Tschechische Sprichwörter und Redewendungen
Přísloví a Idiomy
Dieser Artikel ist Teil des Tschechisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Tschechische Redewendungen sind feste Wortverbindungen, deren gemeinte Bedeutung sich oft nicht Wort für Wort erschließen lässt; Sprichwörter formulieren dagegen meist einen vollständigen, verallgemeinernden Gedanken. Ihr Wortlaut ist relativ fest, doch Verben werden weiterhin nach Person, Zeit und Aspekt angepasst und die enthaltenen Kasusformen müssen genau stimmen: Aus zabít dvě mouchy jednou ranou wird im Satz etwa Zabili jsme dvě mouchy jednou ranou.
Überblick
Sprichwörter (přísloví) und Redewendungen oder Idiome (rčení, ustálená spojení, idiomy) gehören zu den Bereichen, in denen sehr fortgeschrittene Sprachkenntnisse sichtbar werden. Man muss nicht nur die Wörter verstehen, sondern auch erkennen, ob jemand ernst, ironisch, warnend oder humorvoll spricht. Auf C2-Niveau geht es deshalb nicht darum, möglichst viele bildhafte Ausdrücke in jeden Satz einzubauen. Entscheidend ist, die geläufigen Wendungen sicher zu erkennen und einige davon natürlich und situationsgerecht zu verwenden.
Ein Sprichwort ist gewöhnlich ein ganzer Satz mit einer allgemeinen Lehre oder Beobachtung, zum Beispiel Bez práce nejsou koláče („Ohne Fleiß kein Preis“). Eine Redewendung ist meist ein Satzbaustein, der grammatisch in einen größeren Satz eingesetzt wird, etwa mít máslo na hlavě („Dreck am Stecken haben“). Die Grenze ist nicht immer messerscharf, für das Lernen ist die Unterscheidung aber nützlich: Ein Sprichwort wird oft als Kommentar zitiert, während eine Redewendung gebeugt und in den Satz eingebaut wird.
Deutschsprachige Lernende haben manchmal einen Vorteil, weil einzelne Bilder in beiden Sprachen übereinstimmen: nosit sovy do Athén entspricht fast genau „Eulen nach Athen tragen“. Häufig ist jedoch nur die Funktion, nicht das Bild gleich. Wer deutsche Bestandteile direkt ins Tschechische überträgt, erzeugt daher leicht verständliche, aber unübliche Mischformen.
So funktioniert es
Bedeutung als Ganzes lernen
Bei einem Idiom ist die Gesamtbedeutung idiomatisch, also nicht vollständig aus den Einzelwörtern berechenbar. Mít máslo na hlavě heißt wörtlich „Butter auf dem Kopf haben“, gemeint ist aber, selbst nicht unschuldig zu sein oder etwas auf dem Kerbholz zu haben. Je weniger vertraut das Bild ist, desto wichtiger ist ein vollständiger Beispielsatz mit Situation.
Auch deutsche Entsprechungen sind selten in jeder Lage deckungsgleich. Házet hrách na stěnu („Erbsen an die Wand werfen“) bezeichnet vergebliche Ermahnungen oder Erklärungen: Nichts dringt durch. „Gegen eine Wand reden“ passt meist gut; „auf taube Ohren stoßen“ kann je nach Satz ebenfalls passen. Eine einzige deutsche Übersetzung sollte deshalb nicht als starre Gleichung gelernt werden.
Fester Kern, veränderlicher Satz
Der bildhafte Kern bleibt normalerweise erhalten. Person, Numerus (Einzahl oder Mehrzahl), Zeit und Modus (zum Beispiel Aussage, Bedingung oder Aufforderung) des Verbs passen sich aber dem Satz an:
| Tschechische Form | Bedeutung | Was sich ändert |
|---|---|---|
| zabít dvě mouchy jednou ranou | zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen | Wörterbuchform mit Infinitiv |
| Zabil dvě mouchy jednou ranou. | Er schlug zwei Fliegen mit einer Klappe. | 3. Person Singular, Vergangenheit |
| Zabijeme dvě mouchy jednou ranou. | Wir werden zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. | 1. Person Plural, perfektives Präsens mit Zukunftsbedeutung |
| Nechci nosit sovy do Athén. | Ich will keine Eulen nach Athen tragen. | Infinitiv nach einem Modalverb |
| Neházej hrách na stěnu. | Rede nicht gegen eine Wand an. | verneinter Imperativ |
Ein Infinitiv ist die Grundform des Verbs, etwa zabít „töten“. Im wirklichen Satz braucht das Verb meist eine gebeugte Form. Tschechisch lässt das Personalpronomen oft weg, weil die Verbform bereits zeigt, wer handelt: Zabili jsme … enthält die Information „wir“ schon in der Endung.
Die Kasus gehören zur Wendung
Der Kasus oder Fall zeigt, welche Rolle ein Substantiv im Satz spielt. Beim Lernen sollte die Fallform als Teil der Wendung gespeichert werden, nicht nur das Nennwort im Nominativ (der Grundform):
| Wendung | Wichtige Formen | Lernhinweis |
|---|---|---|
| zabít dvě mouchy jednou ranou | mouchy im Akkusativ; ranou im Instrumental | Der Instrumental bezeichnet hier das Mittel: „mit einem Schlag“; Tschechisch braucht dafür keine Präposition. |
| mít máslo na hlavě | máslo im Akkusativ; hlavě im Lokativ nach na | Die Wendung wird ohne Possessivpronomen gebraucht: nicht nach deutschem Muster „auf seinem Kopf“. |
| házet hrách na stěnu | hrách im Akkusativ; stěnu im Akkusativ | na mit Akkusativ drückt die Richtung zur Wand hin aus. |
| nosit sovy do Athén | sovy im Akkusativ; Athén im Genitiv nach do | Der Ortsname steht in einer festen gebeugten Form. |
| chodit kolem horké kaše | kaše im Genitiv nach kolem | Bedeutung: um den heißen Brei herumreden. |
Gerade bei na ist deutsche Intuition nicht genug: na stěně mit Lokativ bedeutet „an/auf der Wand“ als Ort, na stěnu mit Akkusativ bezeichnet eine Richtung. Im festen Bild werden die Erbsen an die Wand geworfen, daher na stěnu.
Verbaspekt und Aktionsart
Tschechische Verben unterscheiden häufig zwischen imperfektivem Aspekt (eine Handlung wird als Verlauf, Wiederholung oder offener Vorgang gesehen) und perfektivem Aspekt (die Handlung wird als abgeschlossenes Ganzes gesehen). Idiome behalten diese Unterscheidung bei.
Bei zabít dvě mouchy jednou ranou passt das perfektive zabít, weil ein Ergebnis erreicht wird. Die imperfektive Partnerform zabíjet ist möglich, wenn Wiederholung oder Verlauf gemeint ist, aber in der üblichen Erfolgsformel hört man überwiegend zabít. Házet hrách na stěnu enthält dagegen typischerweise das imperfektive házet: Das Bild lebt gerade vom wiederholten, ergebnislosen Versuch.
Beim „Kind mit dem Bade“ begegnen zwei grammatische Varianten: vylít s vaničkou i dítě und vylévat vaničku i s dítětem. In der ersten steht dítě als direktes Objekt im Akkusativ und s vaničkou im Instrumental; in der zweiten ist vaničku das direkte Objekt und s dítětem steht im Instrumental. Außerdem richtet sich vylít gegenüber vylévat nach der Perspektive: vylít zeigt eher einen einzelnen vollzogenen Fehler, vylévat ein wiederkehrendes Vorgehen oder eine allgemeine Warnung.
Sprichwörter als vollständige Aussagen
Sprichwörter werden meist in ihrer überlieferten Form zitiert. Manche enthalten ältere oder für Lernende ungewohnte Formen. Darovanému koni na zuby nehleď verwendet den Imperativ nehleď von hledět und den Dativ darovanému koni („einem geschenkten Pferd“). Man muss solche Formen verstehen, ohne sie außerhalb des Sprichworts unbedingt aktiv zu verwenden.
Viele Sprichwörter beruhen auf Parallelität oder einem Gegensatz. Dadurch bleiben sie gut im Gedächtnis:
- Jak si kdo ustele, tak si lehne. — Wie man sich bettet, so liegt man.
- Kdo jinému jámu kopá, sám do ní padá. — Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.
- Lepší vrabec v hrsti než holub na střeše. — Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.
Beispiele im Kontext
Die folgenden Sätze zeigen nicht nur die Wörterbuchform, sondern auch typische Gesprächsfunktionen: zustimmen, warnen, kritisieren oder eine Lage knapp zusammenfassen.
| Tschechisch | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| Když vyřídíme nákup cestou z práce, zabijeme dvě mouchy jednou ranou. | Wenn wir den Einkauf auf dem Heimweg erledigen, schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe. | Nahezu dieselbe Funktion wie im Deutschen. |
| Raději o tom pomlčel, protože sám měl máslo na hlavě. | Er schwieg lieber darüber, weil er selbst Dreck am Stecken hatte. | Bezeichnet eigene Schuld oder mangelnde Unschuld. |
| Vysvětluju mu to potřetí, ale je to jako házet hrách na stěnu. | Ich erkläre es ihm zum dritten Mal, aber es ist, als würde ich gegen eine Wand reden. | Typisch bei erfolgloser Erklärung oder Ermahnung. |
| Radit zkušenému překladateli se základní gramatikou by bylo jako nosit sovy do Athén. | Einem erfahrenen Übersetzer die Grundgrammatik zu erklären hieße Eulen nach Athen zu tragen. | Etwas Überflüssiges zu jemandem bringen, der schon genug davon hat. |
| Nechci kvůli jedné chybě vylít s vaničkou i dítě. | Ich will wegen eines Fehlers nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. | Das Gute nicht zusammen mit dem Schlechten beseitigen. |
| Přestaň chodit kolem horké kaše a řekni, co se stalo. | Rede nicht länger um den heißen Brei herum und sag, was passiert ist. | Häufige direkte Aufforderung. |
| Koupili ten byt bez prohlídky — tak trochu zajíce v pytli. | Sie kauften die Wohnung ohne Besichtigung – gewissermaßen die Katze im Sack. | Das tschechische Bild enthält einen Hasen, nicht eine Katze. |
| Z malé poznámky udělal komára velblouda. | Aus einer kleinen Bemerkung machte er eine Riesensache. | Wörtlich wird aus einer Mücke ein Kamel; entspricht „aus einer Mücke einen Elefanten machen“. |
| Po zdražení máme opravdu hluboko do kapsy. | Nach der Preiserhöhung sind wir wirklich knapp bei Kasse. | Wörtlich „tief in die Tasche haben“. |
| O tom překvapení drž jazyk za zuby. | Behalte die Überraschung für dich. | Wörtlich „halte die Zunge hinter den Zähnen“; vertraulich und direkt. |
| Bez práce nejsou koláče, takže se musíme dát do práce. | Ohne Fleiß kein Preis, also müssen wir anfangen. | Sprichwort als Begründung oder Ermunterung. |
| Varovali ho několikrát. Kdo jinému jámu kopá, sám do ní padá. | Man hatte ihn mehrmals gewarnt. Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. | Kommentar zu den Folgen böser Absichten. |
| Nabídka není dokonalá, ale lepší vrabec v hrsti než holub na střeše. | Das Angebot ist nicht perfekt, aber lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. | Eine sichere kleinere Möglichkeit ist besser als eine unsichere größere. |
| Darovanému koni na zuby nehleď; buď rád, že jsi něco dostal. | Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul; sei froh, dass du überhaupt etwas bekommen hast. | Kann freundlich, tadelnd oder scherzhaft klingen. |
| Tak dlouho se chodí se džbánem pro vodu, až se ucho utrhne. | Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht. | Wiederholtes riskantes Verhalten geht irgendwann schief. |
Häufige Fehler
Deutsche Bilder Wort für Wort übertragen
- Falsch: zabít dvě mouchy jedním kamenem
- Richtig: zabít dvě mouchy jednou ranou
- Warum: Im Deutschen gibt es die „Klappe“, in anderen Sprachen den „Stein“; die feste tschechische Form verwendet jednou ranou („mit einem Schlag“). Bei Idiomen zählt der übliche Wortlaut, nicht nur ein verständliches Bild.
Bestandteile zweier Wendungen vermischen
- Falsch: koupit kočku v pytli
- Richtig: koupit zajíce v pytli
- Warum: Die deutsche „Katze im Sack“ wird im Tschechischen zum zajíc („Hase“). Eine wörtliche Übertragung wird zwar oft verstanden, klingt aber nicht wie die etablierte tschechische Wendung.
Den falschen Fall nach einer Präposition setzen
- Falsch: házet hrách na stěně
- Richtig: házet hrách na stěnu
- Warum: na stěně bezeichnet einen Ort an der Wand. Das Werfen ist auf die Wand gerichtet, deshalb steht stěnu im Akkusativ. Die Endung ist Teil der festen Form.
Die Infinitivform unverändert in den Satz stellen
- Falsch: Včera zabít dvě mouchy jednou ranou.
- Richtig: Včera jsme zabili dvě mouchy jednou ranou.
- Warum: Die Lernform beginnt mit dem Infinitiv zabít. In einem selbstständigen Aussagesatz muss das Verb jedoch nach Person und Zeit gebeugt werden.
Unnötige Possessivpronomen ergänzen
- Unnatürlich: Měl máslo na své hlavě.
- Natürlich: Měl máslo na hlavě.
- Warum: Bei Körperteilen und festen Wendungen lässt Tschechisch den Besitz oft unausgesprochen, wenn er aus dem Zusammenhang klar ist. Das deutsche Bedürfnis nach „seinem“ darf hier nicht übertragen werden.
Zu viele Redewendungen auf engem Raum verwenden
- Überladen: Měl máslo na hlavě, chodil kolem horké kaše a nakonec vylil s vaničkou i dítě.
- Besser im neutralen Bericht: Nebyl sám bez viny, odpovědi se vyhýbal a nakonec zrušil i to, co fungovalo.
- Warum: Mehrere Bilder direkt nacheinander können unfreiwillig komisch wirken. In sachlichen Texten ist eine genaue, wörtliche Formulierung oft stärker als eine Kette von Idiomen.
Hinweise zum Gebrauch
Redewendungen sind besonders häufig im Gespräch, in Kommentaren, Reportagen, Kolumnen und literarischen Dialogen. Sie verdichten eine Bewertung: Mit chodit kolem horké kaše sagt man nicht nur, dass jemand indirekt spricht, sondern kritisiert dieses Ausweichen. Mit dělat z komára velblouda wirft man jemandem Übertreibung vor. Solche pragmatischen Nebenbedeutungen – also das, was eine Äußerung in der Situation bewirkt – sind ebenso wichtig wie die Wörterbuchübersetzung.
Sprichwörter können ernst gemeint sein, klingen in modernen Gesprächen aber auch scherzhaft, ironisch oder bewusst altväterlich. Ranní ptáče dál doskáče („Morgenstund hat Gold im Mund“) kann echte Zustimmung zum frühen Aufstehen ausdrücken; am Montagmorgen kann derselbe Satz neckisch wirken. Tonfall und Situation entscheiden.
In formellen wissenschaftlichen, juristischen oder administrativen Texten sollte man bildhafte Umgangssprache sparsam einsetzen. In einer Präsentation, Zeitung oder Rede kann eine geläufige Wendung dagegen einen Gedanken anschaulich machen. Wichtig ist, dass das Register – also die sprachliche Ebene von locker bis formell – zum übrigen Text passt.
Region, Alter und persönliche Gewohnheit beeinflussen, welche Sprichwörter aktiv verwendet werden. Nicht jede Person kennt jede ältere Variante, und manche Ausdrücke leben eher als Anspielung weiter. Das ist kein Grund, regionale oder seltene Formen zu erraten. Für die aktive Verwendung sind überregional verständliche Wendungen mit sicher beherrschtem Wortlaut die beste Wahl.
Über die Grundlagen hinaus: fortgeschrittener Gebrauch
Abwandlung als Stilmittel
Wer eine Wendung sicher kennt, kann erkennen, wenn sie absichtlich verändert wird. Werbung, Überschriften und Satire ersetzen gern einen Bestandteil oder brechen ein Sprichwort vorzeitig ab. Die Wirkung entsteht nur, weil das Publikum die erwartete Form ergänzt. Eine solche Anspielung ist keine neue feste Wendung, sondern ein kreativer Umgang mit einer bekannten Vorlage.
Für Lernende gilt: Erst die Normalform sicher beherrschen, dann Abwandlungen deuten. Eine versehentliche Mischform wirkt wie ein Fehler; eine bewusste Abwandlung braucht einen klaren Kontext, der den Wortwitz trägt.
Verkürzung und Einbettung
Bekannte Sprichwörter müssen nicht immer vollständig ausgesprochen werden. Ein Sprecher kann etwa nur Darovanému koni… sagen und darauf vertrauen, dass der Rest mitgedacht wird. Auch Bez práce nejsou koláče kann substantivisch aufgegriffen werden: To jejich „bez práce nejsou koláče“ už nemůžu poslouchat. Die Anführungszeichen machen den zitierten Charakter sichtbar.
Redewendungen lassen sich außerdem in Nebensätze, Bedingungen und Fragen einbetten:
- Kdyby neměl máslo na hlavě, ozval by se hlasitěji. — Wenn er nichts auf dem Kerbholz hätte, würde er lauter protestieren.
- Proč pořád chodíš kolem horké kaše? — Warum redest du ständig um den heißen Brei herum?
- Podařilo se nám zabít dvě mouchy jednou ranou. — Es ist uns gelungen, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.
Damit eine solche Einbettung natürlich klingt, müssen Rektion (welchen Fall ein Wort verlangt), Aspekt und Satzstellung stimmen. Ein auswendig gelernter Infinitiv allein reicht dafür nicht.
Perspektive und Höflichkeit
Viele Idiome enthalten eine Wertung und können das Gegenüber direkt angreifen. Máš máslo na hlavě beschuldigt die angesprochene Person; Děláš z komára velblouda weist ihre Sorge als Übertreibung zurück. In heiklen Situationen sind abgeschwächte Formen oft angemessener:
- Možná z toho trochu děláme komára velblouda. — Vielleicht machen wir daraus ein wenig zu viel.
- Nechci vylít s vaničkou i dítě. — Ich möchte nicht das Kind mit dem Bade ausschütten.
- Zdá se mi, že trochu chodíme kolem horké kaše. — Mir scheint, wir reden etwas um den heißen Brei herum.
Die erste Person Plural verteilt die Verantwortung, možná („vielleicht“), trochu („ein wenig“) und zdá se mi („mir scheint“) mildern das Urteil. Diese pragmatische Kontrolle unterscheidet idiomatische Sprachbeherrschung von bloßem Wiedergeben gelernter Formeln.
Ähnliche Bilder, unterschiedliche Reichweite
Selbst bei fast identischen Wendungen können typische Kontexte abweichen. Nosit sovy do Athén und „Eulen nach Athen tragen“ passen sehr gut zusammen, sind aber in beiden Sprachen eher markiert und weniger alltäglich als eine neutrale Formulierung wie říkat někomu něco, co už ví („jemandem etwas sagen, was er schon weiß“). Umgekehrt ist chodit kolem horké kaše im Tschechischen sehr geläufig und lässt sich leicht in direkte Fragen oder Aufforderungen einbauen.
Für präzises C2-Verständnis sollte eine Wendung deshalb mit drei Informationen gelernt werden: Bedeutung, grammatischer Bau und Gebrauchssituation. Erst diese Kombination zeigt, ob eine Formulierung nicht nur korrekt, sondern auch passend ist.
Übungstipps
- Lernkarten in drei Teilen anlegen: Notieren Sie vorn einen tschechischen Kontextsatz. Schreiben Sie hinten die sinngemäße deutsche Bedeutung und markieren Sie zusätzlich die feste Fallform, zum Beispiel jednou ranou oder kolem horké kaše. So lernen Sie Bild und Grammatik gemeinsam.
- Varianten bilden: Nehmen Sie eine Redewendung und setzen Sie sie in Vergangenheit, Zukunft, Frage, Verneinung und Bedingung. Aus chodit kolem horké kaše werden etwa Chodil kolem horké kaše, Nebudeme chodit kolem horké kaše und Kdyby nechodil kolem horké kaše… Lassen Sie den festen nominalen Kern unverändert.
- Register beobachten: Sammeln Sie Beispiele aus Interviews, Serien, Podcasts und Zeitungsüberschriften. Notieren Sie, wer zu wem spricht, ob die Wendung ernst oder ironisch ist und welche neutrale Formulierung dieselbe Information ausdrücken würde. Verwenden Sie aktiv zunächst nur Ausdrücke, die Sie mehrfach in ähnlichen Situationen gehört haben.
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Für dieses eigenständige C2-Thema ist im Lehrplan keine formale Voraussetzung hinterlegt. Thematisch helfen jedoch folgende Vertiefungen:
- Umgangstschechisch — zeigt, wie sich gesprochene Formen und alltägliches Register von der Standardsprache unterscheiden.
- Rhetorische Mittel — vertieft Ironie, Hervorhebung und andere Wirkungen, die auch bei Sprichwörtern wichtig sind.
- Expressive Wortbildung — erklärt, wie Wortformen zusätzliche emotionale und wertende Nuancen tragen.
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