A1

Konjugation II (-ę, -isz/-ysz) im Polnischen

Koniugacja II

Dieser Artikel ist Teil des Polnisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Verben der polnischen Konjugation II haben im Präsens die Endungsreihe -ę, -isz/-ysz, -i/-y, -imy/-ymy, -icie/-ycie, -ą. Ein gutes Lernpaar ist die 1. und 2. Person Singular, zum Beispiel mówię – mówisz oder uczę – uczysz: Daran erkennt man sowohl die Konjugation als auch mögliche Veränderungen im Verbstamm.

Überblick

Zur Konjugation II gehören viele sehr häufige polnische Verben, darunter mówić „sprechen“, robić „machen“, lubić „mögen“, widzieć „sehen“ und uczyć się „lernen“. Konjugation bedeutet hier einfach, dass sich die Form eines Verbs je nach handelnder Person verändert. Das Subjekt – also die Person oder Sache, die handelt – steckt im Polnischen meistens schon in der Verbendung.

Das ist ein wichtiger Unterschied zum Deutschen. Während man auf Deutsch normalerweise „ich spreche“, „du sprichst“ oder „wir sprechen“ sagt, genügen auf Polnisch oft mówię, mówisz und mówimy. Die Personalpronomen ja, ty und my können hinzukommen, wenn ein Gegensatz oder eine besondere Betonung gemeint ist, sind aber nicht grundsätzlich erforderlich.

Diese Formen gehören zum Lernstoff der Stufe A1, weil man mit ihnen sofort über Alltag, Arbeit, Sprachen, Vorlieben und regelmäßige Tätigkeiten sprechen kann. Die Grundendungen sind überschaubar. Etwas mehr Aufmerksamkeit brauchen die zwei Varianten mit i und y sowie Verben, deren Stamm sich in der 1. Person Singular sichtbar verändert.

So funktioniert es

Die sechs Personalformen

Der Infinitiv ist die Grundform eines Verbs, wie sie im Wörterbuch steht, zum Beispiel mówić. Eine Personalform zeigt dagegen, wer handelt: mówię „ich spreche“, mówisz „du sprichst“ und so weiter.

Person Pronomen Endung mit i Endung mit y Deutsche Bedeutung
1. Person Singular ja ich
2. Person Singular ty -isz -ysz du
3. Person Singular on, ona, ono -i -y er, sie, es
1. Person Plural my -imy -ymy wir
2. Person Plural wy -icie -ycie ihr
3. Person Plural oni, one sie

On, ona und ono verwenden dieselbe Verbform. Auch der Unterschied zwischen oni – für männliche Personengruppen oder gemischte Gruppen – und one – für andere Gruppen – verändert das Verb nicht: Beide stehen mit der 3. Person Plural auf .

Das Grundmuster mit -i-: mówić und robić

Bei mówić „sprechen“ und robić „machen, tun“ ist in der 2. und 3. Person sowie in den beiden Pluralformen ein i zu sehen.

Person mówić Bedeutung robić Bedeutung
ja mówię ich spreche robię ich mache
ty mówisz du sprichst robisz du machst
on/ona/ono mówi er/sie/es spricht robi er/sie/es macht
my mówimy wir sprechen robimy wir machen
wy mówicie ihr sprecht robicie ihr macht
oni/one mówią sie sprechen robią sie machen

Zum Einstieg kann man sich die Reihe so merken: mówię – mówisz – mówi – mówimy – mówicie – mówią. Dasselbe Gerüst gilt für viele weitere Verben, etwa lubić: lubię, lubisz, lubi, lubimy, lubicie, lubią.

Das Grundmuster mit -y-: uczyć się

Nach bestimmten Konsonanten wird in diesen Formen y statt i geschrieben. Ein sehr häufiges Beispiel ist uczyć się „lernen“.

Person Form Deutsche Bedeutung
ja uczę się ich lerne
ty uczysz się du lernst
on/ona/ono uczy się er/sie/es lernt
my uczymy się wir lernen
wy uczycie się ihr lernt
oni/one uczą się sie lernen

Bei der Gegenüberstellung von -isz und -ysz geht es also nicht um eine frei wählbare Endung. Jedes Verb hat sein festes Muster: mówisz, aber uczysz. Am zuverlässigsten ist es, bei einem neuen Verb nicht nur den Infinitiv, sondern mindestens die Formen für ja und ty mitzulernen.

Verben auf -ić, -yć, -eć und andere Infinitive

Viele Verben dieser Gruppe enden im Infinitiv auf -ić oder -yć, zum Beispiel mówić, robić, lubić, kończyć „beenden“ und tańczyć „tanzen“. Das ist eine nützliche Orientierung, aber keine vollkommen sichere Regel. Auch Verben auf -eć können dieselbe Endungsreihe haben, etwa widzieć „sehen“, słyszeć „hören“, myśleć „denken“ oder leżeć „liegen“.

Darum sollte man die Präsensklasse nicht allein aus den letzten Buchstaben des Infinitivs erraten. Wörterbücher und Lernmaterialien geben häufig die 1. und 2. Person Singular an: widzieć – widzę, widzisz. Genau dieses Paar zeigt alles Wesentliche.

Stammveränderungen in der 1. Person Singular

Der Verbstamm ist der Teil, der die Grundbedeutung trägt und vor der Personalendung steht. Bei zahlreichen Verben sieht er in ja und oni/one etwas anders aus als in den übrigen Formen. Diese Veränderung hat mit der polnischen Laut- und Rechtschreibstruktur zu tun.

Infinitiv ja ty on/ona oni/one Bedeutung
prosić proszę prosisz prosi proszą bitten
nosić noszę nosisz nosi noszą tragen
widzieć widzę widzisz widzi widzą sehen
chodzić chodzę chodzisz chodzi chodzą gehen, regelmäßig unterwegs sein
płacić płacę płacisz płaci płacą bezahlen
tańczyć tańczę tańczysz tańczy tańczą tanzen

Man muss diese Wechsel am Anfang nicht sprachwissenschaftlich analysieren. Praktischer ist die Beobachtung: Die Formen auf und gehören oft zusammen, während ty, on/ona, my und wy denselben erkennbaren Stamm teilen. Aus proszę – prosisz lassen sich daher prosi, prosimy, prosicie, proszą gut ergänzen.

Reflexive Verben mit się

In uczyć się ist się ein Reflexivwort; es gehört zum Verb und entspricht je nach Ausdruck ungefähr dem deutschen „sich“. Anders als im Deutschen verändert es sich nicht nach der Person:

  • uczę się – ich lerne
  • uczysz się – du lernst
  • uczymy się – wir lernen

Das deutsche „sich“ darf nicht Wort für Wort übertragen werden. Uczyć się braucht się, obwohl man auf Deutsch einfach „lernen“ sagt. Umgekehrt wird nicht jedes deutsche reflexive Verb im Polnischen gleich gebaut. Deshalb lernt man am besten die vollständige Einheit uczyć się.

Aussage, Verneinung und Frage

Für eine einfache Verneinung steht nie direkt vor dem Verb: Nie mówię po francusku „Ich spreche kein Französisch“. Bei einem reflexiven Verb bleibt się erhalten: Nie uczę się dzisiaj „Ich lerne heute nicht“.

Ja-Nein-Fragen können mit czy beginnen. Das Verb behält seine normale Form:

  • Czy mówisz po polsku? – Sprichst du Polnisch?
  • Czy robicie obiad? – Macht ihr das Mittagessen?
  • Czy oni uczą się razem? – Lernen sie zusammen?

Das Polnische benötigt dabei kein Hilfsverb wie das Deutsche in manchen anderen Konstruktionen und verändert auch nicht zwingend die Wortstellung. Die Personalendung bleibt der wichtigste Hinweis auf die handelnde Person.

Pronomen weglassen – oder bewusst setzen

Meist sagt man schlicht Robię obiad statt Ja robię obiad. Das Pronomen erscheint besonders bei einem Gegensatz:

  • Ja robię obiad, a ty sprzątasz. – Ich mache das Mittagessen, und du räumst auf.
  • My mówimy po niemiecku, a oni po polsku. – Wir sprechen Deutsch, sie dagegen Polnisch.

Für Deutschsprachige ist das Weglassen zunächst ungewohnt, weil ein deutscher Aussagesatz normalerweise ein ausgesprochenes Subjekt braucht. Im Polnischen ist die kurze Form jedoch weder unvollständig noch unhöflich.

Beispiele im Kontext

Polnisch Deutsch Hinweis
Mówię po polsku. Ich spreche Polnisch. ja, Pronomen weggelassen
Robisz to dobrze. Du machst das gut. ty auf -isz
Uczę się polskiego. Ich lerne Polnisch. reflexives uczyć się
Oni widzą nas. Sie sehen uns. 3. Person Plural auf
Ona lubi czarną kawę. Sie mag schwarzen Kaffee. 3. Person Singular auf -i
Czy słyszysz muzykę? Hörst du die Musik? Frage mit czy, Form auf -ysz
Dzisiaj robimy obiad w domu. Heute machen wir das Mittagessen zu Hause. 1. Person Plural auf -imy
Dlaczego nie mówicie po polsku? Warum sprecht ihr nicht Polnisch? Verneinung mit nie
Dzieci uczą się razem. Die Kinder lernen zusammen. 3. Person Plural; się bleibt unverändert
Proszę o rachunek. Ich bitte um die Rechnung. Stammwechsel in der Form proszę
Płacisz kartą czy gotówką? Bezahlst du mit Karte oder bar? alltagssprachliche Entscheidungsfrage
Często chodzimy do kina. Wir gehen oft ins Kino. chodzić für wiederholtes Gehen
Tańczą bardzo dobrze. Sie tanzen sehr gut. oni/one ist aus dem Zusammenhang erschließbar
Ja myślę inaczej. Ich denke anders. ja setzt einen bewussten Gegensatz
Pan mówi bardzo szybko. Sie sprechen sehr schnell. höfliche Anrede mit der 3. Person Singular

Häufige Fehler

1. Die deutsche Person mit einem Pronomen statt mit der Endung markieren

  • Falsch: Ja mówi po polsku.
  • Richtig: Ja mówię po polsku. / Mówię po polsku.
  • Warum: Ja verlangt die 1. Person Singular auf . Das Pronomen ersetzt die Verbendung nicht. Ohne besonderen Gegensatz lässt man ja meist weg.

2. -isz und -ysz vertauschen

  • Falsch: Uczisz się polskiego.
  • Richtig: Uczysz się polskiego.
  • Warum: Uczyć się bildet die Reihe uczysz, uczy, uczymy, uczycie. Die Wahl zwischen i und y gehört zum jeweiligen Stamm- und Schreibmuster und ist nicht beliebig.

3. Den Infinitivstamm mechanisch übernehmen

  • Falsch: Ja prosię o pomoc.
  • Richtig: Proszę o pomoc.
  • Warum: Manche Verben verändern den Stamm in der 1. Person Singular. Deshalb sollte prosić als Lernpaar proszę – prosisz gespeichert werden.

4. się auslassen oder wie deutsches „sich“ verändern

  • Falsch: Uczę polskiego. – wenn „Ich lerne Polnisch“ gemeint ist
  • Richtig: Uczę się polskiego.
  • Warum: Das Verb lautet in dieser Bedeutung uczyć się. Się bleibt bei allen Personen gleich; Formen wie ein entsprechendes „mich“ oder „dich“ werden hier nicht eingesetzt.

5. Für oni und one verschiedene Verbformen suchen

  • Falsch: One uczy się razem.
  • Richtig: One uczą się razem.
  • Warum: Sowohl oni als auch one verlangen die 3. Person Plural auf . Der Unterschied zwischen den Pronomen ändert die Verbendung nicht.

6. Höfliche Anrede wie deutsches „Sie“ in den Plural setzen

  • Falsch: Pani mówicie po niemiecku?
  • Richtig: Czy pani mówi po niemiecku?
  • Warum: Pan und pani stehen mit der 3. Person Singular. Für mehrere höflich angesprochene Personen verwendet man häufig państwo mit der 3. Person Plural: Czy państwo mówią po niemiecku?

Hinweise zum Gebrauch

Die Konjugationstabellen zeigen zwar Pronomen, im natürlichen Polnisch werden ja, ty, my und wy aber oft nicht ausgesprochen. Eine Folge von Sätzen wie Ja robię…, ja lubię…, ja mówię… wirkt ohne beabsichtigte Betonung unnötig schwerfällig. Die Endungen geben bereits genügend Information.

Bei der höflichen Anrede unterscheidet sich das Polnische deutlich vom Deutschen. Statt eines großgeschriebenen Personalpronomens wie „Sie“ gebraucht man Substantive – also Wörter für Personen – wie pan, pani und państwo. Das Verb steht grammatisch in der 3. Person: Czy pan mówi po angielsku?, Czy pani lubi herbatę?, Czy państwo płacą kartą?

Nicht jedes deutsche Verb entspricht genau einem polnischen Verb. Robić deckt viele Bedeutungen von „machen“ und „tun“ ab, aber nicht jede feste deutsche Verbindung wird damit gebildet. Ebenso bedeutet chodzić meist wiederholtes, gewohnheitsmäßiges oder nicht auf einen einzigen Weg begrenztes Gehen. Solche Unterschiede betreffen den Wortschatz und den sogenannten Aspekt, nicht die Personalendungen selbst.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Punkte muss man auf A1 noch nicht vollständig beherrschen. Sie erklären aber Formen, die früh in Gesprächen und Texten auftauchen.

Der Aspekt verändert die Zeitbedeutung

Polnische Verben treten häufig als Aspektpaare auf. Der Aspekt zeigt vereinfacht gesagt, ob eine Handlung als Verlauf beziehungsweise Wiederholung oder als abgeschlossenes Ganzes betrachtet wird. Robić ist imperfektiv, stellt die Handlung also als laufend oder wiederholt dar; zrobić ist perfektiv und richtet den Blick auf das Ergebnis.

Perfektive Verben haben formal dieselben Personalendungen, ihre „Präsensformen“ bezeichnen aber normalerweise eine zukünftige abgeschlossene Handlung:

Imperfektiv Bedeutung Perfektiv Bedeutung
robię ich mache / bin dabei zrobię ich werde fertig machen
robisz du machst zrobisz du wirst fertig machen
robimy wir machen zrobimy wir werden fertig machen

Die Form zrobię sieht also wie ein Präsens der Konjugation II aus, hat aber Zukunftsbedeutung. Für den Einstieg sollte man zuerst die Formen häufiger imperfektiver Verben festigen und den Aspekt danach systematisch lernen.

Beweglichere Stellung von się

In neutralen kurzen Sätzen steht się oft nach dem Verb: Uczę się polskiego. In längeren Sätzen kann es aus rhythmischen und syntaktischen Gründen auch davor stehen, zum Beispiel Dzisiaj się uczę. Am Satzanfang steht das unbetonte się normalerweise nicht. Für Anfänger ist die Stellung direkt nach dem Verb ein sicheres Grundmuster, aber sie ist nicht die einzig mögliche.

Einige Wechsel sind vorhersehbar, aber nicht immer sichtbar gleich

Formen wie proszę – prosisz, chodzę – chodzisz und płacę – płacisz zeigen historische Lautwechsel. Mit wachsendem Wortschatz erkennt man wiederkehrende Muster. Trotzdem ist es effizienter, neue Verben als Dreiergruppe zu notieren: Infinitiv, ja, ty. Damit vermeidet man falsche Analogien und lernt zugleich die richtige Aussprache.

Bezeichnungen der Konjugationsklassen können variieren

Polnische Grammatiken ordnen Verben nicht immer mit derselben Nummerierung. Was hier Konjugation II heißt, erkennt man deshalb am sichersten an der Endungsreihe -ę, -isz/-ysz und nicht allein an der Zahl „II“. In einem anderen Lehrwerk kann dieselbe Gruppe anders bezeichnet oder weiter unterteilt sein; die tatsächlichen Formen bleiben davon unberührt.

Übungstipps

  1. Lerne jedes neue Verb mit zwei Schlüsselformen. Notiere nicht nur prosić, sondern prosić – proszę – prosisz. Ergänze danach mündlich die übrigen vier Formen. So prägen sich Stammwechsel und die Wahl zwischen -isz und -ysz gemeinsam ein.
  2. Baue kleine Alltagsreihen ohne Pronomen. Sprich etwa: Rano robię kawę. Potem uczę się polskiego. Wieczorem lubię czytać. Setze anschließend bewusst ein Pronomen für einen Gegensatz: Ja mówię po niemiecku, a ona po polsku.
  3. Übe in drei Satzarten. Verwandle eine Aussage wie Mówisz po polsku zuerst in die Frage Czy mówisz po polsku? und dann in die Verneinung Nie mówisz po polsku. Die Verbform bleibt dabei gleich; nur Fragewort und Verneinung kommen hinzu.

Verwandte Themen

  • Voraussetzung: Personalpronomen – zeigt, welche Personen hinter den sechs Verbformen stehen und wann oni oder one verwendet wird.
  • Nächster Schritt: Modalverben – Verben wie musieć, móc und potrafić werden häufig mit einem Infinitiv verbunden.
  • Nächster Schritt: Vorlieben ausdrücken – baut unter anderem auf den Formen von lubić auf und vergleicht sie mit podobać się.

Voraussetzung

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