn der Urheber bereits bekannt ist und das neue, wichtige Element das Bezugswort ist: Tutkimuksessa arvioitiin hallituksen ehdottamia muutoksia „In der Studie wurden die von der Regierung vorgeschlagenen Änderungen bewertet“.

Wird die Partizipialgruppe sehr lang oder enthält sie mehrere Ergänzungen, ist ein Relativsatz häufig leichter zu verstehen. Statt viele Angaben vor ein Nomen zu stapeln, kann man schreiben: raportti, jonka työryhmä laati viime keväänä „der Bericht, den die Arbeitsgruppe im letzten Frühjahr verfasste“. Grammatische Kürze ist nicht automatisch stilistische Klarheit.

Übungstipps

  1. Forme Satzpaare um. Schreibe zuerst einen vollständigen Satz wie Laura valitsi kuvan und bilde dann Lauran valitsema kuva. So wird sichtbar, wie das Subjekt zum Genitiv und das Objekt zum Bezugswort wird.
  2. Übe Personalpronomen als feste Reihen. Sprich minun tekemäni, sinun tekemäsi, hänen tekemänsä laut und ergänze danach die Pluralformen. Setze anschließend jedes Beispiel in einen anderen Kasus, etwa minun tekemässäni työssä.
  3. Vergleiche drei Varianten. Sammle zu einem Verb jeweils Agenspartizip, passives Partizip und verneinte Form: kokin valmistama ateria – valmistettu ateria – valmistamaton ateria. Erkläre dir bei jeder Form, ob der Handelnde genannt wird und ob die Handlung stattgefunden hat.

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