B2

Nominalisierung und abstrakte Ausdrücke im Hawaiischen

ʻŌlelo Noi

Dieser Artikel ist Teil des Hawaiisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Mit ka + Verb + ʻana wird eine Handlung oder ein Vorgang als Sache behandelt: hele „gehen“ wird zu ka hele ʻana „das Gehen, die Fahrt“. Die so gebildete Nominalphrase (eine Wortgruppe, die im Satz wie ein Nomen funktioniert) kann Subjekt, Objekt oder Teil einer Zeit- und Präpositionalangabe sein. ʻAna ist dabei nicht mit dem Verlaufsmarker ana in e … ana zu verwechseln.

Überblick

Im Deutschen kann man einen Infinitiv großschreiben und als Nomen verwenden: „gehen“ wird zu „das Gehen“, „lernen“ zu „das Lernen“. Hawaiisch verändert das Verb dafür nicht durch eine Endung. Stattdessen stehen der bestimmte Artikel ka und das nachgestellte Element ʻana beim Verb: ka aʻo ʻana „das Lernen“ oder „der Lernvorgang“. Grammatisch bleibt das Ganze eine Nominalphrase, obwohl in seinem Inneren noch ein Verb mit Ergänzungen erkennbar ist.

Diese Konstruktion ist auf dem Niveau B2 wichtig, weil sie ganze Vorgänge zu Satzgliedern macht. So kann man über eine Tätigkeit sprechen, sie bewerten, einen Grund nennen oder Ereignisse zeitlich zueinander ordnen: ʻO ka ʻai ʻana ka mea nui „Das Essen ist das Wichtigste“, no ka hele ʻana „wegen/über das Gehen“ und ma mua o ka hoʻi ʻana mai „vor der Rückkehr“.

Für deutschsprachige Lernende ist vor allem die Stellung ungewohnt. Man darf ka … ʻana nicht wie eine deutsche Klammer behandeln, in die alle Ergänzungen eingeschoben werden. Das Element ʻana folgt gewöhnlich direkt auf den verbalen Kern; Ziel, Objekt oder Richtungswort stehen danach: ka hele ʻana i Maui, ka ʻike ʻana iā Keola, ka hoʻi ʻana mai.

So funktioniert es

Das Grundmuster

Funktion Hawaiisches Muster Beispiel Bedeutung
einfache Handlung ka + Verb + ʻana ka hula ʻana das Tanzen
mit Ziel oder Ergänzung ka + Verb + ʻana + Ergänzung ka hele ʻana i ke kula das Zur-Schule-Gehen / der Schulweg
mit Objekt ka + Verb + ʻana + Objekt ka heluhelu ʻana i ka puke das Lesen des Buches
mit Richtungswort ka + Verb + ʻana + mai/aku/aʻe/iho ka hoʻi ʻana mai das Zurückkommen / die Rückkehr

ʻAna wird als eigenes Wort geschrieben. ʻOkina und Groß-/Kleinschreibung sind nicht bloß typografische Einzelheiten: ʻana gehört zur Nominalisierung, während ana ohne ʻOkina in e heluhelu ana Teil einer Verlaufs- oder Zukunftskonstruktion ist.

Ein Verb mit Objekt behält seine übliche Objektmarkierung. I steht unter anderem vor Sachen, vor Personennamen und Pronomen:

  • ka heluhelu ʻana i ka puke — das Lesen des Buches
  • ka ʻike ʻana iā Keola — das Sehen von Keola
  • ka hoʻolohe ʻana i ke mele — das Anhören des Liedes

Das Deutsche bildet aus demselben Inhalt oft ein zusammengesetztes Nomen, einen substantivierten Infinitiv oder einen Nebensatz. Deshalb kann ka hoʻi ʻana mai je nach Zusammenhang „das Zurückkommen“, „die Rückkehr“ oder „dass jemand zurückkommt“ heißen. Eine einzige starre Übersetzung passt nicht überall.

Die Nominalphrase im Satz

Die gesamte Konstruktion besetzt Stellen, an denen sonst ein Nomen stehen könnte.

Als Thema oder gleichgesetzter Ausdruck:

ʻO ka ʻai ʻana ka mea nui.

„Das Essen ist das Wichtigste.“

Das vorangestellte ʻO kennzeichnet hier den hervorgehobenen nominalen Ausdruck. Es ist nicht Bestandteil der Nominalisierung selbst; nach einer Präposition steht es beispielsweise nicht.

Als Objekt:

Makemake au i ka heluhelu ʻana.

„Ich lese gern“ beziehungsweise wörtlicher „Ich mag das Lesen.“

Nach einer Präposition oder Verhältnisangabe:

  • no ka hele ʻana i Maui — wegen der Reise nach Maui / über die Reise nach Maui
  • ma mua o ka hoʻi ʻana mai — vor der Rückkehr
  • ma hope o ka ʻai ʻana — nach dem Essen
  • a hiki i ka pau ʻana o ka hana — bis zum Abschluss der Arbeit

Die genaue deutsche Präposition hängt vom Zusammenhang ab. Besonders no kann Grund, Zweck, Zugehörigkeit oder Thema ausdrücken; „über“ ist daher keine automatische Übersetzung.

Wer führt die Handlung aus?

Ist die handelnde Person wichtig, kann eine Possessivform an die Stelle von ka treten. „Possessivform“ bedeutet hier ein Wort wie „mein“ oder „dein“; bei einer nominalisierten Handlung bezeichnet es häufig nicht Besitz, sondern die Person, die handelt.

Muster Beispiel Natürliche deutsche Wiedergabe
koʻu + Verb + ʻana i koʻu hiki ʻana mai als ich ankam / bei meiner Ankunft
kou + Verb + ʻana no kou kōkua ʻana mai dafür, dass du geholfen hast
kāna + Verb + ʻana i kāna ʻōlelo ʻana als er oder sie sprach / bei seiner oder ihrer Äußerung
kona + Verb + ʻana kona hoʻi ʻana mai seine oder ihre Rückkehr

Hawaiisch unterscheidet A- und O-Possessivformen, etwa kaʻu/kāna und koʻu/kona. Bei Handlungsnomen richtet sich die Wahl nach der inhaltlichen Beziehung, dem Grad der Kontrolle und dem etablierten Ausdruck; die Endung ʻana entscheidet sie nicht automatisch. Wer diese Unterscheidung noch nicht sicher beherrscht, sollte häufige Wendungen als Ganzes lernen und die Possessivklasse nicht aus dem Deutschen erraten.

Eine weitere Möglichkeit ist eine nachgestellte o-Angabe. Sie bezeichnet oft das, wozu ein Zustand oder Vorgang gehört:

ka pau ʻana o ka hana — das Ende beziehungsweise der Abschluss der Arbeit

Dabei ist ka hana nicht die handelnde Person, sondern das, was zu Ende geht.

Vorgang, Zustand und abstrakte Eigenschaft

Mit ʻana rückt der Vorgang in den Mittelpunkt:

  • ka maikaʻi ʻana — das Gutwerden beziehungsweise der Vorgang, gut zu sein
  • ka nui ʻana — das Größer- oder Zahlreicherwerden, je nach Zusammenhang
  • ka pau ʻana — das Zu-Ende-Gehen

Daneben können viele hawaiische Zustandswörter direkt nach einem Artikel wie ein abstraktes Nomen gebraucht werden:

  • ka maikaʻi — das Gute, die Güte, Qualität
  • ka nani — die Schönheit, das Schöne
  • ka nui — die Größe, Menge oder Mehrheit

Der Unterschied ähnelt dem zwischen „die Verbesserung / das Gutwerden“ und „das Gute / die Qualität“. Er ist nicht in jedem Satz gleich scharf, doch ʻana lenkt den Blick typischerweise auf das Geschehen, die Ausübung oder die Entwicklung. Man sollte daher nicht jedes deutsche Nomen auf „-heit“ oder „-keit“ automatisch mit ʻana nachbilden.

Beispiele im Zusammenhang

Hawaiisch Deutsch Hinweis
Ka hele ʻana i ke kula. Das Gehen zur Schule / der Schulweg. Nominalisierte Handlung als Wortgruppe
ʻO ka ʻai ʻana ka mea nui. Das Essen ist das Wichtigste. Die ganze Wortgruppe steht als hervorgehobenes Thema
Ma mua o ka hoʻi ʻana mai. Vor der Rückkehr. mai bleibt nach ʻana erhalten
No ka hele ʻana i Maui. Wegen der Reise nach Maui / über die Reise nach Maui. Die Bedeutung von no ergibt sich aus dem Zusammenhang
Makemake au i ka heluhelu ʻana i nā moʻolelo. Ich lese gern Geschichten. Wörtlicher: „Ich mag das Lesen von Geschichten“
He mea nui ka hoʻomaʻamaʻa ʻana i kēlā me kēia lā. Das tägliche Üben ist wichtig. ka … ʻana steht als Satzgegenstand
I koʻu hiki ʻana mai, ua hoʻomaka ka papa. Als ich ankam, begann der Unterricht. Die Possessivform nennt die handelnde Person
Mahalo iā ʻoe no kou kōkua ʻana mai. Danke, dass du geholfen hast. Im Deutschen ist ein Nebensatz natürlicher
Ua kamaʻilio mākou no ka hele ʻana i Maui. Wir sprachen über die Reise nach Maui. Nominalisierung nach no
Ma hope o ka ʻai ʻana, ua hele lākou i ke kahakai. Nach dem Essen gingen sie zum Strand. Zeitliche Verknüpfung zweier Ereignisse
A hiki i ka pau ʻana o ka hana, e noho au ma ʻaneʻi. Bis die Arbeit beendet ist, bleibe ich hier. o ka hana bezeichnet das, was endet
ʻO ka ʻōlelo ʻana i ka ʻōlelo Hawaiʻi ma ka hale he hana maikaʻi. Zu Hause Hawaiisch zu sprechen ist eine gute Gewohnheit. Eine längere Handlung wird zum Satzgegenstand
Ua kōkua ka hoʻomaʻamaʻa ʻana iaʻu. Das Üben hat mir geholfen. Die Nominalphrase ist das Subjekt
Ua ʻike au i ka nani o ka ʻāina. Ich erkannte die Schönheit des Landes. Abstrakter Begriff ohne ʻana

Häufige Fehler

ʻana mit dem Verlaufsmarker ana verwechseln

  • Falsch: ka hele ana i ke kula
  • Richtig: ka hele ʻana i ke kula
  • Warum: Die Nominalisierung verwendet ʻana mit ʻOkina. Ana ohne ʻOkina erscheint dagegen zum Beispiel in e hele ana au „ich gehe / werde gehen“.

Ergänzungen vor ʻana einschieben

  • Falsch: ka hele i Maui ʻana
  • Richtig: ka hele ʻana i Maui
  • Warum: Ziel- und Objektangaben folgen normalerweise auf ʻana. Das Muster ist keine Klammer nach deutschem Vorbild.

Die Objektmarkierung weglassen

  • Falsch: ka ʻike ʻana Keola
  • Richtig: ka ʻike ʻana iā Keola
  • Warum: Durch die Nominalisierung verschwinden die Beziehungen innerhalb der Handlung nicht. Keola bleibt das Objekt von ʻike und wird mit markiert.

Vor jeder nominalisierten Form ʻO setzen

  • Falsch: ma mua o ʻo ka hoʻi ʻana mai
  • Richtig: ma mua o ka hoʻi ʻana mai
  • Warum: ʻO kann einen nominalen Ausdruck in bestimmten Satzmustern hervorheben, gehört aber nicht fest zu ka … ʻana. Nach ma mua o steht direkt die Nominalphrase.

Jedes deutsche Abstraktum mit ʻana übersetzen

  • Unpassend: für „die Schönheit“ stets ka nani ʻana verwenden
  • Passend: ka nani für „die Schönheit“; ka nani ʻana nur, wenn der Vorgang oder das Schönwerden gemeint ist
  • Warum: Viele Zustandswörter können direkt substantivisch gebraucht werden. ʻAna hebt eher Ereignis, Ausübung oder Entwicklung hervor.

Die handelnde Person als gewöhnliches Subjekt anhängen

  • Unpassend: i ka hiki ʻana mai au
  • Passend: i koʻu hiki ʻana mai
  • Warum: In solchen Zeitangaben wird die handelnde Person häufig durch eine Possessivform ausgedrückt: wörtlich etwa „bei meinem Ankommen“, natürlich „als ich ankam“.

Hinweise zum Gebrauch

Nominalisierungen sind besonders nützlich in Erklärungen, Erzählungen, Anweisungen und sachlicher Sprache. Sie bündeln einen ganzen Vorgang zu einer Einheit. In einem Gespräch ist jedoch nicht jede deutsche „das …“-Form auch auf Hawaiisch die beste Lösung. Oft klingt ein einfacher Verbalsatz direkter. Statt einen langen Ausdruck unnötig zu nominalisieren, kann man zwei klar verbundene Teilsätze bilden.

Bei Zeitangaben sind Formen wie ma mua o ka … ʻana, ma hope o ka … ʻana und i koʻu … ʻana sehr gebräuchliche Lernmuster. Sie entsprechen im Deutschen sowohl Nominalgruppen („nach dem Essen“) als auch Nebensätzen („nachdem wir gegessen hatten“, „als ich ankam“). Übersetze deshalb nach der Funktion des ganzen Satzes, nicht Wort für Wort.

Die Schreibweise trägt Bedeutung. Achte konsequent auf ʻokina in ʻana und auf kahakō in anderen Wörtern. Auch Richtungswörter wie mai und aku gehören inhaltlich zum Vorgang und bleiben nach der Nominalisierung stehen: hoʻi maika hoʻi ʻana mai.

Über die Grundlagen hinaus

Zeit und Aspekt werden meist aus dem Zusammenhang erschlossen

Eine Form wie ka hele ʻana nennt zunächst den Vorgang des Gehens; sie enthält für sich allein keine deutsche Zeitform wie Vergangenheit oder Zukunft. Zeitangaben und der übergeordnete Satz liefern die Einordnung:

  • ma hope o ka hele ʻana — nach dem Gehen
  • no ka hele ʻana ʻapōpō — wegen des morgigen Gehens / wegen der morgigen Fahrt
  • ua kamaʻilio mākou no ka hele ʻana — wir sprachen über die Fahrt

Darum kann dieselbe Nominalisierung im Deutschen als Infinitiv, Ereignisnomen oder Nebensatz erscheinen.

Lange Nominalphrasen bleiben innerlich verbal

Auch eine längere Form kann Ergänzungen mitführen:

ka hāʻawi ʻana i ka makana iā ia

„das Überreichen des Geschenks an ihn oder sie“

Hier markiert i ka makana das Übergebene und iā ia die empfangende Person. Die gesamte Folge ist nominal, aber die Ergänzungen richten sich weiterhin nach hāʻawi „geben“. Genau diese Verbindung aus äußerer Nomenfunktion und innerer Verbstruktur macht die Konstruktion für komplexere Texte so nützlich.

Nominalisierung kann Informationen verdichten

Vergleiche einen direkten Satz mit einer verdichteten Form:

  • Ua hoʻi mai ʻo ia. Ua hauʻoli mākou. — „Er oder sie kam zurück. Wir freuten uns.“
  • I kona hoʻi ʻana mai, ua hauʻoli mākou. — „Als er oder sie zurückkam, freuten wir uns.“

Die zweite Variante stellt die Rückkehr als zeitlichen Rahmen dar. Sie ist nicht automatisch formeller, wirkt aber kompakter und zeigt die Beziehung zwischen den Ereignissen deutlicher. In sehr langen Sätzen kann zu viel Verdichtung wiederum schwer verständlich werden; klare Teilsätze bleiben eine gute Alternative.

A- und O-Formen verdienen eigenes Training

Bei koʻu hele ʻana, kāna ʻōlelo ʻana oder kona hoʻi ʻana mai ist die Wahl der Possessivklasse Teil der Bedeutung und des üblichen Sprachgebrauchs. Sie lässt sich nicht zuverlässig mit „mein“ oder „sein“ aus dem Deutschen ableiten. Fortgeschrittene Lernende sollten solche Formen in vollständigen Sätzen sammeln und zugleich das System der A- und O-Possession wiederholen.

Übungstipps

  1. Baue eine Formenleiter. Beginne mit einem Verb wie heluhelu: heluheluka heluhelu ʻanaka heluhelu ʻana i ka pukema hope o ka heluhelu ʻana i ka puke. So prägt sich die Stellung der Ergänzungen ein.
  2. Übersetze in beide Richtungen, aber nicht wörtlich. Schreibe zu i koʻu hiki ʻana mai sowohl „bei meiner Ankunft“ als auch „als ich ankam“. Dadurch lernst du, die Funktion statt einer einzigen deutschen Form wiederzuerkennen.
  3. Markiere drei Bausteine in Texten. Unterstreiche Artikel oder Possessivform, den verbalen Kern und ʻana. Kreise anschließend Objekte und Richtungswörter ein. Prüfe besonders den Unterschied zwischen ʻana und e … ana.

Verwandte Konzepte

  • Voraussetzung: Komplexe Satzmuster — zeigt, wie Teilsätze und ihre Beziehungen aufgebaut werden, bevor ganze Handlungen als Nominalphrasen in komplexere Sätze eingehen.

Voraussetzung

Komplexe Satzmuster im Hawaiischen (Pepeke Pili)B1

Mehr B2-Konzepte

Übe ʻŌlelo Noi auf Hawaiisch mit einem kostenlosen Settemila-Lingue-Konto. Wir richten Hawaiisch · B2 ein und erstellen Karten genau zu diesem Grammatikkonzept.

Dieses Konzept üben