Komplexe Relativkonstruktionen im Swahili
Sentensi Rejeshi Changamano
Dieser Artikel ist Teil des Suaheli-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Swahili kennzeichnet den Bezug eines Relativsatzes durch ein Element, das zur Nominalklasse des Bezugswortes passt: *mtu asiyejua*, *kitabu kisichopatikana*. Bei längeren, negativen oder besonders deutlichen Sätzen ist außerdem die selbstständige amba-Form praktisch: kitabu ambacho hakikusomwa. Für Art und Ort dienen Formen wie -vyo-, -po-, -ko- und -mo-.
Überblick
Ein Relativsatz beschreibt ein Nomen näher: In „die Frau, die den Bericht schrieb“ ist der fett gesetzte Teil der Relativsatz. Das Nomen, auf das er sich bezieht, heißt Bezugswort. Im Deutschen stehen dafür eigene Relativpronomen wie „der“, „die“, „das“ oder „denen“. Im Swahili steckt das entsprechende Bezugselement häufig mitten im Verb und richtet sich nach der Nominalklasse des Bezugswortes, also nach der grammatischen Gruppe, zu der das Nomen gehört.
Auf B1-Niveau begegnen einem zunächst Formen wie mtu aliyekuja „die Person, die kam“ und kitabu nilichosoma „das Buch, das ich las“. Auf C1 geht es darum, mehrere solche Bezüge verständlich zu verbinden, Relativsätze zu verneinen und zwischen einer kompakten Verbform und der Konstruktion mit amba- zu wählen. Hinzu kommen relative Angaben der Art und des Ortes: jinsi anavyosema „die Art, wie er oder sie spricht“ und mahali ninapokaa „der Ort, an dem ich wohne“.
Für deutschsprachige Lernende sind zwei Umstellungen wichtig. Erstens entspricht eine Swahili-Nominalklasse nicht dem deutschen Geschlecht: Das deutsche Wort „Buch“ ist sächlich, doch kitabu verlangt wegen Klasse 7 -cho- beziehungsweise ambacho. Zweitens wandert das finite Verb im Swahili-Relativsatz nicht wie im Deutschen ans Satzende. Die normale Swahili-Verbstruktur bleibt erhalten.
So funktioniert es
1. Der Relativmarker folgt der Nominalklasse
Der Relativmarker ist der kurze Bestandteil, der den Relativsatz mit seinem Bezugswort verbindet. Er stimmt mit dessen Nominalklasse überein. In der kompakten Form wird er in das Verb eingebaut; bei der analytischen Form verbindet er sich mit amba-.
| Klasse | Typisches Bezugswort | Eingebauter Marker | Form mit amba- |
|---|---|---|---|
| 1 | mtu „Person“ | -ye- | ambaye |
| 2 | watu „Menschen“ | -o- | ambao |
| 3 | mti „Baum“ | -o- | ambao |
| 4 | miti „Bäume“ | -yo- | ambayo |
| 5 | jambo „Angelegenheit“ | -lo- | ambalo |
| 6 | mambo „Angelegenheiten“ | -yo- | ambayo |
| 7 | kitabu „Buch“ | -cho- | ambacho |
| 8 | vitabu „Bücher“ | -vyo- | ambavyo |
| 9 | nyumba „Haus“ | -yo- | ambayo |
| 10 | nyumba „Häuser“ | -zo- | ambazo |
| 11 | ukuta „Mauer“ | -o- | ambao |
| 16 | bestimmter Ort | -po- | ambapo |
| 17 | allgemeiner Ort/Richtung | -ko- | ambako |
| 18 | Inneres eines Ortes | -mo- | ambamo |
Dass mehrere Klassen dieselbe *amba-*Form haben, hebt die Kongruenz nicht auf. Ambayo kann zum Beispiel zu Klasse 4, 6 oder 9 gehören; das Bezugswort und die übrigen Kongruenzzeichen zeigen, welche Klasse gemeint ist.
2. Der kompakte Relativsatz sitzt im Verb
Bei einer positiven Zeitform steht der Relativmarker normalerweise nach dem Zeitzeichen:
| Bedeutung | Aufbau | Beispiel und Zerlegung |
|---|---|---|
| Gegenwart | Subjektzeichen + -na- + Relativmarker + Stamm | anayesoma = a-na-ye-soma |
| Vergangenheit | Subjektzeichen + -li- + Relativmarker + Stamm | aliyesoma = a-li-ye-soma |
| Zukunft | Subjektzeichen + -taka- + Relativmarker + Stamm | atakayesoma = a-ta-ka-ye-soma |
Das Subjekt ist, einfach gesagt, die Person oder Sache, die handelt. Ist das Bezugswort selbst Subjekt des Relativsatzes, stimmen Subjektzeichen und Relativmarker damit überein:
- mtu anayesoma – „die Person, die liest“: a- und -ye- beziehen sich auf mtu.
- vitabu vilivyopotea – „die Bücher, die verloren gingen“: vi- und -vyo- beziehen sich auf vitabu.
Ist das Bezugswort dagegen Objekt, also die Person oder Sache, auf die sich die Handlung richtet, zeigt das Subjektzeichen den Handelnden und nur der Relativmarker das Bezugswort:
- kitabu nilichosoma – „das Buch, das ich las“: ni- = „ich“, -li- = Vergangenheit, -cho- = Bezug auf kitabu.
- watu tuliowaona – „die Menschen, die wir sahen“: tu- = „wir“, -li- = Vergangenheit, -o- = Bezug auf watu, -wa- = Objektzeichen für die Menschen.
Bei Personen wird das Objektzeichen wie in anderen Swahili-Sätzen häufig mitgeführt. Gerade in langen Relativformen macht es die Rollen leichter erkennbar.
3. Negative Relativformen mit -si-
Die kompakte negative Konstruktion verwendet -si- vor dem Relativmarker. Sie enthält kein eigenes Zeitzeichen wie -na- oder -li-:
| Bezugswort | Aufbau | Form | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| mtu (Klasse 1) | a-si-ye-jua | asiyejua | „der/die nicht weiß“ |
| watu (Klasse 2) | wa-si-o-kuja | wasiokuja | „die nicht kommen“ |
| kitabu (Klasse 7) | ki-si-cho-patikana | kisichopatikana | „das nicht erhältlich ist“ |
| vitabu (Klasse 8) | vi-si-vyo-faa | visivyofaa | „die nicht geeignet sind“ |
| nyumba (Klasse 9) | i-si-yo-uzwa | isiyouzwa | „das nicht verkauft wird“ |
| nyumba (Klasse 10) | zi-si-zo-uzwa | zisizouzwa | „die nicht verkauft werden“ |
Diese Form eignet sich besonders für eine allgemeine, gegenwärtige oder nicht eigens zeitlich festgelegte Verneinung. Soll dagegen klar zwischen „wurde nicht“, „ist noch nicht“ und „wird nicht“ unterschieden werden, ist amba- mit einem vollständig flektierten negativen Verb oft eindeutiger:
- kitabu ambacho hakikusomwa – „das Buch, das nicht gelesen wurde“
- kitabu ambacho hakijasomwa – „das Buch, das noch nicht gelesen worden ist“
- kitabu ambacho hakitasomwa – „das Buch, das nicht gelesen werden wird“
4. Amba- trennt Bezug und Verbstruktur
Amba- erhält den zur Nominalklasse passenden Relativmarker: ambaye, ambao, ambalo, ambacho, ambavyo, ambayo, ambazo. Danach folgt ein gewöhnlicher finiter Satz, dessen Verb seine normale Zeitform und Verneinung behält:
- mwanamke ambaye aliandika ripoti – „die Frau, die den Bericht schrieb“
- kitabu ambacho nilikinunua – „das Buch, das ich kaufte“
- vitabu ambavyo havijarudishwa – „die Bücher, die noch nicht zurückgegeben wurden“
Ist das Bezugswort Objekt, wird es in der *amba-*Konstruktion im Verb oft durch das passende Objektzeichen wiederaufgenommen: ambacho nilikinunua. Bei Personen ist diese Wiederaufnahme besonders wichtig: mtu ambaye nilimwona.
Die Konstruktion ist länger als kitabu nilichonunua, hat aber klare Vorteile. Das Verb kann jede benötigte Zeit- und Negativform behalten; außerdem bleibt bei Einschüben leichter sichtbar, worauf sich der Relativsatz bezieht. Amba- ist deshalb in formeller Prosa und bei komplexen Sätzen häufig nützlich, aber keineswegs auf amtliche Sprache beschränkt.
5. Art und Weise mit -vyo-
Der Marker -vyo- kann nicht nur auf ein Nomen der Klasse 8 verweisen. Er bildet auch relative Angaben der Art: „wie“, „auf welche Weise“ oder „so, wie“.
- jinsi anavyosema – „die Art, wie er oder sie spricht“
- fanya nilivyokuonyesha – „mach es so, wie ich es dir gezeigt habe“
- sielewi alivyoweza kumaliza – „ich verstehe nicht, wie er oder sie es schaffen konnte“
Wörter wie jinsi „Art und Weise“ oder namna „Weise“ können den Bezug ausdrücklich nennen. Fehlen sie, kann die *-vyo-*Form selbst „wie“ oder „die Art, wie“ ausdrücken. Man sollte -vyo- daher nicht automatisch als Pluralmarker von Klasse 8 übersetzen; der Zusammenhang entscheidet.
6. Relative Ortsangaben mit -po-, -ko- und -mo-
Bei Ortsbezügen unterscheidet Swahili drei Marker. Die Grenzen sind nicht in jedem Satz gleich scharf, doch die Grundidee hilft bei der Wahl:
- -po- verweist meist auf einen bestimmten oder als Punkt aufgefassten Ort: mahali ninapokaa „der Ort, an dem ich wohne“.
- -ko- bezeichnet eher einen allgemeinen Ort oder eine Richtung: anakokwenda „wohin er oder sie geht“.
- -mo- hebt das Innere hervor: chumba anamoishi „das Zimmer, in dem er oder sie wohnt“.
Anders als im Deutschen braucht man dafür nicht getrennt „wo“, „wohin“ und „worin“ vor das Verb zu stellen. Der Ortsmarker wird in die Swahili-Verbform eingebaut.
7. Verschachtelte Bezüge lesbar halten
Ein verschachtelter Relativsatz enthält einen weiteren Bezug oder mehrere Beschreibungen desselben Nomens. Grammatisch lassen sich viele Informationen in eine Nominalgruppe packen; stilistisch sollte trotzdem jederzeit erkennbar bleiben, wer was tut.
Vergleiche:
- Mtu niliyemwona jana ni daktari. – „Die Person, die ich gestern sah, ist Arzt oder Ärztin.“
- Mtu niliyemwona jana ambaye sasa anafanya kazi hapa ni daktari. – „Die Person, die ich gestern sah und die jetzt hier arbeitet, ist Arzt oder Ärztin.“
Wenn zwei Marker direkt um dasselbe Bezugswort konkurrieren, wirkt der Satz schnell überladen. Die im Themenkorpus vorkommende dichte Form Mtu ambaye niliyemwona asiyekuwa hapa ni daktari lässt sich in transparenter Standardsprache meist besser als Mtu niliyemwona, ambaye hakuwa hapa, ni daktari oder – je nach beabsichtigtem Sinn – mit zwei Hauptsätzen ausdrücken. Amba- und die kompakte Form sind Alternativen; innerhalb desselben einfachen Bezugs sollte man sie nicht unnötig doppeln.
Beispiele im Zusammenhang
| Swahili | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| Mtu ambaye niliyemwona asiyekuwa hapa ni daktari. | Die Person, die ich gesehen habe und die nicht hier war, ist Arzt oder Ärztin. | Sehr dichte Schichtung; transparenter ist meist Mtu niliyemwona, ambaye hakuwa hapa, ... |
| Kitabu ambacho hakikusomwa ni muhimu. | Das Buch, das nicht gelesen wurde, ist wichtig. | amba- bewahrt die vergangene Negativform hakikusomwa. |
| Jinsi anavyosema ni nzuri. | Die Art, wie er oder sie spricht, ist gut. | -vyo- bezeichnet die Art und Weise. |
| Mahali ninapokaa ni pazuri. | Der Ort, an dem ich wohne, ist schön. | -po- und pa- gehören zur Ortsklasse 16. |
| Mwanafunzi asiyeelewa swali anaweza kuuliza. | Ein Schüler oder eine Schülerin, der oder die die Frage nicht versteht, kann nachfragen. | Negative Personenform a-si-ye-. |
| Vitabu ambavyo havijarudishwa bado vinahitajika. | Die Bücher, die noch nicht zurückgegeben wurden, werden weiterhin gebraucht. | havija- drückt „noch nicht“ aus. |
| Jambo ambalo halikuelezwa wazi lilisababisha mkanganyiko. | Die Angelegenheit, die nicht klar erklärt wurde, verursachte Verwirrung. | Klasse 5: ambalo und li-. |
| Njia aliyotatua tatizo ilitushangaza. | Die Art, wie er oder sie das Problem löste, überraschte uns. | njia ist Klasse 9, daher -yo-. |
| Fanya kazi hiyo nilivyokuonyesha. | Erledige diese Arbeit so, wie ich es dir gezeigt habe. | Freie Artangabe mit -vyo-. |
| Hatujui walikokwenda baada ya mkutano. | Wir wissen nicht, wohin sie nach der Sitzung gegangen sind. | -ko- bezeichnet hier die Richtung. |
| Chumba anamoishi kina dirisha moja tu. | Das Zimmer, in dem er oder sie wohnt, hat nur ein Fenster. | -mo- hebt das Innere hervor. |
| Mtu ambaye nilizungumza naye atatutumia nyaraka. | Die Person, mit der ich gesprochen habe, wird uns die Unterlagen schicken. | Die Beziehung „mit“ erscheint in naye. |
| Ripoti ambayo matokeo yake yalipingwa itachapishwa upya. | Der Bericht, dessen Ergebnisse angefochten wurden, wird neu veröffentlicht. | Besitz wird durch matokeo yake ausgedrückt, nicht durch eine Form für „dessen“. |
| Wale wasiokubaliana na uamuzi walieleza sababu zao. | Diejenigen, die der Entscheidung nicht zustimmen, nannten ihre Gründe. | Negative substantivische Relativform: „diejenigen, die nicht …“. |
Häufige Fehler
Nominalklasse nach dem deutschen Artikel wählen
- Falsch: kitabu ambaye nilisoma
- Richtig: kitabu ambacho nilikisoma oder kitabu nilichosoma
- Warum: Kitabu gehört zur Klasse 7 und verlangt -cho-. Das deutsche „das“ liefert dafür keinen verlässlichen Hinweis.
In der kompakten Negativform ein Zeitzeichen einsetzen
- Falsch: mtu asiyenajua
- Richtig: mtu asiyejua
- Warum: Die negative Relativform wird als Subjektzeichen + -si- + Relativmarker + Verbstamm gebildet. Für eine ausdrücklich zeitlich bestimmte Verneinung eignet sich amba- besser, etwa mtu ambaye hakujua „die Person, die es nicht wusste“.
Amba- und den eingebauten Marker unnötig verdoppeln
- Unklar oder überladen: kitabu ambacho nilichosoma
- Richtig: kitabu ambacho nilikisoma oder kitabu nilichosoma
- Warum: In der ersten richtigen Variante trägt ambacho den Relativbezug und ki- ist das Objektzeichen. In der zweiten trägt -cho- im Verb den Relativbezug. Beide Strategien ohne Grund zu mischen erschwert die Analyse.
Das Objektzeichen mit dem Relativmarker verwechseln
- Falsch: mtu ambaye niliona
- Richtig: mtu ambaye nilimwona
- Warum: Nach ambaye steht ein gewöhnlicher Satz. Das Verb nimmt die Person als Objekt mit -m- wieder auf: ni-li-mw-ona. Der Relativmarker -ye- ersetzt dieses Objektzeichen hier nicht.
Deutsche Nebensatzstellung nachbauen
- Falsch gedacht: Das Verb müsse wegen der Bedeutung „den ich gestern gesehen habe“ an das Ende einer Swahili-Konstruktion verschoben werden.
- Richtig: mtu niliyemwona jana
- Warum: Swahili markiert den Bezug im Verb, behält aber seine eigene Wortfolge. Jana kann je nach Schwerpunkt auch früher stehen; eine deutsche Verbendstellung gibt es nicht.
Bei Präpositionen eine nicht vorhandene „dessen/mit dem“-Form suchen
- Falsch: mtu ambaye nilizungumza für „die Person, mit der ich sprach“
- Richtig: mtu ambaye nilizungumza naye
- Warum: Die Beziehung wird häufig wiederaufgenommen: naye bedeutet hier „mit ihm/ihr“. Besitz erscheint entsprechend als nyumba yake, matokeo yake und so weiter.
Gebrauchshinweise
Kompakte Relativformen sind weder umgangssprachlich noch unhöflich. Sie sind ein zentraler Teil des Standard-Swahili und wirken besonders elegant, wenn der Satz kurz bleibt: barua niliyoandika. Amba- schafft mehr syntaktischen Raum. Es ist daher in journalistischen, akademischen und administrativen Texten häufig, wenn genaue Zeitstufen, Verneinungen oder längere Einschübe ausgedrückt werden müssen.
Im gesprochenen Swahili werden sehr lange Nominalgruppen oft aufgeteilt. Statt drei Relativsätze hinter ein Nomen zu hängen, nennen Sprechende das Nomen erneut oder beginnen einen neuen Satz. Das ist kein Zeichen einfacher Sprache, sondern kann Mehrdeutigkeit vermeiden. Auch in formeller Prosa ist Klarheit wichtiger als eine möglichst große Zahl eingebauter Marker.
Kommas funktionieren nicht exakt wie im Deutschen. Entscheidend ist weniger die deutsche Unterscheidung zwischen notwendigen und zusätzlichen Relativsätzen als die Lesbarkeit des gesamten Satzes. Bei einem eingeschobenen Zusatz oder einem möglichen Bezugswechsel hilft ein Komma; noch besser kann eine Neuformulierung sein.
Über die Grundlagen hinaus
Zeitlose Relativformen
Neben den oben behandelten Formen gibt es Relativkonstruktionen ohne gewöhnliches Zeitzeichen, bei denen der Marker am Verbende erscheint, etwa asomaye „wer liest / der Lesende“ oder yeyote atakaye „wer auch immer …“. Solche Formen begegnen häufig in Sprichwörtern, allgemeinen Aussagen, gehobener Prosa und festen Wendungen. Sie sind nicht einfach mit der negativen *-si-*Form gleichzusetzen: asomaye ist positiv und allgemein, asiyesoma negativ.
Freie Relativsätze
Ein Relativausdruck kann ohne ausdrücklich genanntes Nomen stehen. Dann entspricht er deutschen Formen wie „wer“, „was“ oder „diejenigen, die“:
- Anayetaka anaweza kuingia. – „Wer möchte, kann eintreten.“
- Wasiohudhuria watapokea taarifa. – „Diejenigen, die nicht teilnehmen, erhalten eine Mitteilung.“
- Ninachotaka ni muda zaidi. – „Was ich möchte, ist mehr Zeit.“
Die Nominalklasse bleibt dabei bedeutungstragend: Klasse 1/2 verweist typischerweise auf Personen, ki-/vi- kann Dinge oder Sachverhalte bündeln, und Ortsmarker bilden freie Ortsangaben.
Proportionale und korrelative Muster
Die Artform -vyo- tritt in fortgeschrittenen Vergleichsstrukturen auf. Besonders wichtig ist kadri … ndivyo … „je … desto …“:
Kadri unavyosoma zaidi, ndivyo unavyoelewa vizuri zaidi.
„Je mehr du liest, desto besser verstehst du.“
Hier tragen unavyosoma und unavyoelewa nicht einfach einen Bezug auf ein pluralisches Nomen. Sie ordnen zwei Grade beziehungsweise Entwicklungen einander zu.
Mehrdeutige Bezugswörter vermeiden
In langen Texten können zwei Nomen derselben Klasse vor einem Relativmarker stehen. Die Kongruenz allein löst dann nicht mehr auf, welches gemeint ist. In ripoti ya kamati ambayo … kann ambayo je nach Kontext auf ripoti oder auf eine andere nominale Einheit passen. Eine klarere Wortstellung, die Wiederholung des Bezugswortes oder ein neuer Satz ist dann besser als grammatische Verdichtung.
Lerntipps
- Lerne Marker als Paare. Sprich Reihen wie mtu – ambaye – asiye- und kitabu – ambacho – kisicho- laut. So verknüpfst du die Nominalklasse gleichzeitig mit positiver, analytischer und negativer Form.
- Formuliere jeden Satz auf zwei Arten. Verwandle kitabu nilichonunua in kitabu ambacho nilikinunua. Prüfe dabei getrennt Relativmarker, Subjektzeichen, Zeitzeichen und gegebenenfalls Objektzeichen.
- Zerlege echte Sätze rückwärts. Markiere zuerst das Bezugswort, dann seine Klasse und erst danach die Verbteile. Bei langen Pressetexten verhindert dieses Vorgehen, dass -vyo- als Artangabe oder -ko- als Ortsbezug übersehen wird.
Verwandte Themen
- Voraussetzung: Relativsätze mit -ye-, -o-, -cho- usw. — führt die grundlegenden Relativmarker und ihre Stellung im Verb ein.
- Weiterführend: Formelles und akademisches Register — zeigt, wie komplexe Unterordnung in Fachtexten und offizieller Prosa eingesetzt wird.
- Ergänzend: Fortgeschrittene Vergleiche mit kadri und kiasi — vertieft proportionale Muster mit unavyo- und ndivyo.