Reflexive Verben im Schwedischen
Reflexiva Verb
Dieser Artikel ist Teil des Schwedisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Bei einem reflexiven Verb bezieht sich das Reflexivpronomen auf dieselbe Person wie das Subjekt: Jag tvättar mig bedeutet „Ich wasche mich“. Die Formen lauten mig, dig, sig, oss, er, sig; besonders wichtig ist sig, das für alle Personen und Dinge der dritten Person steht. Verb und Pronomen müssen zur handelnden Person passen.
Überblick
Reflexive Verben beschreiben oft eine Handlung, die auf die handelnde Person selbst zurückwirkt. Das Subjekt (wer etwas tut) und das Objekt (wen oder was die Handlung betrifft) meinen dann dieselbe Person: In Hon tvättar sig wäscht sie nicht jemand anderen, sondern sich selbst. Viele schwedische Verben werden regelmäßig mit einem solchen Pronomen gelernt, zum Beispiel känna sig „sich fühlen“, sätta sig „sich setzen“ und skynda sig „sich beeilen“.
Das Grundprinzip ist Deutschsprachigen vertraut, denn auch im Deutschen gibt es „mich“, „dich“ und „sich“. Die Übereinstimmung ist aber nicht immer wortwörtlich. Schwedisch sagt etwa gifta sig für „heiraten“ und lära sig für „lernen“. Umgekehrt darf man nicht zu jedem schwedischen Verb automatisch ein Reflexivpronomen ergänzen, nur weil das entsprechende deutsche Verb reflexiv ist.
Das Thema gehört im Schwedischen zur Stufe A2. Dafür sollte man bereits die Präsensformen der Verben kennen. Die einfache Anfängerregel ist: Subjekt bestimmen, passende Pronomenform wählen und das Pronomen beim Verb stehen lassen. Unterschiede in Wortstellung, Bedeutung und Stil werden weiter unten getrennt behandelt.
So funktioniert es
Die sechs Personen
Die schwedischen Reflexivformen sehen größtenteils genauso aus wie die gewöhnlichen Objektpronomen. „Reflexiv“ ist also nicht nur eine Frage der Form, sondern auch des Bezugs: Das Pronomen verweist zurück auf das Subjekt desselben Satzteils.
| Person | Subjekt | Reflexivpronomen | Deutsches Muster |
|---|---|---|---|
| 1. Person Singular | jag | mig | ich – mich |
| 2. Person Singular | du | dig | du – dich |
| 3. Person Singular | han, hon, hen, den, det | sig | er/sie/es – sich |
| 1. Person Plural | vi | oss | wir – uns |
| 2. Person Plural | ni | er | ihr/Sie – euch/sich |
| 3. Person Plural | de | sig | sie – sich |
Daraus entstehen regelmäßige Paare:
- Jag känner mig trött. – Ich fühle mich müde.
- Du känner dig trött. – Du fühlst dich müde.
- Hon känner sig trött. – Sie fühlt sich müde.
- Vi känner oss trötta. – Wir fühlen uns müde.
- Ni känner er trötta. – Ihr fühlt euch müde./Sie fühlen sich müde.
- De känner sig trötta. – Sie fühlen sich müde.
Auffällig ist die dritte Person: Schwedisch verwendet immer sig, unabhängig davon, ob es um einen Mann, eine Frau, mehrere Personen oder auch ein Tier geht. Formen wie honom „ihn“, henne „sie“ und dem „sie“ sind dagegen nicht reflexiv.
Das Verb wird normal konjugiert
Das Reflexivpronomen verändert die Verbform nicht. Schwedische Verben haben außerdem dieselbe Zeitform für alle Personen: jag tvättar, du tvättar, de tvättar. Nur das Pronomen wechselt.
| Infinitiv | Präsens | Präteritum | Perfekt | Bedeutung |
|---|---|---|---|---|
| tvätta sig | tvättar sig | tvättade sig | har tvättat sig | sich waschen |
| känna sig | känner sig | kände sig | har känt sig | sich fühlen |
| sätta sig | sätter sig | satte sig | har satt sig | sich setzen |
| gifta sig | gifter sig | gifte sig | har gift sig | heiraten |
In Wörterbüchern und Vokabellisten steht meist der Infinitiv mit sig, zum Beispiel att bestämma sig. Im Satz wird sig an die Person angepasst: Jag bestämmer mig, aber Sara bestämmer sig.
Grundstellung im Hauptsatz
Im einfachen Aussagesatz steht das Reflexivpronomen nach dem gebeugten Verb:
Subjekt + Verb + Reflexivpronomen
- Jag rakar mig. – Ich rasiere mich.
- Barnen klär på sig. – Die Kinder ziehen sich an.
Bei einer zusammengesetzten Verbform steht es nach der inhaltlichen Verbform:
- Jag har tvättat mig. – Ich habe mich gewaschen.
- Hon ska sätta sig. – Sie wird sich setzen./Sie soll sich setzen.
- Vi måste skynda oss. – Wir müssen uns beeilen.
Das schwedische Pronomen wird also nicht wie das deutsche „mich“ vor den Infinitiv oder das Partizip gestellt. Man sagt Jag måste tvätta mig, nicht eine nach deutschem Muster gebaute Folge.
Reflexivpronomen und Verneinung
Ein kurzes, unbetontes Reflexivpronomen steht in einem Hauptsatz normalerweise vor inte:
- Jag känner mig inte sjuk. – Ich fühle mich nicht krank.
- Han har inte bestämt sig än. – Er hat sich noch nicht entschieden.
Bei der zweiten Form steht inte nach dem finiten Verb (der gebeugten Verbform), während das Reflexivpronomen zum Infinitiv oder zur zusammengesetzten Verbform gehört. Das erklärt die Folge har inte bestämt sig.
Aufforderungen
Im Imperativ, also in der Befehls- oder Aufforderungsform, wird das Subjekt gewöhnlich nicht genannt. Die angesprochene Person bestimmt daher das Reflexivpronomen:
- zu einer Person: Sätt dig ner! – Setz dich hin!
- zu mehreren Personen oder höflich zu einer Person: Sätt er ner! – Setzt euch hin!/Setzen Sie sich!
- Skynda dig! – Beeil dich!
- Ta på er jackorna! – Zieht eure Jacken an!
Sig ist hier nicht richtig, weil die angesprochene Person grammatisch du oder ni ist, nicht eine dritte Person.
Verben mit und ohne reflexive Bedeutung
Manche Verben können ein gewöhnliches Objekt oder ein Reflexivpronomen haben. Die Satzbedeutung entscheidet:
| Schwedisch | Deutsch | Unterschied |
|---|---|---|
| Jag tvättar barnet. | Ich wasche das Kind. | Das Objekt ist eine andere Person. |
| Jag tvättar mig. | Ich wasche mich. | Subjekt und Objekt sind dieselbe Person. |
| Hon sätter koppen på bordet. | Sie stellt die Tasse auf den Tisch. | sätta bedeutet hier „stellen/setzen“. |
| Hon sätter sig på stolen. | Sie setzt sich auf den Stuhl. | sätta sig bezeichnet die eigene Bewegung zum Sitzen. |
| Jag känner honom. | Ich kenne ihn. | känna mit Person bedeutet „kennen“. |
| Jag känner mig lugn. | Ich fühle mich ruhig. | känna sig beschreibt einen Zustand oder ein Empfinden. |
Andere Verbindungen sollte man am besten als ganze Einheit lernen. Dazu gehören skynda sig, bestämma sig, oroa sig, koncentrera sig, lära sig, gifta sig und bete sig „sich benehmen“.
Beispiele im Zusammenhang
Die folgenden Sätze zeigen die Formen in typischen Alltagssituationen, in verschiedenen Zeiten und mit unterschiedlichen Satzmustern.
| Schwedisch | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| Jag tvättar mig varje morgon. | Ich wasche mich jeden Morgen. | regelmäßige Alltagshandlung |
| Känner du dig bättre idag? | Fühlst du dich heute besser? | Frage mit dig |
| Hon känner sig trött efter jobbet. | Sie fühlt sich nach der Arbeit müde. | Zustand mit Adjektiv |
| Vi sätter oss nära fönstret. | Wir setzen uns ans Fenster. | oss bei vi |
| Sätt dig ner en stund! | Setz dich einen Moment hin! | Aufforderung an eine Person |
| Ni måste skynda er till tåget. | Ihr müsst euch zum Zug beeilen. | er bei ni |
| Barnen klär på sig själva. | Die Kinder ziehen sich selbst an. | själva betont „selbst“ |
| Han rakade sig före mötet. | Er rasierte sich vor der Besprechung. | Präteritum |
| Jag har inte bestämt mig än. | Ich habe mich noch nicht entschieden. | Perfekt und Verneinung |
| De gifter sig i juni. | Sie heiraten im Juni. | im Deutschen ohne Reflexivpronomen |
| Hur lär man sig svenska snabbare? | Wie lernt man schneller Schwedisch? | lära sig als feste Verbindung |
| Katten gömmer sig under sängen. | Die Katze versteckt sich unter dem Bett. | dritte Person mit sig |
| Oroa dig inte! | Mach dir keine Sorgen! | verneinte Aufforderung |
| Efter promenaden kände vi oss lugnare. | Nach dem Spaziergang fühlten wir uns ruhiger. | Präteritum und Plural |
Bei känna sig folgt häufig ein Adjektiv, also ein Eigenschaftswort. Dieses richtet sich nach der beschriebenen Person: Hon känner sig trött, aber De känner sig trötta. Das -a in trötta gehört zum Adjektiv im Plural, nicht zum Reflexivpronomen.
Häufige Fehler
1. Bei der dritten Person das gewöhnliche Objektpronomen verwenden
- Falsch: Hon tvättar henne. – wenn gemeint ist, dass sie sich selbst wäscht
- Richtig: Hon tvättar sig.
- Warum: henne bezeichnet eine andere weibliche Person. sig verweist auf das Subjekt hon zurück.
Der falsche Satz ist grammatisch möglich, bedeutet aber „Sie wäscht sie“, also eine andere Person.
2. Das Wörterbuch-sig bei jeder Person stehen lassen
- Falsch: Jag känner sig trött.
- Richtig: Jag känner mig trött.
- Warum: sig ist nur für die dritte Person. Zu jag gehört mig, zu du gehört dig und zu vi gehört oss.
3. Das Reflexivpronomen ganz weglassen
- Falsch: Jag måste skynda.
- Richtig: Jag måste skynda mig.
- Warum: skynda sig wird im heutigen Alltagsschwedisch als vollständige Verbindung verwendet. Die deutsche Entsprechung „sich beeilen“ hilft hier, aber bei lära sig „lernen“ muss die ganze schwedische Verbindung bewusst mitgelernt werden.
4. Im Imperativ sig statt dig oder er wählen
- Falsch: Sätt sig ner! – als direkte Aufforderung an einen Freund
- Richtig: Sätt dig ner!
- Warum: Die nicht genannte angesprochene Person ist du. Bei mehreren Angesprochenen heißt es Sätt er ner!.
Varsågod och sitt! oder eine Aufforderung mit sätt er kann in bestimmten Situationen höflicher klingen; die Grammatik der Reflexivform bleibt davon unberührt.
5. Die deutsche Satzstellung kopieren
- Falsch: Jag mig tvättar varje morgon.
- Richtig: Jag tvättar mig varje morgon.
- Warum: Im neutralen schwedischen Hauptsatz folgt das Reflexivpronomen auf das Verb. Bei Modalverben steht es beim Infinitiv: Jag måste tvätta mig.
6. Reflexivität und Besitz verwechseln
- Falsch: Han tvättar sig bil.
- Richtig: Han tvättar sin bil. – Er wäscht sein eigenes Auto.
- Warum: sig steht selbstständig als Objekt. Vor einem Substantiv verwendet man das reflexive Possessivpronomen sin, sitt oder sina.
Hinweise zum Gebrauch
Aussprache und Schreibweise
In der Standardschreibung stehen mig, dig, sig. In der normalen Aussprache hört man meist ungefähr mej, dej, sej. Die Schreibungen mej und dej kommen in privaten Nachrichten, Dialogen oder bewusst umgangssprachlichen Texten vor; in neutralen und formellen Texten sind mig und dig die sichere Wahl. Beim Lesen sollte man beide Ebenen miteinander verbinden: sig sehen, aber mit der üblichen Aussprache rechnen.
Deutsch und Schwedisch stimmen nicht immer überein
Einige häufige Verbindungen passen gut zusammen:
- tvätta sig – sich waschen
- känna sig – sich fühlen
- sätta sig – sich setzen
- koncentrera sig på – sich auf etwas konzentrieren
Bei anderen führt eine wörtliche Übertragung in die Irre:
- gifta sig med någon heißt „jemanden heiraten“ beziehungsweise „mit jemandem die Ehe schließen“.
- lära sig svenska heißt „Schwedisch lernen“.
- ta på sig en jacka heißt „eine Jacke anziehen“.
- bete sig heißt „sich benehmen“ und passt wieder gut zum Deutschen.
Darum lohnt es sich, nicht nur das einzelne Verb, sondern auch Pronomen und Präposition mitzulernen: bestämma sig för något „sich für etwas entscheiden“, oroa sig för något „sich wegen etwas Sorgen machen“ und koncentrera sig på något „sich auf etwas konzentrieren“.
själv verstärkt, ersetzt aber nicht die Reflexivform
Mit själv beziehungsweise im Plural själva betont man „selbst“:
- Jag gjorde det själv. – Ich habe es selbst gemacht.
- Jag tvättar mig själv. – Ich wasche mich selbst.
- De klär på sig själva. – Sie ziehen sich selbst an.
Bei einem reflexiven Verb bleibt das passende Pronomen stehen. Själv fügt Betonung oder einen Kontrast hinzu, etwa „ohne Hilfe“ oder „nicht jemand anderen“.
Über die Grundlagen hinaus
Die folgenden Punkte muss man auf A2 noch nicht vollständig beherrschen. Sie helfen aber, längere Texte und mehrdeutige Sätze später genauer zu verstehen.
Der Bezug von sig kann einen Bedeutungsunterschied erzeugen
Vergleiche:
| Schwedisch | Deutsch | Bezug |
|---|---|---|
| Anna sa att Lisa tvättade sig. | Anna sagte, dass Lisa sich wusch. | sig bezieht sich normalerweise auf das Subjekt des Nebensatzes, also Lisa. |
| Anna sa att Lisa tvättade henne. | Anna sagte, dass Lisa sie wusch. | henne meint eine andere Frau; im passenden Zusammenhang kann das Anna sein. |
Die praktische Grundregel lautet: sig verweist normalerweise auf das Subjekt innerhalb seiner eigenen Satzkonstruktion. In komplexen Sätzen können Bezug und Perspektive genauer analysiert werden; für den Alltag verhindert bereits diese Regel viele Missverständnisse.
Reflexivpronomen und reflexive Besitzformen sind zwei Systeme
Sin, sitt, sina zeigen, dass etwas dem Subjekt gehört. Die Form richtet sich dabei nicht nach der Person des Besitzers, sondern nach dem besessenen Substantiv:
- Han tar på sig sin jacka. – Er zieht seine eigene Jacke an.
- Hon säljer sitt hus. – Sie verkauft ihr eigenes Haus.
- De hämtar sina barn. – Sie holen ihre eigenen Kinder ab.
Sig ist im ersten Satz das Objekt von tar på, während sin die Jacke näher bestimmt. Diese Formen sind verwandt, dürfen aber nicht gegeneinander ausgetauscht werden.
Reflexiv ist nicht automatisch gegenseitig
Ein Reflexivpronomen bedeutet grundsätzlich, dass die Handlung auf das jeweilige Subjekt zurückgeht. Für eine eindeutig gegenseitige Handlung verwendet Schwedisch oft varandra „einander“:
- De såg sig i spegeln. – Sie sahen sich jeweils im Spiegel.
- De såg varandra på stationen. – Sie sahen einander am Bahnhof.
Daneben gibt es schwedische s-Verben, deren Endung -s unter anderem eine gegenseitige Bedeutung ausdrücken kann: Vi träffas imorgon heißt „Wir treffen uns morgen“. Diese Verbklasse ist nicht dasselbe wie ein Verb mit einem getrennt geschriebenen Reflexivpronomen. De gifter sig ist formal eine reflexive Verbindung; De träffas ist ein s-Verb.
Verbpartikeln bleiben Teil der Verbindung
Bei Verbindungen wie sätta sig ner, klä på sig und ta på sig trägt die Partikel oft einen wichtigen Teil der Bedeutung. Eine Verbpartikel ist ein kurzes Wort wie på, av, upp oder ner, das zusammen mit dem Verb eine feste Bedeutung bildet.
- Hon sätter sig ner. – Sie setzt sich hin.
- Han tar av sig skorna. – Er zieht die Schuhe aus.
- Barnen klär på sig snabbt. – Die Kinder ziehen sich schnell an.
Solche Ausdrücke lernt man am zuverlässigsten als komplette Wortgruppe. So bleiben sowohl die Stellung des Reflexivpronomens als auch die richtige Partikel erhalten.
Lerntipps
- Bilde eine persönliche Sechserreihe. Nimm einen Satz wie Jag känner mig bra und sprich ihn mit du, hon, vi, ni, de durch. Markiere nur die wechselnden Paare: jag–mig, du–dig, hon–sig, vi–oss, ni–er, de–sig.
- Lerne feste Verbindungen in kleinen Paketen. Notiere nicht nur bestämma, sondern bestämma sig för något; nicht nur koncentrera, sondern koncentrera sig på något. Ergänze sofort einen eigenen Alltagssatz.
- Übe drei Satzformen pro Verb. Formuliere eine Aussage, eine Verneinung und eine Aufforderung: Du sätter dig här. Du sätter dig inte här. Sätt dig här! Dadurch werden Pronomenwahl und Wortstellung gemeinsam automatisiert.
Verwandte Themen
- Voraussetzung: Präsens und Verbgruppen – zeigt, wie schwedische Verben im Präsens gebildet werden; daran werden die Reflexivpronomen angefügt.