B2

Abstrakter Kasusgebrauch im Finnischen

Abstrakti Sijojen Käyttö

Dieser Artikel ist Teil des Finnisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Finnische Kasus drücken nicht nur einen konkreten Ort oder eine Bewegung aus. Der Essiv auf -na/-nä bezeichnet oft eine Rolle oder einen vorübergehenden Zustand, der Translativ auf -ksi ein Ergebnis oder eine neue Eigenschaft und der Elativ auf -sta/-stä unter anderem ein Thema oder den Bezug bestimmter Verben und Adjektive: opettajana „als Lehrkraft“, opettajaksi „zur Lehrkraft“ und puhua asiasta „über die Sache sprechen“.

Überblick

Ein Kasus ist eine Form eines Nomens, Pronomens oder Adjektivs, die seine Aufgabe im Satz anzeigt. Auf B2-Niveau reicht es nicht mehr, finnische Kasus nur mit räumlichen Bedeutungen wie „in“, „aus“ oder „nach“ zu verbinden. Dieselben Endungen ordnen auch abstrakte Beziehungen: Jemand handelt in einer Rolle, entwickelt sich zu einem Ergebnis oder spricht über ein Thema.

Besonders wichtig sind dabei drei Formen. Der Essiv (die Form für einen Zustand oder eine Rolle) zeigt, als was jemand handelt oder in welchem Zustand etwas gilt. Der Translativ (die Form für eine Veränderung oder ein Ergebnis) zeigt, wozu jemand oder etwas wird. Der Elativ (wörtlich häufig die Form für „aus etwas heraus“) bezeichnet abstrakt oft das Thema, den Gegenstand eines Gefühls oder den Bezug eines Verbs.

Für deutschsprachige Lernende ist die größte Schwierigkeit nicht die Endung selbst, sondern die Zuordnung. Im Deutschen stehen dafür sehr verschiedene Mittel: „als“, „zu“, „über“, „von“, „an“ oder ein prädikatives Adjektiv ganz ohne Präposition. Deshalb sollte man nicht nach einer einzelnen deutschen Präposition suchen, sondern die finnische Verbindung als Ganzes lernen.

So funktioniert es

Die drei Grundideen

Kasus Endung Leitfrage Typische abstrakte Bedeutung
Essiv -na/-nä als was? in welcher Rolle oder Lage? Rolle, vorübergehender Zustand, Betrachtungsweise
Translativ -ksi wozu? zu welchem Ergebnis? Veränderung, Ergebnis, Zweck, Frist oder Dauer
Elativ -sta/-stä woraus? worüber? wovon? Thema, Bezug, Ausgangspunkt; außerdem feste Rektion

Die Endung richtet sich nach der Vokalharmonie: Hinter Wörtern mit den hinteren Vokalen a, o, u stehen meist -na und -sta, sonst -nä und -stä. Der Translativ hat immer -ksi. Im Plural steht das Pluralzeichen vor der Kasusendung: opettajina „als Lehrkräfte“, opettajiksi „zu Lehrkräften“, asioista „über die Dinge“.

Essiv: Rolle und geltender Zustand

Der Essiv stellt eine Person oder Sache in einer Rolle, Funktion oder zeitlich begrenzten Lage dar. Er antwortet oft auf die gedankliche Frage „Als was?“:

  • Työskentelen opettajana. – Ich arbeite als Lehrkraft.
  • Hän oli kokouksessa tulkkina. – Er/Sie war bei der Sitzung als Dolmetscher/in tätig.
  • Lapsena luin paljon. – Als Kind las ich viel.

Der Essiv bedeutet nicht automatisch, dass die Eigenschaft unwahr oder nur von kurzer Dauer ist. Er rückt aber die Rolle in der beschriebenen Situation in den Vordergrund. Vergleiche:

  • Hän on opettaja. – Er/Sie ist Lehrer/in. Die Aussage benennt die Identität oder den Beruf.
  • Hän on koulussa opettajana. – Er/Sie ist an der Schule als Lehrkraft tätig. Die Funktion in diesem Zusammenhang steht im Mittelpunkt.

Auch nach Verben des Betrachtens und Bewertens kann der Essiv stehen. In Pidän tätä hyvänä ratkaisuna bedeutet pitää nicht „mögen“, sondern „für etwas halten“: „Ich halte dies für eine gute Lösung.“ Das Beurteilte steht dabei typischerweise im Partitiv, also in einer Form wie tätä oder ehdotusta, und die zugeschriebene Eigenschaft im Essiv.

Translativ: Veränderung und Ergebnis

Der Translativ bezeichnet einen erreichten, beabsichtigten oder angenommenen Endzustand:

  • Hän tuli sairaaksi. – Er/Sie wurde krank.
  • Vesi muuttui jääksi. – Das Wasser wurde zu Eis.
  • Valitsimme Ainon puheenjohtajaksi. – Wir wählten Aino zur Vorsitzenden.

Häufige Verben in solchen Verbindungen sind tulla „werden“, muuttua „sich verändern“, vaihtua „wechseln/ersetzt werden“, valita „wählen“ und osoittautua „sich als etwas erweisen“. Der Translativ steht nicht nur bei Nomen, sondern auch bei Adjektiven: sairaaksi „krank“, vaikeaksi „schwierig“, selväksi „klar“.

Die Ergebnisidee reicht über sichtbare Veränderungen hinaus:

  • Sprache oder Ausdrucksform: saksaksi „auf Deutsch“, etwa in kääntää saksaksi „ins Deutsche übersetzen“
  • vorgesehene Dauer: kahdeksi päiväksi „für zwei Tage“
  • Frist oder Zielzeitpunkt: perjantaiksi „bis Freitag/für Freitag fertig“
  • Zweck: muistoksi „als Andenken“

Bei manchen Verben muss die Verbindung als feste Konstruktion gelernt werden. Luulin tehtävää helpoksi heißt „Ich hielt die Aufgabe für leicht“. Obwohl im Deutschen „für“ steht, verwendet Finnisch hier den Translativ, während pitää in der vergleichbaren Bedeutung den Essiv verlangt: Pidin tehtävää helppona.

Elativ: vom Ausgangspunkt zum abstrakten Bezug

In seiner räumlichen Grundbedeutung bezeichnet der Elativ eine Bewegung aus einem Inneren: talosta „aus dem Haus“. Abstrakt wird die Vorstellung eines Ausgangspunkts oder Bezugs weitergeführt. So markiert der Elativ sehr oft das Thema einer Äußerung:

  • Puhumme asiasta. – Wir sprechen über die Sache.
  • Hän kertoi matkastaan. – Er/Sie erzählte von seiner/ihrer Reise.
  • Keskustelimme ongelmasta. – Wir diskutierten über das Problem.

Darüber hinaus verlangen viele Verben und Adjektive den Elativ als Rektion. Rektion bedeutet: Ein bestimmtes Wort legt fest, in welcher Form seine Ergänzung stehen muss. Dazu gehören beispielsweise:

  • pitää jostakin – etwas/jemanden mögen
  • tykätä jostakin – etwas/jemanden mögen
  • kiinnostua jostakin – sich für etwas interessieren
  • haaveilla jostakin – von etwas träumen
  • olla kiinnostunut jostakin – an etwas interessiert sein

Die Pronomenformen sind besonders häufig: tästä „hierüber/davon“, siitä „darüber/davon“, mistä „worüber/wovon“ und jostakin „über/von etwas“. Deshalb heißt es Olen kiinnostunut siitä und nicht mit der Grundform se.

Der Elativ ist jedoch nicht einfach die allgemeine finnische Entsprechung von deutschem „über“. Das jeweilige finnische Verb entscheidet über die Form. So steht bei keskustella asiasta der Elativ, bei ajatella asiaa „über die Sache nachdenken“ dagegen meist der Partitiv. Wörter mitsamt ihrer Rektion zu lernen ist daher zuverlässiger als eine Übersetzung einzelner Präpositionen.

Beispiele im Zusammenhang

Finnisch Deutsch Hinweis
Hän tuli sairaaksi. Er/Sie wurde krank. Translativ: neuer Zustand
Suunnitelma osoittautui liian kalliiksi. Der Plan erwies sich als zu teuer. Translativ nach osoittautua
Valitsimme Ainon puheenjohtajaksi. Wir wählten Aino zur Vorsitzenden. Translativ: Ergebnis der Wahl
Vesi muuttui jääksi yön aikana. Das Wasser wurde im Laufe der Nacht zu Eis. Translativ: Stoff oder Zustand verändert sich
Hän vaihtui toiseksi. Er/Sie wurde durch jemand anderen ersetzt. Translativ toiseksi: die neue Besetzung
Tarvitsen auton kahdeksi päiväksi. Ich brauche das Auto für zwei Tage. Translativ: vorgesehene Dauer
Käänsin viestin saksaksi. Ich übersetzte die Nachricht ins Deutsche. Translativ: Zielsprache
Työskentelen täällä opettajana. Ich arbeite hier als Lehrkraft. Essiv: berufliche Rolle
Hän esiintyi kokouksessa asiantuntijana. Er/Sie trat in der Sitzung als Fachperson auf. Essiv: Funktion in der Situation
Lapsena asuin Turussa. Als Kind wohnte ich in Turku. Essiv: Lebensphase
Pidän tätä hyvänä ratkaisuna. Ich halte dies für eine gute Lösung. Essiv nach pitää im Sinn von „halten für“
Puhutaan asiasta huomenna. Sprechen wir morgen über die Sache. Elativ: Gesprächsthema
Olen kiinnostunut siitä. Ich interessiere mich dafür. Elativ durch die Rektion von kiinnostunut
Hän kertoi uudesta työstään. Er/Sie erzählte von seiner/ihrer neuen Arbeit. Elativ: Gegenstand des Erzählens
Mitä mieltä olet ehdotuksesta? Was hältst du von dem Vorschlag? Elativ in einer festen Meinungsfrage
Hänestä tuli lääkäri. Er/Sie wurde Arzt/Ärztin. Besondere Konstruktion: Person im Elativ, Ergebnis im Nominativ

Häufige Fehler

Nach tulla die Grundform verwenden

  • Falsch: Hän tuli sairas.
  • Richtig: Hän tuli sairaaksi.
  • Warum: Wenn tulla „werden“ bedeutet, steht die neue Eigenschaft gewöhnlich im Translativ. Sairas ist die Grundform, sairaaksi der erreichte Zustand.

Rolle und Ziel verwechseln

  • Falsch: Työskentelen opettajaksi.
  • Richtig: Työskentelen opettajana.
  • Warum: Beim Arbeiten besteht die Rolle bereits, daher steht der Essiv. Ein Ziel verlangt den Translativ: Opiskelen opettajaksi „Ich studiere, um Lehrkraft zu werden“.

Deutsches „als“ immer mit dem Essiv wiedergeben

  • Falsch: Hänet valittiin johtajana.
  • Richtig: Hänet valittiin johtajaksi.
  • Warum: Die Wahl führt zu einer neuen Funktion. Entscheidend ist also das Ergebnis, nicht das deutsche Wort „als“.

Bei einem Gesprächsthema den Partitiv nehmen

  • Falsch: Puhumme asiaa im beabsichtigten Sinn „Wir sprechen über die Sache“.
  • Richtig: Puhumme asiasta.
  • Warum: Puhua jostakin markiert ein Gesprächsthema mit dem Elativ. Die Verbindung puhua asiaa kann zwar vorkommen, bedeutet aber eher „zur Sache reden“ oder „etwas Sinnvolles sagen“ und ist nicht gleichbedeutend.

Die Rektion eines Adjektivs aus dem Deutschen ableiten

  • Falsch: Olen kiinnostunut se.
  • Richtig: Olen kiinnostunut siitä.
  • Warum: Kiinnostunut verlangt eine Ergänzung im Elativ. Beim Pronomen se lautet diese Form siitä.

Ähnliche Bewertungsverben gleich konstruieren

  • Falsch: Pidän ehdotusta hyväksi.
  • Richtig: Pidän ehdotusta hyvänä, aber Luulin ehdotusta hyväksi.
  • Warum: Beide Verben können im Deutschen mit „für gut halten“ wiedergegeben werden. Finnisch verwendet mit pitää den Essiv, mit luulla den Translativ. Hier entscheidet die feste Konstruktion.

Hinweise zum Gebrauch

Essiv, Translativ und Elativ gehören in diesen Funktionen zur neutralen Standardsprache und sind auch in der gesprochenen Sprache sehr häufig. Es handelt sich nicht um gehobene oder bildhafte Sonderformen. Gerade Wendungen wie siitä tuli hyvä „es wurde gut“, olen kiinnostunut siitä „ich interessiere mich dafür“ und puhutaan siitä „reden wir darüber“ begegnen einem ständig.

Die sogenannte Passivform in Puhutaan asiasta hat im alltäglichen Finnisch oft eine einladende Bedeutung: „Sprechen wir über die Sache.“ In einem anderen Zusammenhang kann derselbe Satz unpersönlich heißen: „Über die Sache wird gesprochen.“ Situation und Tonfall machen meist klar, was gemeint ist.

Bei Berufs- und Rollenbezeichnungen ist im Deutschen häufig eine Präposition nötig, während Finnisch nur die Kasusendung setzt: toimia lääkärinä „als Arzt/Ärztin tätig sein“. Finnische Personenbezeichnungen markieren außerdem nicht regelmäßig das Geschlecht. Opettaja kann daher je nach Person „Lehrer“ oder „Lehrerin“ bedeuten.

Beim Elativ sollte man stets mit Mehrdeutigkeit rechnen. Kirja Suomesta kann je nach Zusammenhang „ein Buch über Finnland“ oder „ein Buch aus Finnland“ bedeuten. Ein vollständiger Satz und das passende Verb lösen die Mehrdeutigkeit normalerweise auf.

Über die Grundlagen hinaus

Zustand, Ergebnis und Identität gezielt gegenüberstellen

Die Wahl der Form verändert den Blickwinkel:

Finnische Form Kernaussage Deutsche Entsprechung
Hän on opettaja. Identität oder Beruf als Feststellung Er/Sie ist Lehrer/in.
Hän työskentelee opettajana. Rolle während der Tätigkeit Er/Sie arbeitet als Lehrer/in.
Hän valmistui opettajaksi. erreichtes Ergebnis einer Ausbildung Er/Sie schloss die Ausbildung zur Lehrkraft ab.

Diese Unterscheidung ist keine starre Trennung zwischen „dauerhaft“ und „vorübergehend“. Eine Person kann jahrzehntelang opettajana arbeiten. Der Essiv beschreibt trotzdem die Funktion, in der sie handelt; der Translativ richtet den Blick auf den Übergang in diese Funktion.

Zwei Arten, „werden“ auszudrücken

Neben tulla + Translativ gibt es die sehr häufige Konstruktion jostakin tulee jotakin:

  • Hän tuli sairaaksi. – Er/Sie wurde krank.
  • Hänestä tuli lääkäri. – Er/Sie wurde Arzt/Ärztin.
  • Tästä tulee vaikeaa. – Das wird schwierig.

In der zweiten Konstruktion steht die Person oder Sache, aus der sich das Ergebnis entwickelt, im Elativ: hänestä, tästä. Das Ergebnis steht häufig im Nominativ oder Partitiv, nicht im Translativ. Die Konstruktionen überschneiden sich in der Bedeutung, sind aber nicht beliebig austauschbar. Eigenschaften stehen besonders natürlich in Mustern wie tulla sairaaksi; bei Berufen und Identitäten ist hänestä tuli lääkäri sehr gebräuchlich.

Kasus als Teil eines Wortmusters lernen

Auf fortgeschrittenem Niveau zeigt sich, dass die allgemeine Bedeutung eines Kasus allein nicht jede Wahl erklärt. Vergleiche:

  • pitää jotakuta viisaana – jemanden für klug halten
  • luulla jotakuta viisaaksi – jemanden für klug halten
  • olla kiinnostunut jostakin – an etwas interessiert sein
  • ajatella jotakin – über/an etwas nachdenken

Solche Paare sind besonders lernenswert, weil dieselbe deutsche Übersetzung unterschiedliche finnische Formen verdeckt. In einem Wörterbuch werden die verlangten Ergänzungen oft mit jotakuta, joksikin oder jostakin angegeben. Diese Platzhalter bedeuten „jemanden/etwas“ bereits in der benötigten Form und sollten beim Lernen nicht weggelassen werden.

Besitzendungen beim Translativ

Wenn an einen Translativ eine Besitzendung tritt, erscheint vor ihr die Form -kse- statt -ksi: ystäväkseni „zu meinem Freund/als meinen Freund“, tehtäväksemme „zu unserer Aufgabe“. Diese Form ist vor allem in schriftlicher und sorgfältiger Sprache sichtbar. Für den aktiven Gebrauch genügt zunächst, das Muster zu erkennen: -ksi wird vor einer Besitzendung zu -kse-.

Übungstipps

  1. Bilde Dreiergruppen. Nimm eine Rolle oder Eigenschaft und schreibe je einen Satz zur Identität, zur bestehenden Rolle und zum Ergebnis: Hän on opettaja – hän toimii opettajana – hän valmistui opettajaksi. So wird der Bedeutungsunterschied greifbar.
  2. Lerne Rektionen als Wortverbindungen. Notiere nicht nur kiinnostunut, sondern olla kiinnostunut jostakin; nicht nur keskustella, sondern keskustella jostakin. Ersetze jostakin anschließend durch konkrete Formen wie asiasta, kurssista und siitä.
  3. Übersetze nicht die deutsche Präposition. Markiere beim Lesen alle Formen auf -na/-nä, -ksi und -sta/-stä und frage zuerst nach ihrer Funktion: bestehende Rolle, Ergebnis oder durch ein Wort verlangter Bezug. Prüfe erst danach die deutsche Wiedergabe.

Verwandte Themen

  • Voraussetzung: Essiv und Translativ – führt die Formen -na/-nä und -ksi sowie ihren grundlegenden Gegensatz ein.

Voraussetzung

Essiv und Translativ im FinnischenA2

Mehr B2-Konzepte

Übe Abstrakti Sijojen Käyttö auf Finnisch mit einem kostenlosen Settemila-Lingue-Konto. Wir richten Finnisch · B2 ein und erstellen Karten genau zu diesem Grammatikkonzept.

Dieses Konzept üben