Grundlegende Bitten und Aufforderungen auf Ungarisch
Alapvető Kérések és Utasítások
Dieser Artikel ist Teil des Ungarisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Für eine einfache Aufforderung verwendet das Ungarische meist eine besondere Verbform: Gyere ide! („Komm her!“), Várj! („Warte!“) oder Nézd meg! („Sieh es dir an!“). Bei einer bestimmten Sache steht oft eine andere Endung als ohne bestimmtes Objekt: Olvass! („Lies!“), aber Olvasd el a levelet! („Lies den Brief!“). Höflich wird eine Bitte unter anderem mit kérem, legyen szíves oder tessék formuliert.
Überblick
Bitten und Aufforderungen braucht man schon in den ersten Gesprächen: im Café, am Fahrkartenschalter, beim Wegerklären oder zu Hause. Auf A1-Niveau genügt zunächst ein kleiner Vorrat häufig verwendeter Formen wie gyere („komm“), menj („geh“), várj („warte“), add ide („gib her“) und nézd meg („sieh dir das an“). Viele davon lernt man am besten als ganze Wendung.
Die entsprechende Verbform heißt Imperativ (die Form für Aufforderungen und Wünsche). Im Ungarischen ist sie stärker ausgebaut als im Deutschen: Das Verb zeigt nicht nur, ob eine oder mehrere Personen angesprochen werden, sondern bei vielen Verben auch, ob sich die Handlung auf eine bestimmte Sache bezieht. Deshalb heißen „Lies!“ und „Lies den Brief!“ nicht einfach gleich.
Auch Höflichkeit funktioniert nicht durch ein einziges Wort, das immer genau dem deutschen „bitte“ entspricht. Ob man kérlek, kérem, legyen szíves oder tessék verwendet, hängt von der Anrede und der Situation ab. Für den Anfang ist vor allem die Trennung zwischen vertrauter Anrede und höflicher Anrede wichtig.
So funktioniert es
Die einfache Aufforderung an eine vertraute Person
Bei der Anrede mit te („du“) steht häufig ein -j in der Imperativform. Dieses j kann sich mit dem letzten Laut des Verbstamms verbinden und dadurch sein Aussehen verändern. Man muss also nicht in jeder Form ein sichtbares j finden.
| Grundform | Einfache Aufforderung | Bedeutung |
|---|---|---|
| vár | Várj! | Warte! |
| kér | Kérj! | Bitte darum! / Verlange! |
| ad | Adj! | Gib! |
| olvas | Olvass! | Lies! |
| néz | Nézz! | Schau! |
| tanít | Taníts! | Unterrichte! |
| megy | Menj! | Geh! |
Die Veränderungen in olvass, nézz und taníts sind regelmäßige Lautanpassungen, aber als Anfänger muss man sie nicht alle auf einmal herleiten können. Sinnvoller ist es, häufige Verben direkt zusammen mit ihrer Aufforderungsform zu lernen.
Ein wichtiges Alltagsverb ist unregelmäßig: Zu jön („kommen“) hört man in der vertrauten Einzahl besonders oft gyere!; auch jöjj! ist korrekt. Gyere ide! bedeutet „Komm her!“, Gyere be! „Komm herein!“.
Das Personalpronomen te wird normalerweise weggelassen. Die Verbform zeigt bereits, wer angesprochen wird. Te gyere ide! ist möglich, betont aber ausdrücklich „du“ und kann dadurch kontrastierend oder schärfer wirken.
Ohne bestimmtes Objekt oder mit bestimmtem Objekt
Ungarische Verben haben eine unbestimmte und eine bestimmte Konjugation (zwei Reihen von Verbendungen, je nachdem, worauf sich die Handlung richtet). Diese Unterscheidung gilt auch bei Aufforderungen.
- Die unbestimmte Form steht ohne Objekt oder meist mit einer nicht näher bestimmten Sache: Olvass! („Lies!“), Adj egy tollat! („Gib einen Stift!“).
- Die bestimmte Form steht bei einer konkret bekannten Sache, häufig mit a/az („der/die/das“): Olvasd el a levelet! („Lies den Brief!“), Add ide a könyvet! („Gib das Buch her!“).
Das Objekt ist die Person oder Sache, auf die sich die Handlung richtet. Im Satz Add ide a könyvet! ist a könyvet („das Buch“) das Objekt. Die Endung -t in könyvet markiert den Akkusativ, also den Fall des direkten Objekts.
| Angesprochene Person | Ohne bestimmtes Objekt | Mit bestimmtem Objekt |
|---|---|---|
| te – vertraut, eine Person | adj | add |
| Ön – höflich, eine Person | adjon | adja |
| ti – vertraut, mehrere Personen | adjatok | adjátok |
| Önök – höflich, mehrere Personen | adjanak | adják |
Für den Einstieg reichen besonders die beiden te-Muster: adj egy… und add a/az…. Die vollständigen Reihen gehören zur systematischen Behandlung des Imperativs auf einer späteren Lernstufe.
Höfliche Bitten
Bei fremden Erwachsenen, im Kundenkontakt oder in formelleren Situationen wird häufig die höfliche Anrede Ön verwendet. Das Verb steht dann in der dritten Person Einzahl, auch wenn Ön gar nicht ausgesprochen wird:
- Jöjjön be! – Kommen Sie herein!
- Várjon egy pillanatot! – Warten Sie einen Augenblick!
- Adja ide a könyvet! – Geben Sie das Buch her!
Mehrere höflich angesprochene Personen werden grammatisch als Mehrzahl behandelt: Jöjjenek be! („Kommen Sie herein!“ zu mehreren Personen). Anders als das deutsche „Sie“ unterscheidet Ungarisch also am Verb zwischen einer und mehreren höflich angesprochenen Personen.
Eine direkte Imperativform kann durch eine Höflichkeitsformel freundlicher werden:
| Formulierung | Typischer Gebrauch | Beispiel |
|---|---|---|
| kérlek | vertraut, zu einer Person | Kérlek, várj itt. – Bitte warte hier. |
| kérem | höflich oder sachlich-formell | Kérem, adja ide a könyvet. – Bitte geben Sie mir das Buch. |
| légy szíves | vertraut, wörtlich etwa „sei so freundlich“ | Légy szíves, segíts! – Hilf bitte! |
| legyen szíves | höflich, wörtlich etwa „seien Sie so freundlich“ | Legyen szíves, beszéljen lassabban. – Sprechen Sie bitte langsamer. |
| tessék + Grundform auf -ni | höfliche Einladung oder Anweisung | Tessék leülni! – Bitte nehmen Sie Platz! |
Die Form auf -ni heißt Infinitiv (die unveränderte Grundform des Verbs, vergleichbar mit deutschem „kommen“ oder „warten“): leülni bedeutet „sich hinsetzen“. Nach tessék braucht man keine Imperativendung.
Kérem und kérek sind nicht dasselbe
Das deutsche „bitte“ verleitet dazu, überall kérem einzusetzen. Tatsächlich gehören kérem und kérek zum Verb kér („bitten, verlangen, bestellen“), haben aber verschiedene Aufgaben:
- Kérem. kann allein „bitte“ heißen, etwa wenn man etwas überreicht oder eine formelle Aufforderung einleitet.
- Kérem a számlát. bedeutet „Ich hätte gern die Rechnung.“ Das Objekt a számlát ist bestimmt.
- Kérek egy kávét. bedeutet „Ich hätte gern einen Kaffee.“ egy kávét ist unbestimmt.
- Kérlek richtet sich ausdrücklich an eine vertraut angesprochene Person: „Ich bitte dich“ oder einfach „bitte“.
Für Bestellungen ist Kérek egy… eine sehr nützliche, natürliche Grundform. Eine Aufforderung wie Adj egy kávét! wäre gegenüber Bedienungspersonal viel zu direkt; sie bedeutet wörtlich „Gib einen Kaffee!“.
Verbalpräfixe stehen oft hinter dem Imperativ
Viele ungarische Verben besitzen ein Verbalpräfix (einen kurzen Bestandteil, der Richtung oder Abschluss ausdrückt), zum Beispiel be- „hinein“, le- „hinunter“ oder meg- „zu Ende / vollständig“. In einer neutralen Aussage steht es häufig vor dem Verb, in einer Aufforderung dagegen meist dahinter:
- bejön – er oder sie kommt herein → Gyere be! – Komm herein!
- leül – er oder sie setzt sich → Ülj le! – Setz dich!
- megnéz – er oder sie sieht sich etwas an → Nézd meg ezt! – Sieh dir das an!
- becsuk – er oder sie macht etwas zu → Csukd be az ajtót! – Mach die Tür zu!
Das erinnert ein wenig an deutsche trennbare Verben: „hereinkommen“ wird zu „Komm herein!“. Die Einzelheiten der ungarischen Wortstellung sind jedoch nicht identisch und werden später systematisch gelernt.
Verneinte Aufforderungen mit ne
Eine negative Aussage verwendet nem („nicht“), eine negative Aufforderung dagegen ne:
- Ne menj el! – Geh nicht weg!
- Ne beszélj olyan gyorsan! – Sprich nicht so schnell!
- Ne nyissa ki az ablakot! – Öffnen Sie das Fenster nicht!
Bei einem Verbalpräfix steht dieses auch hier nach dem Verb: elmegy („weggehen“), aber Ne menj el!.
Beispiele im Zusammenhang
| Ungarisch | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| Kérem, adja ide a könyvet. | Bitte geben Sie mir das Buch. | höflich; bestimmtes Objekt |
| Gyere ide! | Komm her! | vertraute Einzahl |
| Nézd meg ezt! | Sieh dir das an! | bestimmte Form; meg steht hinter dem Verb |
| Várj egy percet! | Warte eine Minute! | einfache Aufforderung mit -j |
| Adj egy pohár vizet! | Gib mir ein Glas Wasser! | unbestimmtes Objekt |
| Add ide a kulcsot! | Gib mir den Schlüssel! | bestimmtes Objekt |
| Kérlek, csukd be az ajtót. | Bitte mach die Tür zu. | vertraute Bitte |
| Legyen szíves, beszéljen lassabban. | Sprechen Sie bitte langsamer. | höfliche Bitte |
| Jöjjön be! | Kommen Sie herein! | höfliche Einzahl |
| Tessék leülni! | Bitte nehmen Sie Platz! | tessék mit Infinitiv |
| Kérek egy kávét. | Ich hätte gern einen Kaffee. | natürliche Bestellung |
| Kérem a számlát. | Die Rechnung, bitte. | bestimmter Gegenstand |
| Ne menj el! | Geh nicht weg! | verneinte Aufforderung mit ne |
| Ne nyúljon hozzá! | Fassen Sie das bitte nicht an! | höfliches Verbot |
| Gyertek be! | Kommt herein! | vertraute Mehrzahl |
Häufige Fehler
Nem statt ne verwenden
- Falsch: Nem menj el!
- Richtig: Ne menj el!
- Warum: Nem verneint Aussagen. Für Verbote und negative Aufforderungen steht ne.
Die unbestimmte Form vor einem bestimmten Objekt wählen
- Falsch: Adj ide a könyvet!
- Richtig: Add ide a könyvet!
- Warum: a könyvet bezeichnet ein bestimmtes Buch. Deshalb braucht ad in der vertrauten Einzahl die bestimmte Imperativform add. Ohne bestimmtes Objekt ist adj korrekt: Adj egy könyvet!
Kérem als universelle Übersetzung von „bitte“ behandeln
- Unpassend: Kérem, gyere ide! zu einem engen Freund
- Natürlicher: Kérlek, gyere ide!
- Warum: kérem wirkt eher höflich oder formell, kérlek richtet sich vertraut an „dich“. Je nach Ton kann unter Freunden auch einfach Gyere ide! genügen.
Bei höflicher Anrede die te-Form benutzen
- Falsch: Gyere be! zu einer förmlich angesprochenen fremden Person
- Richtig: Jöjjön be! oder Tessék bejönni!
- Warum: Die vertraute und die höfliche Anrede haben unterschiedliche Verbformen. Das deutsche Wort „Sie“ wird im Ungarischen meist nicht ausgesprochen; die höfliche Form bleibt trotzdem nötig.
Das Präfix vor dem Verb stehen lassen
- Falsch: Megnézd ezt!
- Richtig: Nézd meg ezt!
- Warum: In einer neutralen positiven Aufforderung steht das Verbalpräfix gewöhnlich hinter der Imperativform. Dasselbe Muster sieht man in Ülj le! und Gyere be!.
Hinweise zum Gebrauch
Ein Ausrufezeichen bedeutet nicht automatisch, dass eine ungarische Aufforderung grob klingt. Tonfall, Beziehung und Situation sind ebenso wichtig. Unter Freunden sind kurze Formen wie Várj! oder Gyere! völlig normal. Gegenüber Unbekannten ist eine höfliche Form sicherer, oft ergänzt durch kérem oder legyen szíves.
Beim Bitten um etwas kann Kérem! auch allein stehen. Wenn dagegen jemand etwas überreicht, kann Tessék! ungefähr „Bitte sehr!“ bedeuten. Als Antwort auf Dank hört man Szívesen! („Gern geschehen!“). Diese Wörter teilen sich im Deutschen teilweise die Übersetzung „bitte“, sind im Ungarischen aber nicht austauschbar.
In lockerer Umgangssprache hört man auch légyszi, eine verkürzte Form von légy szíves. Sie passt zu Freunden und vertrauten Kontakten, nicht zu formellen Schreiben oder höflicher Bedienungssprache.
Über die Grundlagen hinaus
Die folgenden Punkte muss man auf A1 noch nicht beherrschen, wird ihnen aber später begegnen.
Der ungarische Imperativ dient nicht nur direkten Befehlen. Er steht auch in Nebensätzen, wenn ein Wunsch, eine Aufforderung, ein Zweck oder eine Notwendigkeit ausgedrückt wird:
- Azt akarom, hogy gyere. – Ich möchte, dass du kommst.
- Fontos, hogy időben érkezz. – Es ist wichtig, dass du pünktlich ankommst.
- Megkértem, hogy várjon. – Ich habe ihn/sie gebeten zu warten.
In solchen Sätzen entspricht die ungarische Form nicht unbedingt einem deutschen Imperativ. Man kann sie allgemeiner als Aufforderungsmodus verstehen: Sie stellt die Handlung als gewünscht, verlangt oder notwendig dar.
Außerdem sind die Lautveränderungen umfangreicher, als die Grundformen vermuten lassen. Je nach Stammende entstehen Formen wie olvass, nézz, taníts, jöjj oder vegyél. Auch die bestimmte und unbestimmte Konjugation besitzt Formen für alle Personen. Wer die grundlegenden Wendungen sicher verwenden kann, sollte deshalb als Nächstes das vollständige System des Imperativs lernen, statt unbekannte Formen nur nach Gefühl zu bilden.
Schließlich kann die Wortstellung den Nachdruck verändern. Ein ausdrücklich genanntes te in Te maradj itt! hebt die angesprochene Person hervor: „Du bleibst hier!“ Diese Betonung kann nützlich sein, klingt aber je nach Ton entschiedener als das neutrale Maradj itt!.
Übungstipps
- Lerne Formpaare mit einem Gegenstand. Sprich zum Beispiel Adj egy könyvet! und direkt danach Add ide a könyvet!. So verbindet sich die unbestimmte beziehungsweise bestimmte Endung mit einer konkreten Bedeutung.
- Bilde Dreiergruppen nach Anrede. Übe dieselbe Bitte vertraut, höflich und mit tessék: Ülj le!, Üljön le!, Tessék leülni!. Das ist hilfreicher als eine lange Liste isolierter Endungen.
- Markiere Richtungsteile hörbar. Sprich Gyere be!, Menj ki!, Ülj le! und Nézd meg! mit einer kleinen Pause zwischen Verb und Präfix. Dadurch prägt sich die Stellung nach dem Imperativ ein.
Verwandte Themen
- Grundlage: Bestimmte und unbestimmte Konjugation — erklärt, warum adj und add verschiedene Aufgaben haben.
- Nächster Schritt: Imperativ — behandelt die vollständigen Formen, Stammveränderungen und alle Personen.
- Vertiefung: Verbalpräfixe — zeigt, was meg-, be-, ki- und weitere Präfixe ausdrücken.
- Vertiefung: Stellung der Verbalpräfixe — erklärt, wann das Präfix vor oder hinter dem Verb steht.
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