Nebensätze mit να im Griechischen
Εξαρτημένες Προτάσεις με Να
Dieser Artikel ist Teil des Griechisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Das Neugriechische hat keinen Infinitiv wie deutsches gehen oder zu gehen. Nach Verben wie θέλω „wollen“, ζητώ „bitten/verlangen“, αφήνω „lassen“ und μου αρέσει „mir gefällt“ folgt deshalb häufig να + ein vollständig konjugiertes Verb: Θέλω να φύγω „Ich will gehen“, aber Θέλω να φύγεις „Ich will, dass du gehst“.
Überblick
Ein abhängiger Satz oder Nebensatz ist ein Satzteil, der von einem anderen Ausdruck abhängt. Im Griechischen leitet die Partikel να sehr häufig einen solchen Satz ein. Das Verb nach να steht in einer Form des Konjunktivs (einer Verbform für Gewolltes, Mögliches oder noch nicht als Tatsache Festgestelltes). Anders als im Deutschen bleibt dieses Verb persönlich konjugiert: Seine Endung zeigt also, wer handelt.
Auf B1-Niveau wird diese Bauart besonders wichtig, weil sie weit mehr ausdrückt als ein einfaches „wollen“. Man verwendet sie nach Verben und Wendungen des Wünschens, Bittens, Aufforderns, Erlaubens, Veranlassens und Fühlens. Dabei kann die handelnde Person in Haupt- und Nebensatz gleich oder verschieden sein.
Für deutschsprachige Lernende ist der entscheidende Unterschied: Wo im Deutschen oft ein Infinitiv mit zu steht, verwendet das Griechische einen να-Satz. Wo Deutsch auf einen dass-Satz wechselt, bleibt im Griechischen häufig dieselbe να-Konstruktion erhalten. Deshalb sollte man nicht einzelne deutsche Wörter übersetzen, sondern das gesamte Satzmuster lernen.
So funktioniert es
Das Grundmuster
Die einfachste Struktur lautet:
Hauptverb oder Ausdruck + να + konjugiertes Verb
| Funktion | Griechisches Muster | Deutsche Entsprechung |
|---|---|---|
| dieselbe handelnde Person | Θέλω να φύγω. | Ich will gehen. |
| andere handelnde Person | Θέλω να φύγεις. | Ich will, dass du gehst. |
| unpersönlicher Ausdruck | Είναι καλό να ξεκουραστείς. | Es ist gut, wenn du dich ausruhst. |
In Θέλω να φύγω enden θέλω und φύγω in der 1. Person Singular: Ich will, und ich gehe. In Θέλω να φύγεις zeigt die Endung von φύγεις, dass „du“ gehen sollst. Ein eigenes Subjektpronomen wie εσύ ist meist unnötig, weil die Verbendung bereits die Person erkennen lässt.
Welche Ausdrücke einen να-Satz verlangen
Die folgenden Gruppen kommen besonders häufig vor:
| Bedeutung | Typische Ausdrücke | Beispiel |
|---|---|---|
| Wunsch, Absicht, Hoffnung | θέλω „wollen“, προτιμώ „vorziehen“, ελπίζω „hoffen“ | Ελπίζω να έρθει. |
| Bitte, Auftrag, Aufforderung | παρακαλώ „bitten“, ζητώ „verlangen/bitten“, λέω σε κάποιον „jemandem sagen“ | Της είπα να περιμένει. |
| Erlaubnis oder Verhinderung | αφήνω „lassen“, επιτρέπω „erlauben“, εμποδίζω „hindern“ | Τον άφησαν να μπει. |
| Veranlassung oder Einfluss | βάζω „jemanden dazu bringen“, πείθω „überzeugen“, κάνω „bewirken“ | Με έπεισε να δοκιμάσω. |
| Gefühl oder Bewertung | μου αρέσει „mir gefällt“, χαίρομαι „sich freuen“, λυπάμαι „bedauern“ | Μου αρέσει να μαγειρεύω. |
Diese Liste ist keine bloße Vokabelliste: Am besten lernt man jedes Verb gleich mit seinem Satzbau. Bei λέω etwa ist das Muster λέω σε κάποιον να κάνει κάτι „jemandem sagen, etwas zu tun“.
Die Person im να-Satz
Weil das zweite Verb konjugiert wird, kann das Griechische den Wechsel der handelnden Person direkt am Verb zeigen:
- Προσπαθώ να καταλάβω. — Ich versuche zu verstehen.
- Προσπαθώ να καταλάβεις. — Ich versuche zu erreichen, dass du verstehst; ohne weiteren Zusammenhang ist diese Form jedoch ungewöhnlich.
- Σε παρακαλώ να μιλήσεις. — Ich bitte dich zu sprechen.
Im letzten Beispiel ist σε das direkte Objekt (die Person, auf die sich die Bitte richtet) von παρακαλώ. Zugleich ist „du“ die unausgesprochene handelnde Person von μιλήσεις. Bei Verben des Erlaubens oder Veranlassens ist dieses Muster besonders deutlich:
Objektpronomen + Hauptverb + να + Verb in passender Person
- Τον άφησε να φύγει. — Sie ließ ihn gehen.
- Τους έβαλα να περιμένουν. — Ich ließ sie warten / brachte sie dazu zu warten.
Τον und τους sind unbetonte Objektpronomen (kurze Pronomen, die sich eng an ein Verb anschließen). Sie stehen vor dem konjugierten Hauptverb. Ein Objektpronomen, das dagegen zum zweiten Verb gehört, steht innerhalb des να-Satzes zwischen να und Verb:
- Θέλω να σε δω. — Ich möchte dich sehen.
- Της είπα να μου τηλεφωνήσει. — Ich sagte ihr, sie solle mich anrufen.
Verneinung mit μη oder μην
Ein να-Satz wird normalerweise mit μη(ν) verneint, nicht mit δεν:
- Θέλω να μην αργήσεις. — Ich möchte, dass du dich nicht verspätest.
- Του είπα να μη φύγει. — Ich sagte ihm, er solle nicht gehen.
- Προσπάθησε να μην ανησυχείς. — Versuche, dir keine Sorgen zu machen.
μη und μην sind Varianten derselben Verneinung; μην ist vor Vokal und häufig auch allgemein üblich. Die Verneinung des Hauptverbs bleibt dagegen δεν: Δεν θέλω να φύγω „Ich will nicht gehen“. Dadurch entsteht ein wichtiger Bedeutungsunterschied:
- Δεν θέλω να έρθει. — Ich will nicht, dass er/sie kommt.
- Θέλω να μην έρθει. — Ich will, dass er/sie nicht kommt.
Im Alltag können beide Sätze in derselben Situation passen, grammatisch liegt die Verneinung aber jeweils an einer anderen Stelle.
Aspekt: Verlauf oder einzelnes Ergebnis
Nach να wählt man häufig zwischen zwei Verbstämmen. Der Aspekt beschreibt, wie eine Handlung betrachtet wird: als Verlauf oder Wiederholung oder als ein in sich geschlossenes Ereignis.
| Betrachtungsweise | Beispiel | Typische Bedeutung |
|---|---|---|
| imperfektiv: Verlauf, Gewohnheit, Wiederholung | να γράφω | schreiben, regelmäßig oder eine Zeit lang |
| perfektiv: einzelnes, abgegrenztes Ereignis | να γράψω | einmal schreiben, fertig verfassen |
| imperfektiv | να διαβάζω κάθε βράδυ | jeden Abend lesen |
| perfektiv | να διαβάσω αυτό το βιβλίο | dieses Buch lesen und abschließen |
Die perfektive Form sieht oft wie eine Vergangenheitsform ohne Augment aus, bezeichnet nach να aber nicht automatisch Vergangenheit. Θέλω να γράψω bedeutet „Ich möchte schreiben“, nicht „Ich möchte schrieb“. Zeit und Situation ergeben sich aus dem Hauptverb und dem Zusammenhang:
- Θέλω να φύγω τώρα. — Ich möchte jetzt gehen.
- Ήθελα να φύγω νωρίς. — Ich wollte früh gehen.
- Θα ήθελα να φύγω αύριο. — Ich würde morgen gern abreisen.
Wortstellung
να steht unmittelbar vor der Verbgruppe des abhängigen Satzes. Kurze Objektpronomen und die Verneinung stehen dazwischen:
- να φύγω — dass ich gehe / zu gehen
- να σε δω — dich zu sehen
- να μην το πεις — es nicht zu sagen / dass du es nicht sagst
- να του το εξηγήσω — es ihm zu erklären
Vor einem ergänzenden να-Satz steht normalerweise kein Komma: Ελπίζω να έρθεις. Das unterscheidet sich vom Deutschen, wo vor einem dass-Satz ein Komma steht und bei Infinitivgruppen je nach Bauart ebenfalls eines nötig sein kann.
Beispiele im Zusammenhang
| Griechisch | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| Σε παρακαλώ να μιλήσεις πιο αργά. | Ich bitte dich, langsamer zu sprechen. | Bitte; die angesprochene Person handelt. |
| Μου αρέσει να διαβάζω πριν κοιμηθώ. | Ich lese gern, bevor ich einschlafe. | Gewohnheit, daher imperfektiver Stamm. |
| Τον άφησε να φύγει νωρίς. | Sie ließ ihn früh gehen. | Erlaubnis mit anderer handelnder Person. |
| Ελπίζουμε να βρούμε εισιτήρια. | Wir hoffen, Karten zu finden. | Hoffnung auf ein Ergebnis. |
| Η γιατρός μού είπε να ξεκουραστώ. | Die Ärztin sagte mir, ich solle mich ausruhen. | Aufforderung in indirekter Form. |
| Θέλω να μου στείλεις τη διεύθυνση. | Ich möchte, dass du mir die Adresse schickst. | μου gehört zu στείλεις. |
| Δεν τους επιτρέπουν να μπουν μέσα. | Man erlaubt ihnen nicht hineinzukommen. | Verneint ist das Erlauben. |
| Προτιμώ να πηγαίνω με τα πόδια. | Ich gehe lieber zu Fuß. | Regelmäßige Vorliebe. |
| Προτιμώ να πάω αύριο. | Ich gehe lieber morgen. | Einmalige Entscheidung. |
| Την έπεισαν να δοκιμάσει ξανά. | Sie überzeugten sie, es noch einmal zu versuchen. | Einfluss auf eine andere Person. |
| Χαίρομαι να σε γνωρίσω. | Ich freue mich, dich kennenzulernen. | Freude über die aktuelle Begegnung. |
| Χαίρομαι που ήρθες. | Ich freue mich, dass du gekommen bist. | που stellt das Kommen als Tatsache dar. |
| Του ζήτησα να μην αργήσει. | Ich bat ihn, sich nicht zu verspäten. | Verneinung im να-Satz. |
| Μας έκανε να γελάσουμε. | Er/Sie brachte uns zum Lachen. | Veranlassung oder Wirkung. |
Häufige Fehler
Einen deutschen Infinitiv unverändert übernehmen
- Falsch: Θέλω φύγω.
- Richtig: Θέλω να φύγω.
- Warum: Nach θέλω braucht das Griechische να und ein konjugiertes Verb. Es gibt hier keine Infinitivform, die allein auf das Hauptverb folgen könnte.
Bei zwei verschiedenen Personen dieselbe Verbform verwenden
- Falsch: Θέλω να φύγω für „Ich will, dass du gehst“.
- Richtig: Θέλω να φύγεις.
- Warum: Das Verb nach να richtet sich nach der Person, die die zweite Handlung ausführt. φύγω heißt hier „ich gehe“, φύγεις „du gehst“.
Den να-Satz mit δεν verneinen
- Falsch: Του είπα να δεν φύγει.
- Richtig: Του είπα να μη φύγει.
- Warum: Innerhalb eines να-Satzes verwendet man μη(ν). δεν verneint gewöhnlich indikativische Aussagen, also als Tatsache dargestellte Aussagen.
Ein Objektpronomen an das falsche Verb setzen
- Falsch: Σε θέλω να δω. für die neutrale Bedeutung „Ich möchte dich sehen“.
- Richtig: Θέλω να σε δω.
- Warum: „Dich“ ist das Objekt von „sehen“, daher steht σε vor δω. Σε θέλω ist dagegen eine eigene Wortgruppe und bedeutet „Ich will dich“; der Satz erhält dadurch eine andere Gewichtung oder Bedeutung.
Imperfektiven und perfektiven Stamm beliebig vertauschen
- Unpassend: Μου αρέσει να διαβάσω κάθε βράδυ.
- Passend: Μου αρέσει να διαβάζω κάθε βράδυ.
- Warum: κάθε βράδυ bezeichnet eine Gewohnheit, daher passt der imperfektive Stamm διαβάζω. Für ein einzelnes Buch passt dagegen Θέλω να διαβάσω αυτό το βιβλίο.
να und που nach Gefühlsverben gleichsetzen
- Unpassend für eine feststehende Tatsache: Χαίρομαι να ήρθες.
- Richtig: Χαίρομαι που ήρθες.
- Warum: που führt hier den Grund der Freude als eingetretene Tatsache ein: „Ich freue mich, dass du gekommen bist.“ να passt etwa in Χαίρομαι να σε γνωρίσω, wo es um die aktuelle oder beabsichtigte Begegnung geht.
Hinweise zum Gebrauch
Im gesprochenen Griechisch sind να-Sätze äußerst häufig. Deutsche Übersetzungen können sehr verschieden aussehen: Infinitivgruppe, dass-Satz, indirekte Aufforderung mit „sollen“ oder eine idiomatische Wendung. Μου αρέσει να κολυμπάω wird auf Deutsch natürlicher mit „Ich schwimme gern“ wiedergegeben als mit dem wörtlichen „Mir gefällt es zu schwimmen“.
Das Subjektpronomen im να-Satz wird nur genannt, wenn Kontrast oder besondere Betonung wichtig ist: Θέλω να πας εσύ, όχι ο Νίκος „Ich möchte, dass du gehst, nicht Nikos.“ Die Verbendung genügt im neutralen Satz.
Bei Bitten und Anweisungen beeinflusst die Wahl des Hauptverbs den Ton. παρακαλώ klingt als Bitte, ζητώ kann je nach Zusammenhang „bitten“ oder förmlicher „verlangen“ bedeuten, und λέω σε κάποιον να... gibt eine Aufforderung wieder. Der να-Satz selbst entscheidet also nicht darüber, ob eine Äußerung höflich oder streng wirkt.
Über die Grundlagen hinaus
να, ότι/πως und που drücken nicht dasselbe aus
να stellt den Inhalt oft als gewollt, möglich, erwartet oder noch zu verwirklichen dar. ότι und πως leiten meist eine Aussage ein, die als Information wiedergegeben wird. που kann nach Gefühlsausdrücken den tatsächlichen Anlass nennen.
| Griechisch | Bedeutung |
|---|---|
| Ελπίζω να έρθει. | Ich hoffe, dass er/sie kommt. |
| Νομίζω ότι θα έρθει. | Ich glaube, dass er/sie kommen wird. |
| Χαίρομαι που ήρθε. | Ich freue mich, dass er/sie gekommen ist. |
Die deutschen Übersetzungen enthalten jeweils „dass“, doch die griechischen Einleiter sind nicht austauschbar. Entscheidend ist, ob der Inhalt als Wunsch oder Möglichkeit, als mitgeteilte Aussage oder als Tatsache und Gefühlsgrund dargestellt wird.
Vorzeitigkeit mit να έχω + Form auf -ει
Für eine Handlung, die vor einem anderen Zeitpunkt abgeschlossen sein soll, kann Griechisch eine zusammengesetzte Form verwenden:
- Ελπίζω να έχω τελειώσει μέχρι τις έξι. — Ich hoffe, bis sechs fertig zu sein.
- Ήθελε να είχαν φύγει πριν φτάσει. — Er/Sie wollte, dass sie gegangen waren, bevor er/sie ankam.
Solche Formen gehören über den B1-Kern hinaus. Wichtig ist zunächst nur zu erkennen, dass auch nach να zeitliche Abstufungen möglich sind. Das einfache Verb nach να trägt seine Zeitbedeutung nicht unabhängig, sondern wird durch Hauptverb, Aspekt und Kontext eingeordnet.
Selbstständiges να
να kann außerdem in Wünschen, Aufforderungen und Ausrufen stehen, ohne von einem ausgesprochenen Hauptverb abhängig zu sein:
- Να είσαι καλά! — Alles Gute! / Bleib gesund!
- Να περάσετε! — Kommen Sie herein!
- Να μην το ξεχάσεις! — Vergiss es nicht!
Diese selbstständigen Verwendungen gehören zum größeren System des Konjunktivs. Sie zeigen, warum να nicht einfach mit dem deutschen „zu“ gleichgesetzt werden darf: Es markiert eine grammatische Konstruktion mit mehreren Funktionen.
Lerntipps
- Lerne ganze Satzrahmen. Notiere nicht nur αφήνω „lassen“, sondern αφήνω κάποιον να κάνει κάτι „jemanden etwas tun lassen“. So sitzen Pronomen und να von Anfang an an der richtigen Stelle.
- Bilde Personenpaare. Verwandle Θέλω να φύγω systematisch in Θέλω να φύγεις, Θέλω να φύγει und Θέλω να φύγουμε. Dadurch wird der Unterschied zwischen deutschem Infinitiv und griechischem konjugiertem Verb hörbar.
- Übe Aspekt in Gegensatzpaaren. Verbinde Gewohnheiten mit dem imperfektiven Stamm (να διαβάζω κάθε μέρα) und einzelne Ziele mit dem perfektiven Stamm (να διαβάσω το βιβλίο). Ergänze anschließend verneinte Varianten mit μην.
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