B2

Indirekte Rede und Zitate im Hawaiianischen

ʻŌlelo Hoʻohālua

Dieser Artikel ist Teil des Hawaiisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Für ein direktes Zitat steht häufig wahi a + Quelle: Wahi a Kawika, “E hele kākou.” („Kawika sagte: ‚Gehen wir.‘“). Inhalte lassen sich auch mit ʻōlelo „sprechen, sagen“ und einem folgenden Satz wiedergeben. Anders als im Deutschen gibt es dabei weder einen eigenen Konjunktiv für indirekte Rede noch eine automatische Verschiebung der Zeitform.

Überblick

Unter ʻŌlelo Hoʻohālua werden hier mehrere Möglichkeiten zusammengefasst, fremde oder eigene Worte wiederzugeben: das wörtliche Zitat, die sinngemäße Wiedergabe und Formulierungen wie „so lautet es“ oder „laut einer Quelle“. Diese Muster begegnen dir in Gesprächen, Erzählungen, Nachrichten, Reden und Texten über überliefertes Wissen.

Auf B2-Niveau geht es nicht nur darum, ein Verb für „sagen“ zu kennen. Entscheidend ist, klarzumachen, wer spricht, welche Worte tatsächlich zitiert werden und ob eine Aussage, eine Aufforderung oder eine Frage wiedergegeben wird. Ein Redeeinleiter (der Teil, der die sprechende Person nennt) kann vor oder neben dem wiedergegebenen Inhalt stehen.

Für Deutschsprachige ist vor allem ein Unterschied wichtig: Im Deutschen kennzeichnen Formen wie „er sei“, „sie habe“ oder „er werde“ oft die indirekte Rede. Hawaiianisch besitzt dafür kein entsprechendes, durchgängiges Konjunktivsystem. Zeit- und Aspektpartikeln wie ua, ke ... nei und e ... ana behalten ihre eigene Bedeutung; man verändert sie nicht allein deshalb, weil das einleitende Verb in der Vergangenheit steht.

So funktioniert es

1. Die Quelle mit wahi a nennen

Wahi a + Person oder Quelle bedeutet je nach Zusammenhang „laut …“, „nach Aussage von …“ oder „… sagt/sagte“. Wahi a verrät für sich allein nicht zuverlässig, ob das Sprechen gegenwärtig oder vergangen ist. Das ergibt sich aus dem Zusammenhang.

Muster Funktion Beispiel
Wahi a + Name, „Zitat.“ wörtliche Worte mit Quelle Wahi a Kawika, “E hele kākou.”
Wahi a + Nominalgruppe, Aussage Aussage laut einer Quelle Wahi a ka nūpepa, e ua ana ka lā ʻapōpō.

Eine Nominalgruppe ist hier einfach eine Person oder Sache mit ihren Begleitwörtern, etwa Kawika, ke kumu „der Lehrer/die Lehrerin“ oder ka nūpepa „die Zeitung“. Nach a folgt die Quelle in der Form, die auch Besitz oder Zuordnung ausdrückt: wahi a Kawika, wahi a ke kumu, wahi a ka nūpepa.

2. Mit ʻōlelo einleiten

Das Verb ʻōlelo bedeutet unter anderem „sprechen“ oder „sagen“. Wie andere hawaiianische Verben kann es mit Zeit- und Aspektpartikeln stehen:

Form Nahe deutsche Wiedergabe Funktion
ʻōlelo ʻo ia er/sie sagt; er/sie spricht unmarkierte oder vom Kontext bestimmte Aussage
ua ʻōlelo ʻo ia er/sie sagte; hat gesagt abgeschlossene Aussage
ke ʻōlelo nei ʻo ia er/sie spricht gerade laufender Vorgang
e ʻōlelo ana ʻo ia er/sie wird sprechen zukünftiger Vorgang

Das Subjekt (wer spricht) steht dabei gewöhnlich nach dem Verbkomplex: Ua ʻōlelo ʻo Malia ... Ein Adressat kann mit iā angeschlossen werden: Ua ʻōlelo ʻo ia iā Pua ... „Er/Sie sagte zu Pua …“.

Ein direktes Zitat kann unmittelbar folgen:

Ua ʻōlelo ke kumu, “E heluhelu ʻoukou i kēia puke.”
„Der Lehrer/Die Lehrerin sagte: ‚Lest dieses Buch.‘“

Bei einer sinngemäßen Wiedergabe folgt der Inhalt als weiterer Satz oder als e-Konstruktion. Hawaiianisch braucht dabei kein Wort, das in jedem Fall dem deutschen „dass“ entspricht.

3. Aussagen und Aufforderungen sinngemäß wiedergeben

Für einen berichteten Inhalt stehen zwei wichtige Grundtypen zur Verfügung:

Inhaltstyp Muster Beispiel
Feststellung Ua ʻōlelo ʻo X, + Aussage Ua ʻōlelo ʻo ia, ua mākaukau ka meaʻai.
Aufforderung oder beabsichtigte Handlung Ua ʻōlelo ʻo X iā Y e + Verb Ua ʻōlelo ʻo ia iā Pua e kali.

Im zweiten Muster führt e die gewünschte oder genannte Handlung ein. Ua ʻōlelo ʻo ia e hele kann deshalb je nach Zusammenhang „Er/Sie sagte, man solle gehen“ oder „Er/Sie sagte zu gehen“ bedeuten. Wenn wichtig ist, wer gehen soll, sollte diese Person ausdrücklich genannt oder durch den vorherigen Zusammenhang eindeutig gemacht werden:

  • Ua ʻōlelo ʻo ia iā Pua e hele. – „Er/Sie sagte Pua, sie solle gehen.“
  • Ua ʻōlelo ʻo ia iā mākou e hele. – „Er/Sie sagte uns, wir sollten gehen.“

Diese e-Form ist nicht mit einem deutschen Infinitiv gleichzusetzen. Sie ist eine hawaiianische Satzkonstruktion, die besonders gut zu Aufforderungen, Plänen und noch auszuführenden Handlungen passt.

4. penei und pēlā: „so“ ist nicht immer dasselbe

Penei weist typischerweise auf etwas hin, das nun folgt: „folgendermaßen“, „wie folgt“. Darum eignet es sich besonders als Ankündigung eines Zitats oder einer Formulierung.

  • Penei ka ʻōlelo a ka poʻe kahiko: ... – „So lautet der Ausspruch der Alten: …“
  • Penei kāna ʻōlelo: ... – „Seine/Ihre Worte lauten so: …“

Pēlā verweist eher auf eine bereits genannte Art und Weise oder fasst sie als „so, auf diese Weise“ auf:

  • Pēlā kāna i ʻōlelo ai. – „So hat er/sie es gesagt.“
  • ʻAe, pēlā nō. – „Ja, genau so.“

Als praktische Merkhilfe gilt: penei schaut nach vorn, pēlā blickt eher zurück. Im tatsächlichen Sprachgebrauch entscheidet jedoch der Textzusammenhang; beide Wörter sind allgemeiner als bloße Satzzeichen für Zitate.

5. Zeit, Person und Blickpunkt

In einem wörtlichen Zitat bleiben die Wörter der sprechenden Person erhalten. Sagt Malia Ke hana nei au „Ich arbeite gerade“, bleibt im Zitat au „ich“ stehen:

Ua ʻōlelo ʻo Malia, “Ke hana nei au.”

Bei der sinngemäßen Wiedergabe kann der Erzähler den Blickpunkt anpassen, etwa au durch ʻo ia ersetzen. Das ist eine Änderung der Person, keine grammatische Zeitenfolge:

Ua ʻōlelo ʻo Malia, ke hana nei ʻo ia.
„Malia sagte, dass sie gerade arbeite/arbeitet.“

Ob die Arbeit im Moment des Berichtens noch andauert, muss der weitere Zusammenhang klären. Hawaiianisch zwingt die Sprechenden nicht dazu, allein wegen ua ʻōlelo auch den eingebetteten Inhalt in eine Vergangenheit zu setzen.

6. ʻōlelo ʻana: das Sprechen als Vorgang

Mit ʻōlelo ʻana wird aus „sprechen“ sinngemäß „das Sprechen“ oder „die Äußerung“. Das ist eine Nominalisierung: Eine Handlung wird wie eine Sache oder ein Vorgang behandelt.

I kāna ʻōlelo ʻana, ua ʻoluʻolu ʻo ia.
„Beim Sprechen war er/sie freundlich.“

Diese Form beschreibt den Sprechvorgang. Sie führt nicht automatisch den genauen Wortlaut ein. Für ein klares Zitat sind wahi a, ein Satz mit ʻōlelo oder penei meist deutlicher.

Beispiele im Zusammenhang

Hawaiianisch Deutsch Hinweis
Wahi a Kawika, “E hele kākou.” Kawika sagte: „Gehen wir.“ Direktes Zitat mit genannter Quelle
Wahi a ke kumu, “E hoʻolohe pono.” Der Lehrer/Die Lehrerin sagte: „Hört gut zu.“ Aufforderung im Originalwortlaut
Wahi a ka nūpepa, e ua ana ka lā ʻapōpō. Laut der Zeitung wird es morgen regnen. Quellenangabe ohne wörtliches Zitat
Ua ʻōlelo ʻo ia e hele. Er/Sie sagte, man solle gehen. Die handelnde Person bleibt ohne Kontext offen
Ua ʻōlelo ʻo ia iā Pua e kali. Er/Sie sagte Pua, sie solle warten. iā Pua nennt die angesprochene Person
Ua ʻōlelo ʻo ia iā mākou e hoʻi i ka hale. Er/Sie sagte uns, wir sollten zum Haus zurückkehren. Wiedergegebene Aufforderung
Ua ʻōlelo ʻo Malia, “Ke hana nei au.” Malia sagte: „Ich arbeite gerade.“ au bleibt im direkten Zitat erhalten
Ua ʻōlelo ʻo ia, ua mākaukau ka meaʻai. Er/Sie sagte, das Essen sei fertig. Feststellung als nachfolgender Inhalt
Penei ka ʻōlelo a ka poʻe kahiko. So lautet der Ausspruch der Alten. penei kündigt eine folgende Formulierung an
Penei kāna ʻōlelo: “E mālama i ka ʻāina.” Seine/Ihre Worte lauten: „Kümmert euch um das Land.“ Ankündigung vor dem Zitat
Pēlā kāna i ʻōlelo ai. So hat er/sie es gesagt. Rückverweis mit pēlā
Ua nīnau ʻo ia inā e hele pū au. Er/Sie fragte, ob ich mitgehen würde. inā leitet hier eine indirekte Ja-Nein-Frage ein
I kāna ʻōlelo ʻana, ua ʻoluʻolu ʻo ia. Beim Sprechen war er/sie freundlich. Der Sprechvorgang, kein wörtliches Zitat

Die deutschen Übersetzungen mit „sei“, „solle“ oder „würde“ sind idiomatische deutsche indirekte Rede. Daraus darf man keine zusätzlichen hawaiianischen Verbformen ableiten: Die hawaiianischen Partikeln werden nach der gemeinten Zeit, dem Verlauf und der Satzart gewählt.

Häufige Fehler

Einen deutschen Konjunktiv im Hawaiianischen nachbauen

  • Falsch: Nach ua ʻōlelo grundsätzlich die Zeit- oder Aspektmarkierung des Inhalts verändern, nur weil das Deutsche „sei“, „habe“ oder „werde“ verwendet.
  • Richtig: Ua ʻōlelo ʻo ia, ua mākaukau ka meaʻai.
  • Warum: Ua im Inhalt bezeichnet hier einen abgeschlossenen beziehungsweise erreichten Zustand. Es steht nicht wegen einer festen Regel zur indirekten Rede.

wahi a wie ein gewöhnliches Verb behandeln

  • Falsch: Ua wahi a Kawika ...
  • Richtig: Wahi a Kawika, ...
  • Warum: In diesem Zitiermuster ist wahi a eine feste Quellenformel. Wenn eine ausdrückliche Verbform gebraucht wird, passt etwa Ua ʻōlelo ʻo Kawika ...

Die handelnde Person einer Aufforderung unklar lassen

  • Unklar: Ua ʻōlelo ʻo ia e hele.
  • Klarer: Ua ʻōlelo ʻo ia iā Pua e hele.
  • Warum: Im kurzen Satz nennt e hele nicht von selbst eindeutig, wer gehen soll. Die angesprochene Person oder der Kontext muss diese Information liefern.

penei und pēlā wahllos austauschen

  • Ungünstig: Mit pēlā etwas als „wie folgt“ ankündigen, obwohl noch kein Bezug vorhanden ist.
  • Passend: Penei kāna ʻōlelo: ...
  • Warum: Penei lenkt gewöhnlich auf die nun folgende Formulierung; pēlā greift häufig eine schon bekannte Weise auf.

Personwörter beim Wechsel zur indirekten Rede unverändert lassen

  • Falsch im beabsichtigten Sinn: Malia sagt Ke hana nei au; der Erzähler verwendet anschließend au, obwohl nun er selbst und nicht Malia gemeint wäre.
  • Richtig: Ua ʻōlelo ʻo Malia, ke hana nei ʻo ia.
  • Warum: Beim Wechsel des Blickpunkts müssen Wörter wie au „ich“, ʻoe „du“ und ʻo ia „er/sie“ zur gemeinten Person passen.

ʻOkina und Kahakō weglassen

  • Falsch: Ua olelo o ia ...
  • Richtig: Ua ʻōlelo ʻo ia ...
  • Warum: ʻOkina (ʻ, der Kehlverschlusslaut) und Kahakō (der Längestrich über einem Vokal) gehören zur hawaiianischen Schreibung. Sie sind keine dekorativen Akzente und sollten auch in Zitaten sorgfältig gesetzt werden.

Hinweise zum Gebrauch

Wahi a ist besonders nützlich, wenn die Quelle im Vordergrund steht: in Erzählungen, Berichten, Lehrtexten oder bei der Wiedergabe von Wissen. Die Formel kann sowohl mit einem wörtlichen Zitat als auch mit einer zusammengefassten Aussage verbunden werden. Die deutsche Übersetzung darf deshalb je nach Kontext „laut“, „nach den Worten von“, „sagt“ oder „sagte“ lauten.

Mit ʻōlelo lässt sich der Sprechvorgang zeitlich genauer einordnen. Außerdem kann ein Adressat genannt werden. Für Lernende ist es sinnvoll, zunächst klar zwischen zwei Schreibweisen zu unterscheiden: Anführungszeichen für den genauen Wortlaut und ein nicht zitiertes Folgesegment für eine sinngemäße Wiedergabe. Moderne Zeichensetzung erleichtert das Lesen, ist aber nicht der Träger der hawaiianischen Grammatik.

Achte bei deutschen Übersetzungen auf natürliches Deutsch, ohne es zurück auf das Hawaiianische zu projizieren. „Laut der Zeitung“ ist oft besser als ein schwerfälliges „Die Zeitung sagte“. Ebenso kann der deutsche Konjunktiv eine neutrale Kennzeichnung fremder Rede sein; er bedeutet nicht automatisch, dass die berichtende Person zweifelt. Hawaiianisch drückt Haltung und Sicherheit durch den weiteren Wortlaut und Kontext aus, nicht durch einen allgemeinen Konjunktiv der indirekten Rede.

Über die Grundlagen hinaus

Indirekte Fragen zeigen, wie die Redewiedergabe mit komplexeren Sätzen zusammenwirkt. Bei einer Ja-Nein-Frage kann inā „ob“ einleiten: Ua nīnau ʻo ia inā e hele pū au. Das ist keine bloße Ersetzung eines Fragezeichens. Aus einer selbstständigen Frage wird ein Bestandteil eines größeren Satzes.

Fortgeschrittene Texte wechseln außerdem bewusst zwischen Stimmen. Ein genaues Zitat bewahrt Personenwörter, Zeitbezug und Ausdrucksweise der ursprünglichen Stimme. Eine Zusammenfassung ordnet denselben Inhalt aus dem Blickpunkt des Erzählers neu. Dabei können sich Personenwörter sowie Orts- und Zeitangaben ändern, wenn die Situation es verlangt. Eine automatische Tabelle nach dem Muster „heute wird zu jenem Tag“ gibt es jedoch nicht; entscheidend ist immer der tatsächliche Bezug.

Die Form Pēlā kāna i ʻōlelo ai enthält das abschließende ai, das in komplexen hawaiianischen Sätzen auf einen zuvor herausgestellten Bestandteil zurückverweist. Hier bedeutet der ganze Satz sinngemäß „Auf diese Weise sagte er/sie es“. Dieses Muster verbindet Redewiedergabe mit fortgeschrittener Satzverknüpfung und sollte als Einheit erkannt werden.

Auch andere Verben können die Art des Sprechens genauer bezeichnen, zum Beispiel nīnau „fragen“ oder haʻi „erzählen, mitteilen“. Die Grundentscheidung bleibt dieselbe: Soll der genaue Wortlaut gezeigt, nur der Inhalt berichtet oder vor allem die Quelle genannt werden?

Übungstipps

  1. Formuliere jeden Inhalt dreifach. Schreibe ein direktes Zitat, eine Quellenangabe mit wahi a und eine sinngemäße Fassung mit ʻōlelo. So lernst du die Funktionen statt nur einzelner Sätze.
  2. Markiere den Blickpunkt. Unterstreiche in Zitaten au, ʻoe, kākou oder ʻo ia. Prüfe anschließend, welche Form bei einer Wiedergabe aus Sicht des Erzählers nötig ist.
  3. Höre auf die Partikeln. Notiere beim Hören oder Lesen, ob im berichteten Inhalt ua, ke ... nei oder e ... ana steht. Frage dich nach der gemeinten Zeit und dem Verlauf – nicht danach, welche deutsche Konjunktivform in der Übersetzung erscheint.

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