A1

Das persische Alphabet

الفبای فارسی

Dieser Artikel ist Teil des Persisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Das Persische wird von rechts nach links geschrieben und besitzt 32 Buchstaben. Die meisten Buchstaben verbinden sich innerhalb eines Wortes und verändern dabei ihre Form; ا، د، ذ، ر، ز، ژ، و unterbrechen jedoch die Verbindung nach links. Vier Zeichen – پ، چ، ژ، گ – gehören zum persischen, nicht zum arabischen Grundalphabet.

Überblick

Das persische Alphabet heißt الفبای فارسی (alefbā-ye fārsi). Es beruht auf der arabischen Schrift, wurde aber für die Laute des Persischen erweitert. Auf A1-Niveau geht es zunächst um drei praktische Fähigkeiten: die 32 Grundbuchstaben wiederzuerkennen, Wörter von rechts nach links zu verfolgen und zu verstehen, wie sich Buchstaben miteinander verbinden.

Anders als beim deutschen Alphabet stehen die Buchstaben eines Wortes meist nicht einzeln nebeneinander. Ihre Gestalt passt sich an die Position im Wort an. Ein Buchstabe kann daher eine isolierte, anfängliche, mittlere oder abschließende Form haben. Das sind keine verschiedenen Buchstaben, sondern Varianten desselben Zeichens – ähnlich wie deutsche Druck- und Schreibschrift verschiedene Bilder desselben Buchstabens liefern.

Eine zweite wichtige Umstellung betrifft die Vokale. Lange Vokale werden häufig mit ا، و، ی geschrieben, kurze Vokale dagegen in normalen Texten meist nicht. Wer ein neues Wort liest, muss seine Aussprache deshalb oft schon kennen oder aus dem Zusammenhang erschließen. Das ist kein Grund, das Alphabet aufzuschieben: Zuerst lernt man Formen und Verbindungen; die genaue Vokalschreibung ist der nächste Schritt.

So funktioniert es

Schreibrichtung und Verbindung

Persische Zeilen beginnen rechts. Auch ein Wort wird rechts begonnen und nach links weitergeschrieben. Zahlen laufen innerhalb einer persischen Zeile dagegen in ihrer üblichen Reihenfolge; diese Mischung der Richtungen kann am Anfang ungewohnt aussehen.

Die meisten Buchstaben können sich auf beiden Seiten mit Nachbarbuchstaben verbinden. In einer Schriftart erscheint die Verbindung als waagerechter Strich. Man muss diesen Strich nicht als eigenes Zeichen lesen.

Sieben Buchstaben sind einseitige Verbinder:

ا د ذ ر ز ژ و

Sie können sich mit dem Buchstaben rechts vor ihnen verbinden, aber nicht mit dem Buchstaben links nach ihnen. Weil Persisch von rechts nach links läuft, entsteht die sichtbare Lücke also links von einem solchen Buchstaben. Das Wort باز (bāz, „offen“) besteht zum Beispiel aus ب + ا + ز: Nach ا beginnt ز ohne Verbindung neu.

Die vier Positionsformen

Die Bezeichnungen meinen die Stellung innerhalb einer verbundenen Buchstabengruppe:

  • isoliert: ohne Verbindung, etwa als einzelner Buchstabe;
  • am Anfang: rechts beginnt die Gruppe, links folgt eine Verbindung;
  • in der Mitte: Verbindung nach rechts und nach links;
  • am Ende: rechts besteht eine Verbindung, links endet die Gruppe.

Ein Gedankenstrich in der folgenden Tabelle bedeutet, dass diese Verbindungsform nicht möglich ist. Die Lautangaben sind Annäherungen für deutschsprachige Lernende. Gerade bei ق und غ unterscheidet sich die Aussprache nach Region und Sprecher.

Buchstabe Name Anfang Mitte Ende Ungefähre Aussprache
ا alef ـا langes a oder Vokalträger
ب be بـ ـبـ ـب b
پ pe پـ ـپـ ـپ p
ت te تـ ـتـ ـت t
ث se ثـ ـثـ ـث s
ج dschim جـ ـجـ ـج dsch wie in „Dschungel“
چ tsche چـ ـچـ ـچ tsch
ح he حـ ـحـ ـح h
خ che خـ ـخـ ـخ ch wie in „Bach“
د dāl ـد d
ذ zāl ـذ s wie in „Sonne“
ر re ـر gerolltes oder kurzes r
ز ze ـز s wie in „Sonne“
ژ zhe ـژ stimmhaftes sch wie das zweite g in „Garage“
س sin سـ ـسـ ـس s wie in „Tasse“
ش schin شـ ـشـ ـش sch
ص sād صـ ـصـ ـص s
ض zād ضـ ـضـ ـض s wie in „Sonne“
ط طـ ـطـ ـط t
ظ ظـ ـظـ ـظ s wie in „Sonne“
ع eyn عـ ـعـ ـع oft schwacher Kehllaut oder kaum hörbar
غ gheyn غـ ـغـ ـغ kehliges gh
ف fe فـ ـفـ ـف f
ق qāf قـ ـقـ ـق meist ähnlich wie غ, regional auch q
ک kāf کـ ـکـ ـک k
گ gāf گـ ـگـ ـگ g
ل lām لـ ـلـ ـل l
م mim مـ ـمـ ـم m
ن nun نـ ـنـ ـن n
و vāv ـو v, langes u oder ou
ه he هـ ـهـ ـه h, am Wortende teils e
ی ye یـ ـیـ ـی j wie in „ja“ oder langes i

Die Namen dienen vor allem dazu, über die Zeichen zu sprechen. Zum Lesen braucht man zusätzlich ihren Lautwert. Mehrere Buchstaben klingen im heutigen Persisch gleich: س، ص، ث stehen alle für /s/, während ز، ذ، ض، ظ denselben z-Laut bezeichnen. Diese Mehrfachschreibungen stammen überwiegend aus der Geschichte und aus arabischen Lehnwörtern. Man kann die richtige Wahl daher nicht immer am Klang erkennen, sondern lernt sie mit dem ganzen Wort.

Die vier zusätzlichen persischen Buchstaben

Gegenüber dem arabischen Grundalphabet besitzt Persisch vier zusätzliche Zeichen:

Buchstabe Laut Beispiel Bedeutung
پ p پدر Vater
چ tsch چای Tee
ژ stimmhaftes sch wie in „Garage“ ژاله Tau; auch ein Vorname
گ g گل Blume

Ihre Punkte sind entscheidend. ب hat einen Punkt unten, پ drei; ج hat einen Punkt unten, چ drei; ز hat einen Punkt, ژ drei; ک und گ unterscheiden sich durch den zusätzlichen Strich bei گ.

Buchstabenfamilien statt 32 Einzelbilder

Viele Zeichen teilen dieselbe Grundform und unterscheiden sich nur durch Punkte. Das macht das Lernen deutlich leichter:

  • ب پ ت ث bilden eine Familie;
  • ج چ ح خ bilden eine Familie;
  • د ذ, ر ز ژ, س ش, ص ض, ط ظ, ع غ und ف ق gehören jeweils eng zusammen.

Die Punkte gehören fest zum Buchstaben. Ihre Anzahl und Lage sind ebenso wichtig wie der Grundkörper. Beim Schreiben setzt man meist zuerst den verbundenen Grundzug und ergänzt danach die Punkte.

Vokale: fürs Erste das Wichtigste

Die Schrift ist ein Konsonantenalphabet mit Vokalzeichen: Vor allem die Konsonanten (Laute wie b, m oder sch) werden durch eigene Buchstaben dargestellt. Die langen Vokale nutzen ا، و، ی; kurze Vokale wie a, e und o bleiben gewöhnlich ungeschrieben. So steht من für man („ich“), obwohl zwischen م und ن kein eigener Buchstabe für a erscheint.

Ein besonderes Zeichen ist آ (ā). Es wird wie ein langes a gesprochen und gilt als Variante von ا, nicht als 33. Grundbuchstabe. Weitere Zeichen für Vokale und Aussprache werden im eigenen Thema zu Vokalen und Lesezeichen behandelt.

Beispiele im Kontext

Die Umschrift zeigt hier die Aussprache, nicht zusätzliche Buchstaben des persischen Wortes. Lies in der ersten Spalte jeweils vom rechten Rand aus.

Persisch Umschrift Deutsch Worauf du achten kannst
آب āb Wasser آ trägt langes ā; ب steht am Ende.
پدر pedar Vater Nach د kann ر nicht verbunden werden.
چای chāy Tee چ ist ein persischer Zusatzbuchstabe.
خانه khāne Haus خ klingt wie das ch in „Bach“; finales ه klingt hier e.
کتاب ketāb Buch Die kurzen Vokale e und a sind nicht ausgeschrieben.
گل gol Blume گ gibt den Laut g wieder.
دوست dust Freund, Freundin و steht hier für langes u und unterbricht die Verbindung.
زن zan Frau Nach ز beginnt ن sichtbar neu.
شب shab Nacht Die drei Punkte unterscheiden ش von س.
غذا ghazā Essen, Speise غ und ذ zeigen Laute, deren Schreibweise man mitlernen muss.
قهوه qahve Kaffee ق und و; das zweite ه steht am Wortende.
ایران Irān Iran ی gibt hier langes i wieder.
من فارسی می‌خوانم. man fārsi mikhānam. Ich lerne/lese Persisch. In می‌خوانم trennt ein Halbzwischenraum Vorsilbe und Verb, ohne ein normales Leerzeichen zu setzen.

Häufige Fehler

Von links nach rechts anfangen

  • Falsch: کتاب als Folge b–ā–t–k verfolgen.
  • Richtig: Rechts bei ک beginnen: ک + ت + ا + بketāb.
  • Warum: Die Schreibrichtung ist anders als im Deutschen. Zeige beim Üben mit dem Finger von rechts nach links, bis die Bewegung selbstverständlich wird.

Alle Buchstaben durchgehend verbinden

  • Falsch: Nach ا in باز eine Verbindung zu ز zeichnen.
  • Richtig: باز (bāz) mit einer sichtbaren Unterbrechung nach ا schreiben.
  • Warum: ا، د، ذ، ر، ز، ژ، و verbinden sich nicht mit dem links folgenden Buchstaben. Eine solche Lücke ist kein Wortabstand.

Positionsformen als neue Buchstaben lernen

  • Falsch: بـ und ـب für zwei verschiedene Buchstaben halten.
  • Richtig: Beide als ب (be) erkennen.
  • Warum: Der Grundbuchstabe bleibt gleich; nur seine Verbindung mit den Nachbarn verändert das Schriftbild.

Punkte nur ungefähr setzen

  • Falsch: بدر schreiben, wenn پدر („Vater“) gemeint ist.
  • Richtig: Bei پ drei Punkte unter den Grundkörper setzen.
  • Warum: Punkte unterscheiden eigenständige Buchstaben. Ein fehlender oder zusätzlicher Punkt kann das Wort verändern oder unlesbar machen.

Jeden Vokal als Buchstaben erwarten

  • Falsch: In من nach einem geschriebenen Zeichen für a suchen oder das Wort nur als mn lesen.
  • Richtig: من als man („ich“) als Ganzes lernen.
  • Warum: Kurze Vokale werden in gewöhnlichen persischen Texten meist ausgelassen. Deutsche Lesegewohnheiten helfen hier nur begrenzt.

Arabische und persische Zeichen am Computer mischen

  • Falsch: In persischen Texten wahllos arabisches ي oder ك verwenden.
  • Richtig: Für Persisch ی und ک tippen.
  • Warum: Die Zeichen sehen ähnlich aus, besitzen aber unterschiedliche Zeichencodes. Das kann Suche, Sortierung und automatische Textverarbeitung stören.

Hinweise zum Gebrauch

Gedruckte Lehrwerke und viele Bildschirmtexte verwenden eine klare, eher an der Druckschrift نسخ orientierte Form. Handschrift ist fließender: Manche Verbindungen werden stark verkürzt, und Punkte können erst nach einem ganzen Wort ergänzt werden. Lerne zuerst eine gut lesbare Standardform; persönliche Handschrift entwickelt sich danach.

Persische Texte setzen zwischen Wörtern normale Abstände. Innerhalb bestimmter Wörter und grammatischer Formen kommt außerdem ein Halbzwischenraum vor: Er verhindert eine Verbindung, hält die Bestandteile aber enger zusammen als ein normales Leerzeichen. Das sieht man etwa in می‌خوانم. Für A1 genügt es, dieses Zeichen wiederzuerkennen; seine genaue Verwendung folgt mit Wortbildung und Verben.

Die persische Tastatur ist der arabischen ähnlich, aber nicht identisch. Wer Persisch tippt, sollte deshalb ein persisches Tastaturlayout wählen. So entstehen automatisch die persischen Formen von ی und ک. Die Software erzeugt die Anfangs-, Mittel- und Endformen selbst; man tippt immer den Grundbuchstaben und muss keine Positionsform suchen.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Punkte musst du am Anfang noch nicht aktiv beherrschen. Sie erklären aber Schriftbilder, die dir später begegnen werden.

Zusätzliche Zeichen sind nicht automatisch zusätzliche Alphabetbuchstaben. Neben آ erscheinen unter anderem ء (Hamza), ؤ und ئ. Sie kommen vor allem in bestimmten Wörtern arabischer Herkunft und in Schreibungen mit aufeinanderfolgenden Vokalen vor. Auch die häufige Verbindung لا besteht schlicht aus ل + ا; eine Schriftart kann sie wie ein einziges Zeichen aussehen lassen.

Ein Laut kann mehrere historische Schreibweisen haben. Die gleich klingenden Reihen س/ص/ث und ز/ذ/ض/ظ bleiben in der Rechtschreibung getrennt. Auch ق und غ fallen in vielen heutigen iranischen Aussprachen weitgehend zusammen, obwohl sie verschieden geschrieben werden. Gute Rechtschreibung entsteht daher nicht allein durch Hören: Präge dir bei jedem neuen Wort sein Schriftbild ein.

Kalligrafische Schrift kann die Grundformen stark verändern. In نستعلیق (Nastaliq), einer für persische Dichtung und Kunst besonders wichtigen Schrift, verlaufen Wörter oft schräg und Buchstaben werden gedehnt oder übereinandergeschoben. شکسته‌نستعلیق ist noch stärker verbunden und für Anfänger schwerer zu entziffern. Das zugrunde liegende Alphabet bleibt dasselbe; nur die grafische Gestaltung ändert sich.

Persisch wird nicht überall völlig gleich ausgesprochen. Iranisches Persisch, Dari in Afghanistan und Tadschikisch teilen einen großen Teil ihres Sprachsystems, doch Aussprache und teilweise Schriftpraxis unterscheiden sich. Tadschikisch wird heute überwiegend kyrillisch geschrieben. Für den Einstieg ist die moderne iranisch-persische Standardaussprache eine sinnvolle Grundlage.

Übungstipps

  1. Lerne Formen in Familien. Schreibe etwa ب پ ت ث nebeneinander und sage bei jedem Zeichen Punktzahl und Punktlage laut. Danach übst du dieselbe Familie in Anfangs- und Endform. Das spart mehr Zeit, als 32 isolierte Bilder auswendig zu lernen.
  2. Markiere die sieben Verbindungsstopper. Nimm kurze Wörter wie پدر، باز، دوست und zeichne nach jedem ا، د، ذ، ر، ز، ژ، و einen kleinen Strich unter die sichtbare Unterbrechung. Lies anschließend dasselbe Wort ohne Markierung.
  3. Verbinde Lesen und Schreiben. Wähle täglich fünf vertraute Wörter, sprich sie, zerlege sie in Buchstaben und schreibe sie von rechts nach links. Prüfe nicht nur die Grundzeichen, sondern auch Punkte, Lücken und Endformen.

Verwandte Konzepte

  • Nächster Schritt: Vokale und Lesezeichen — erklärt kurze und lange Vokale sowie die Zeichen, die in Lerntexten die Aussprache sichtbar machen.
  • Später zur Vertiefung: Schriftstile und Kalligrafie — zeigt, wie dieselben Buchstaben in Nastaliq, Druckschrift und kursiven Stilen aussehen.

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