Verneinung im Māori: *kāore*, *e kore* und *kaua*
Whakakāhore
Dieser Artikel ist Teil des Māori-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
In Kürze
Im Māori gibt es kein einzelnes Wort, das immer dem deutschen nicht entspricht. Die Form der Verneinung richtet sich vor allem nach Zeit und Aspekt: kāore … i steht bei Vergangenem, kāore … e … ana häufig bei laufenden Vorgängen, e kore … e bei Zukünftigem und kaua e bei Verboten. Das Subjekt steht dabei gewöhnlich innerhalb der negativen Satzklammer: Kāore au i haere – „Ich bin nicht gegangen.“
Überblick
Whakakāhore, die Verneinung, gehört zu den Grundlagen des Māori und wird bereits auf A1-Niveau gebraucht. Sobald man sagen möchte, dass man etwas nicht weiß, nicht tut oder nicht tun wird, muss man zwischen mehreren Mustern wählen. Anders als im Deutschen wird also nicht einfach nicht an eine passende Stelle gesetzt. Die Verneinung verändert den Rahmen des ganzen Satzes.
Besonders wichtig sind die kleinen Zeit- und Aspektmarker. Ein Aspektmarker zeigt, ob eine Handlung etwa gerade läuft oder als abgeschlossen betrachtet wird. Im bejahten Satz stehen solche Marker wie i, kei te oder e … ana vor beziehungsweise um das Verb. Im verneinten Satz tritt ein negatives Element hinzu, und häufig ändert sich auch der Marker.
Für deutschsprachige Lernende ist außerdem die Wortstellung ungewohnt. Im bejahten I haere au („Ich ging“) folgt das Subjekt au auf das Verb. Nach kāore oder e kore steht es dagegen meist vor dem Zeitmarker und dem Verb: Kāore au i haere. Wer diese Satzrahmen als ganze Einheiten lernt, vermeidet viele Fehler.
So funktioniert es
Das Grundgerüst
Ein Verbalsatz beschreibt eine Handlung, einen Vorgang oder einen Zustand. Für seine Verneinung sind zunächst vier Grundmuster besonders nützlich:
| Bedeutung | Satzmuster | Beispiel | Deutsche Bedeutung |
|---|---|---|---|
| Vergangenheit | Kāore + Subjekt + i + Verb | Kāore au i haere. | Ich bin nicht gegangen. |
| laufende Gegenwart | Kāore + Subjekt + e + Verb + ana | Kāore ia e mahi ana. | Er/Sie arbeitet gerade nicht. |
| Zukunft | E kore + Subjekt + e + Verb | E kore rātou e haere. | Sie werden nicht gehen. |
| Verbot | Kaua e + Verb | Kaua e haere! | Geh nicht! |
Das Subjekt ist die Person oder Sache, über die etwas ausgesagt wird. In Kāore au i haere ist au („ich“) das Subjekt und haere („gehen“) das Verb.
Vergangenheit: kāore … i
Für eine verneinte Handlung in der Vergangenheit steht am Satzanfang kāore. Danach folgen das Subjekt, der Marker i und das Verb:
Kāore + Subjekt + i + Verb (+ Ergänzungen)
- Kāore au i kai. – Ich habe nicht gegessen.
- Kāore ngā tamariki i haere ki te kura. – Die Kinder sind nicht zur Schule gegangen.
- Kāore ia i kite i a Mere. – Er/Sie hat Mere nicht gesehen.
Man kann sich den Unterschied als Umbau merken:
- bejaht: I haere au. – Ich ging.
- verneint: Kāore au i haere. – Ich ging nicht.
Der Marker i bleibt erhalten, aber das Subjekt rückt vor ihn. Das Verb selbst wird nicht konjugiert, verändert also nicht wie im Deutschen seine Form.
Gegenwart und laufende Vorgänge: kāore … e … ana
Ein Vorgang, der gerade nicht stattfindet, kann mit folgendem Rahmen ausgedrückt werden:
Kāore + Subjekt + e + Verb + ana
- Kāore au e moe ana. – Ich schlafe gerade nicht.
- Kāore rātou e kai ana. – Sie essen gerade nicht.
- Kāore a Hine e kōrero ana. – Hine spricht gerade nicht.
Hier bilden e und ana einen Rahmen um das Verb. Das entspricht dem bejahten Muster E moe ana au („Ich schlafe gerade“), doch auch hier steht das Subjekt im negativen Satz weiter vorn.
Wenn zuvor die Verlaufsform mit kei te gelernt wurde, ist auch der direkte Gegensatz wichtig:
- Kei te mahi au. – Ich arbeite gerade.
- Kāore au i te mahi. – Ich arbeite gerade nicht.
Die Form kāore … i te … ist eine gebräuchliche Verneinung von kei te. Für den Einstieg genügt es, kāore … e … ana als klares Muster für eine laufende negative Handlung zu beherrschen und kāore … i te … beim Hören und Lesen wiederzuerkennen.
Zustände und allgemeine Aussagen: oft ohne ana
Nicht jede Aussage in der Gegenwart bezeichnet einen sichtbaren, gerade laufenden Vorgang. Bei Zuständen, Fähigkeiten und allgemeinen Aussagen begegnet häufig:
Kāore + Subjekt + e + Verb
- Kāore au e mōhio. – Ich weiß es nicht.
- Kāore ia e hiahia ki te kawhe. – Er/Sie möchte keinen Kaffee.
- Kāore au e kōrero Wīwī. – Ich spreche kein Französisch.
Gerade Kāore au e mōhio ist eine sehr häufige Wendung und sollte als Einheit gelernt werden. Ana mechanisch an jeden Gegenwartssatz anzuhängen wäre falsch: Bei einem Zustand wie „wissen“ ist der Verlauf meist nicht das, was ausgedrückt werden soll.
Zukunft: e kore … e
Für eine zukünftige Verneinung verwendet man:
E kore + Subjekt + e + Verb (+ Ergänzungen)
- E kore au e haere āpōpō. – Ich werde morgen nicht gehen.
- E kore ia e wareware. – Er/Sie wird es nicht vergessen.
- E kore mātou e tae tōmuri. – Wir werden nicht zu spät kommen.
Kore trägt hier die negative Bedeutung; das einleitende e gehört fest zur Form e kore. Vor dem Verb steht ein weiteres e. Beide Teile dürfen nicht miteinander verwechselt oder zu einem einzigen e verkürzt werden.
Verbote und negative Aufforderungen: kaua e
Ein negativer Imperativ, also eine Aufforderung, etwas nicht zu tun, wird mit kaua e gebildet:
Kaua e + Verb (+ Ergänzungen)!
- Kaua e haere! – Geh nicht!
- Kaua e wareware! – Vergiss es nicht!
- Kaua e kōrero! – Sprich nicht!
Das Subjekt wird meistens nicht genannt, weil aus der Situation klar ist, an wen die Aufforderung gerichtet ist. Kaua ist kein allgemeiner Ersatz für kāore: Es gehört zu Verboten, Warnungen und negativen Aufforderungen.
Die Verneinung umfasst den ganzen Satz
Im Deutschen kann nicht gezielt vor unterschiedliche Satzteile gesetzt werden: „Ich fahre nicht heute, sondern morgen“ oder „Ich fahre heute nicht nach Hause“. Die hier behandelten Māori-Muster verneinen zunächst die gesamte Aussage. Für einen scharfen Gegensatz nennt man häufig ausdrücklich die Alternative. Am Anfang ist es deshalb am sichersten, mit vollständigen Aussagen zu üben: „Die Handlung geschah nicht“, „sie findet nicht statt“ oder „sie wird nicht geschehen“.
Beispiele im Zusammenhang
| Māori | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| Kāore au i haere ki te mahi inanahi. | Ich bin gestern nicht zur Arbeit gegangen. | Vergangenheit mit kāore … i |
| Kāore a Rangi i kite i te kiriata. | Rangi hat den Film nicht gesehen. | Ein Name kann das Subjekt sein. |
| Kāore ngā tamariki i kai i te parakuihi. | Die Kinder haben nicht gefrühstückt. | Subjekt als Nominalgruppe, also als Wortgruppe um ein Nomen |
| Kāore au e moe ana. | Ich schlafe gerade nicht. | Laufender Vorgang mit e … ana |
| Kāore a Maia e mahi ana i tēnei rā. | Maia arbeitet heute nicht. | Gegenwärtige Situation |
| Kāore au i te pānui. | Ich lese gerade nicht. | Verneinung einer kei te-Aussage |
| Kāore au e mōhio. | Ich weiß es nicht. | Häufiger Zustand ohne ana |
| Kāore ia e hiahia ki te tī. | Er/Sie möchte keinen Tee. | Gegenwärtiger Wunsch oder Zustand |
| Kāore mātou e kōrero Wīwī. | Wir sprechen kein Französisch. | Allgemeine Fähigkeit; mātou schließt die angesprochene Person aus. |
| E kore au e haere āpōpō. | Ich werde morgen nicht gehen. | Zukunft mit e kore … e |
| E kore rātou e tae tōmuri. | Sie werden nicht zu spät kommen. | Zukünftige Erwartung |
| E kore māua e wareware. | Wir beide werden es nicht vergessen. | māua bezeichnet zwei Personen und schließt die angesprochene Person aus. |
| Kaua e whakatuwhera i te kūaha! | Öffne die Tür nicht! | Verbot mit kaua e |
| Kaua e wareware ki tō pukapuka! | Vergiss dein Buch nicht! | Negative Erinnerung oder Warnung |
Häufige Fehler
1. Einfach ein Wort für „nicht“ in den bejahten Satz setzen
- Falsch: I kāore haere au.
- Richtig: Kāore au i haere.
- Warum: Kāore steht am Anfang, und der negative Satz hat eine eigene Wortstellung. Das Subjekt au steht vor i haere.
2. Für Vergangenheit und Zukunft dasselbe Muster verwenden
- Falsch: Kāore au i haere āpōpō.
- Richtig: E kore au e haere āpōpō.
- Warum: Āpōpō („morgen“) weist hier in die Zukunft. Dafür passt das Grundmuster e kore … e, nicht das Vergangenheitsmuster kāore … i.
3. Das zweite e nach e kore auslassen
- Falsch: E kore au haere.
- Richtig: E kore au e haere.
- Warum: Vor dem Verb steht im Zukunftsmuster ein eigenes e: e kore + Subjekt + e + Verb.
4. Ana an jede gegenwärtige Aussage hängen
- Unpassend als Grundform: Kāore au e mōhio ana.
- Meist passend: Kāore au e mōhio.
- Warum: Mōhio beschreibt hier den Zustand „wissen“. Die sehr gebräuchliche neutrale Aussage lautet Kāore au e mōhio. E … ana hebt eher einen Verlauf oder eine andauernde Situation hervor und ist nicht automatisch die Entsprechung jeder deutschen Gegenwartsform.
5. Kaua für eine gewöhnliche Feststellung verwenden
- Falsch: Kaua e haere au inanahi.
- Richtig: Kāore au i haere inanahi.
- Warum: Kaua e haere! bedeutet „Geh nicht!“ und ist eine Aufforderung. „Ich ging gestern nicht“ ist dagegen eine Feststellung über die Vergangenheit.
6. Die Längenzeichen weglassen
- Zu vermeiden: Kaore au i mohio.
- Richtig geschrieben: Kāore au i mōhio.
- Warum: Der Makron, also der waagerechte Strich über einem Vokal, kennzeichnet einen langen Vokal. Er gehört zur korrekten Schreibweise und kann Aussprache und Bedeutung unterscheiden. Daher sollte er auch beim Tippen mitgelernt werden.
Gebrauchshinweise
Kāore ist im Alltag außerordentlich häufig. Es kann nicht nur einen vollständigen negativen Satz eröffnen, sondern auch allein als verneinende Antwort vorkommen. Für Anfänger ist es dennoch sinnvoll, zuerst die vollständigen Satzmuster zu festigen, weil eine knappe Antwort stark vom Gesprächszusammenhang abhängt.
Die Pronomen im Māori unterscheiden genauer als die deutschen Wörter „wir“ und „ihr/sie“. So bedeutet mātou „wir, aber nicht du/ihr“, während māua genau zwei Personen bezeichnet und die angesprochene Person ebenfalls ausschließt. Die Wahl des Pronomens ändert das Verneinungsmuster nicht: Kāore mātou i haere und E kore māua e haere folgen denselben Rahmen wie Sätze mit au.
In Fragen können dieselben negativen Formen vorkommen. Eine Frage wird im Gespräch oft durch die Stimmführung und den Zusammenhang erkennbar: Kāore koe e haere? kann je nach Situation etwa „Gehst du nicht?“ oder „Du gehst doch nicht?“ bedeuten. Solche Fragen sollte man nicht Wort für Wort nach der deutschen Stellung von „nicht“ bauen.
Über die Grundlagen hinaus
Die folgenden Formen muss man auf A1 noch nicht aktiv beherrschen. Sie sind aber häufig genug, dass man sie später erkennen sollte.
„Noch nicht“ mit kāore anō … kia
Für etwas, das bis jetzt noch nicht geschehen ist, ist ein eigenes Muster üblich:
Kāore anō + Subjekt + kia + Verb
- Kāore anō au kia kai. – Ich habe noch nicht gegessen.
- Kāore anō ia kia tae mai. – Er/Sie ist noch nicht angekommen.
Anō bringt hier die Bedeutung „noch“ ein. Dieses Muster ist präziser als eine einfache Vergangenheitsverneinung, wenn ausdrücklich offenbleibt, ob die Handlung später noch geschieht.
Nominale Aussagen mit ehara … i te
Nicht alle Sätze enthalten ein Verb. Wenn man eine Zuordnung oder Identität verneint, verwendet man häufig ehara … i te. Ein Nomen ist ein Wort für eine Person, Sache oder einen Begriff.
- Ehara a Hemi i te kaiako. – Hemi ist nicht der Lehrer.
- Ehara tēnei i te pukapuka. – Dies ist kein Buch.
Das ist ein anderes System als kāore … i + Verb. Der Unterschied lässt sich zunächst so merken: Kāore au i mahi verneint die Handlung „arbeiten“, während Ehara au i te kaiako die Zuordnung „Lehrer sein“ zurückweist.
Verneinte Existenz und „kein“
Das deutsche kein ist kein zuverlässiges einzelnes Übersetzungswort. In existenziellen Aussagen, also Aussagen darüber, ob etwas vorhanden ist, begegnet zum Beispiel kāore he …:
- Kāore he wai. – Es gibt kein Wasser.
- Kāore he tangata i konei. – Hier ist niemand.
Damit zeigt sich ein allgemeines Prinzip: Die passende Māori-Verneinung hängt von der Art des ganzen Satzes ab, nicht nur von dem deutschen Wort nicht oder kein. Wer fortgeschrittene Texte liest, sollte deshalb zuerst erkennen, ob eine Handlung, eine Identität, ein Besitz oder das Vorhandensein von etwas verneint wird.
Übungstipps
- Bilde Vierergruppen. Nimm ein häufiges Verb wie haere und bilde vier Sätze: Kāore au i haere, Kāore au e haere ana, E kore au e haere und Kaua e haere. Sprich jeweils die deutsche Bedeutung mit, damit Form und Zeitbezug zusammenbleiben.
- Baue bejahte Sätze um. Verwandle täglich fünf kurze Sätze, zum Beispiel I kai au in Kāore au i kai und Kei te mahi au in Kāore au i te mahi. Achte besonders darauf, wohin das Subjekt rückt.
- Sammle feste Alltagswendungen. Lerne Kāore au e mōhio und Kaua e wareware als ganze Klang- und Bedeutungseinheiten. Markiere beim Hören jedes kāore, e kore oder kaua und bestimme erst danach, welche Art von Aussage folgt.
Verwandte Themen
- Voraussetzung: Verlaufsform der Gegenwart mit kei te — zeigt den bejahten Ausgangssatz, dessen Verneinung unter anderem mit kāore … i te … gebildet wird.