B2

Konditionalsätze im Dänischen

Konditionalsætninger

Dieser Artikel ist Teil des Dänisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Dänische Konditionalsätze unterscheiden vor allem drei Muster: hvis + Präsens für offene oder reale Bedingungen, hvis + Präteritum für hypothetische Gegenwart und hvis + Vorvergangenheit für nicht mehr erfüllbare Bedingungen in der Vergangenheit. Im Hauptsatz stehen häufig ville + Infinitiv beziehungsweise ville have/være + Partizip: Hvis jeg havde tid, ville jeg hjælpe („Wenn ich Zeit hätte, würde ich helfen“).

Überblick

Ein Konditionalsatz nennt eine Bedingung und beschreibt, was bei ihrer Erfüllung geschieht oder geschehen würde. Im Dänischen leitet meist hvis („wenn/falls“) den Bedingungssatz ein. Die beiden Teile heißen Bedingungssatz und Folgesatz. Der Bedingungssatz ist ein Nebensatz, also ein Satzteil, der nicht allein die ganze Aussage trägt; der Folgesatz ist gewöhnlich ein Hauptsatz.

Auf B2-Niveau geht es nicht nur um wahrscheinliche Zukunftspläne, sondern auch um gedankliche, unwahrscheinliche oder bereits unmöglich gewordene Situationen. Entscheidend ist dabei die Zeitform: Das Präteritum (die einfache Vergangenheitsform) kann im Dänischen zeitliche Entfernung ausdrücken, aber auch Abstand zur Wirklichkeit. Die Vorvergangenheit bezeichnet etwas, das schon vor einem Zeitpunkt in der Vergangenheit abgeschlossen war; in irrealen Bedingungen zeigt sie, dass die Gelegenheit vorbei ist.

Für deutschsprachige Lernende wirkt das Grundprinzip vertraut: Hvis jeg havde penge entspricht „Wenn ich Geld hätte“. Anders als im Deutschen gibt es im Dänischen dafür jedoch keine eigene Formenreihe wie „hätte, wäre, käme“. Oft sieht die Verbform genauso aus wie eine normale Vergangenheitsform. Erst der Zusammenhang und der Folgesatz mit ville machen die hypothetische Bedeutung deutlich.

So funktioniert es

Die drei Grundmuster

Bedeutung Bedingungssatz Typischer Folgesatz Beispiel
offen, real oder wahrscheinlich hvis + Präsens Präsens, Modalverb oder Zukunftsbedeutung Hvis du kommer, bliver jeg glad.
hypothetisch in Gegenwart oder Zukunft hvis + Präteritum ville + Infinitiv Hvis jeg havde tid, ville jeg hjælpe.
irreal in der Vergangenheit hvis + Vorvergangenheit ville have/være + Partizip Hvis jeg havde vidst det, ville jeg være kommet.

Ein Infinitiv ist die Grundform des Verbs, etwa hjælpe („helfen“). Ein Partizip ist hier die Form, die auch in zusammengesetzten Vergangenheitszeiten vorkommt, etwa hjulpet („geholfen“) oder kommet („gekommen“).

1. Offene und reale Bedingungen

Steht die Bedingung noch offen oder ist sie gut möglich, verwendet das Dänische meist das Präsens in beiden Satzteilen:

hvis + Präsens, Präsens

  • Hvis du kommer, bliver jeg glad. – „Wenn du kommst, freue ich mich.“
  • Hvis det regner, tager vi bussen. – „Wenn es regnet, nehmen wir den Bus.“

Wie im Deutschen kann eine Präsensform auf die Zukunft verweisen. Man braucht daher nicht automatisch vil im Folgesatz. Vi tager bussen kann je nach Zusammenhang „wir nehmen den Bus“ oder „wir werden den Bus nehmen“ bedeuten.

Im Folgesatz sind außerdem Modalverben und Aufforderungen möglich:

  • Hvis du er træt, kan du gå hjem. – „Wenn du müde bist, kannst du nach Hause gehen.“
  • Hvis du ser Maja, så hils hende fra mig. – „Wenn du Maja siehst, grüß sie von mir.“

Das kleine („dann“) kann die Folge deutlich markieren, ist aber nicht zwingend. Besonders in längeren Sätzen hilft es beim Verstehen.

2. Hypothetische Gegenwart oder Zukunft

Ist die Situation nur vorgestellt, wenig wahrscheinlich oder im Moment nicht wirklich gegeben, steht im Bedingungssatz das Präteritum:

hvis + Präteritum, ville + Infinitiv

  • Hvis jeg havde penge, ville jeg rejse. – „Wenn ich Geld hätte, würde ich reisen.“
  • Hvis hun boede tættere på, ville vi ses oftere. – „Wenn sie näher wohnen würde, würden wir uns öfter sehen.“

Die Form havde bedeutet isoliert zunächst „hatte“. In diesem Muster entspricht sie aber häufig dem deutschen „hätte“. Dänisch bildet also keinen besonderen Konjunktiv (eine Verbform für Vorgestelltes oder Nichtwirkliches). Der Vergangenheitsform kommt diese zusätzliche Aufgabe zu.

Ville ist das Präteritum von vil, wird hier aber als Hilfsverb der hypothetischen Folge verwendet. Das folgende Vollverb bleibt im Infinitiv: ville rejse, ville købe, ville hjælpe. Diese Struktur sollte als Einheit gelernt werden.

3. Irreale Vergangenheit

Bezieht sich die Bedingung auf eine vergangene Gelegenheit, die nicht eingetreten ist, braucht der Bedingungssatz die Vorvergangenheit:

hvis + havde/var + Partizip, ville have/være + Partizip

  • Hvis jeg havde vidst det, ville jeg være kommet. – „Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich gekommen.“
  • Hvis vi var taget af sted tidligere, ville vi have nået toget. – „Wenn wir früher losgefahren wären, hätten wir den Zug erreicht.“

Die meisten Verben bilden die zusammengesetzte Vergangenheit mit have: havde set, havde glemt, havde købt. Einige Verben der Bewegung oder Zustandsänderung können være verwenden: var kommet, var taget af sted. Dasselbe gilt für den Folgesatz: meist ville have gjort, bei passenden Verben aber etwa ville være kommet.

Der Sinn ist stets rückblickend: Die Bedingung wurde nicht erfüllt, deshalb trat auch die genannte Folge nicht ein. Oft schwingen Bedauern, Kritik oder eine nachträgliche Erklärung mit.

Wortstellung

Im mit hvis eingeleiteten Nebensatz steht ein Satzadverb wie ikke („nicht“) vor dem finiten Verb, also vor dem Verb, das Person und Zeit trägt:

  • hvis du ikke kommer
  • hvis jeg ikke havde set beskeden

Das ist ein wichtiger Unterschied zum Hauptsatz: Du kommer ikke, aber hvis du ikke kommer.

Steht der Bedingungssatz zuerst, besetzt er das erste Satzfeld. Danach folgt im Hauptsatz das finite Verb vor dem Subjekt:

  • Hvis du kommer, bliver jeg glad.
  • Hvis jeg havde mere tid, ville jeg lære islandsk.

Die Reihenfolge kann auch umgedreht werden. Dann bleibt der Folgesatz ein gewöhnlicher Hauptsatz:

  • Jeg bliver glad, hvis du kommer.
  • Jeg ville lære islandsk, hvis jeg havde mere tid.

Vor dem Nebensatz ist im Dänischen je nach gewähltem Kommasystem ein Komma möglich. Für das Lernen der Struktur ist die Wortstellung wichtiger als die Entscheidung zwischen den in Dänemark gebräuchlichen Kommaprinzipien.

Beispiele im Zusammenhang

Dänisch Deutsch Hinweis
Hvis du kommer, bliver jeg glad. Wenn du kommst, freue ich mich. Offene, realistische Bedingung
Hvis vejret er godt i morgen, spiser vi udenfor. Wenn das Wetter morgen gut ist, essen wir draußen. Präsens mit Zukunftsbedeutung
Hvis du ikke kan finde adressen, så ring til mig. Falls du die Adresse nicht findest, ruf mich an. Aufforderung im Folgesatz
Du kan låne min cykel, hvis du afleverer den i aften. Du kannst mein Fahrrad ausleihen, wenn du es heute Abend zurückbringst. Bedingungssatz an zweiter Stelle
Hvis jeg havde penge, ville jeg rejse. Wenn ich Geld hätte, würde ich reisen. Hypothetische Gegenwart
Hvis jeg kendte svaret, ville jeg fortælle dig det. Wenn ich die Antwort wüsste, würde ich sie dir sagen. Präteritum als Abstand zur Wirklichkeit
Vi ville besøge jer oftere, hvis I boede tættere på. Wir würden euch öfter besuchen, wenn ihr näher wohnen würdet. Folgesatz zuerst
Hvis hun fik jobbet, ville hun flytte til Aarhus. Wenn sie die Stelle bekäme, würde sie nach Aarhus ziehen. Vorgestellte Zukunft
Hvis jeg havde vidst det, ville jeg være kommet. Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich gekommen. Irreale Vergangenheit
Hvis de havde bestilt bord, ville de have fået en plads. Wenn sie einen Tisch reserviert hätten, hätten sie einen Platz bekommen. In beiden Teilen zusammengesetzte Form
Vi ville ikke være faret vild, hvis vi havde fulgt kortet. Wir hätten uns nicht verirrt, wenn wir der Karte gefolgt wären. Verneinung im Folgesatz
Havde jeg tid, ville jeg hjælpe. Hätte ich Zeit, würde ich helfen. Bedingung ohne hvis
Havde du ringet, var jeg kommet med det samme. Hättest du angerufen, wäre ich sofort gekommen. Verkürzte, eher schriftsprachliche Form

Häufige Fehler

Die deutsche Konjunktivform wörtlich nachbilden

  • Falsch: Hvis jeg hætte penge, ville jeg rejse.
  • Richtig: Hvis jeg havde penge, ville jeg rejse.
  • Warum: Das deutsche „hätte“ hat im Dänischen keine eigene Entsprechung. Man verwendet die normale Präteritumsform havde.

In einer hypothetischen Bedingung das Präsens stehen lassen

  • Falsch: Hvis jeg har mere tid, ville jeg lære dansk.
  • Richtig: Hvis jeg havde mere tid, ville jeg lære dansk.
  • Warum: Wenn gemeint ist, dass die Zeit gerade nicht vorhanden ist, markiert das Präteritum die Distanz zur Wirklichkeit. Hvis jeg har mere tid passt dagegen zu einer offenen Möglichkeit und würde natürlich etwa mit lærer jeg mere dansk oder vil jeg lære mere dansk weitergeführt.

Eine vergangene irreale Bedingung nur ins Präteritum setzen

  • Falsch: Hvis jeg vidste det i går, ville jeg være kommet.
  • Richtig: Hvis jeg havde vidst det i går, ville jeg være kommet.
  • Warum: Die Gelegenheit ist vorbei. Deshalb steht im Bedingungssatz havde + Partizip, nicht nur das Präteritum.

Das Vollverb nach ville beugen

  • Falsch: Jeg ville rejste mere.
  • Richtig: Jeg ville rejse mere.
  • Warum: Nach ville folgt der Infinitiv ohne at: ville rejse, nicht ville at rejse und nicht ville rejste.

Ville ohne Bedeutungsgrund in den Bedingungssatz setzen

  • Unpassend für die neutrale Hypothese: Hvis jeg ville have penge, ville jeg rejse.
  • Richtig: Hvis jeg havde penge, ville jeg rejse.
  • Warum: Im neutralen Bedingungssatz steht normalerweise das Präteritum des Vollverbs. Hvis jeg ville ... kann einen eigenen Willen, eine Bereitschaft oder einen Wunsch ausdrücken und bedeutet daher etwas anderes.

Die Nebensatzstellung bei ikke vergessen

  • Falsch: Hvis du kommer ikke, tager vi af sted uden dig.
  • Richtig: Hvis du ikke kommer, tager vi af sted uden dig.
  • Warum: Im dänischen Nebensatz steht ikke vor dem finiten Verb.

Hinweise zum Gebrauch

Hvis deckt sowohl deutsches „wenn“ als auch „falls“ ab. Ob die Bedingung als wahrscheinlich oder nur als Möglichkeit dargestellt wird, ergibt sich vor allem aus Zeitform und Kontext. Für regelmäßige Zusammenhänge kann ebenfalls hvis stehen: Hvis man varmer is, smelter den („Wenn man Eis erwärmt, schmilzt es“).

Når bedeutet ebenfalls oft „wenn“, ist aber keine völlig freie Alternative. Es wird besonders bei wiederholten Situationen oder bei einem zukünftigen Ereignis verwendet, dessen Eintreten vorausgesetzt wird: Når du kommer hjem, spiser vi („Wenn du nach Hause kommst, essen wir“). Hvis du kommer hjem tidligt („Falls du früh nach Hause kommst“) lässt dagegen offen, ob es geschieht.

Für „wenn nicht/außer wenn“ gibt es medmindre („es sei denn/sofern nicht“): Vi går en tur, medmindre det regner („Wir gehen spazieren, es sei denn, es regnet“). Weil medmindre die Verneinung bereits enthält, setzt man normalerweise kein zusätzliches ikke, wenn genau diese Bedeutung gemeint ist.

Im Alltag werden reale Bedingungen sehr häufig ohne besondere Zukunftsform formuliert. Vil kann im Folgesatz trotzdem vorkommen, wenn Zukunft, Absicht oder Vorhersage hervorgehoben werden soll: Hvis prisen stiger, vil færre købe den. Ville gehört dagegen zum typischen hypothetischen Muster oder hat seine selbstständige Bedeutung „wollte“.

Über die Grundmuster hinaus

Bedingung ohne hvis

Vor allem in knapper, formeller oder schriftsprachlicher Ausdrucksweise kann hvis entfallen. Dann rückt das finite Verb vor das Subjekt:

  • Havde jeg tid, ville jeg hjælpe.
  • Var vi kommet tidligere, havde vi set begyndelsen.
  • Skulle der opstå problemer, kontakt receptionen.

Das ähnelt dem Deutschen: „Hätte ich Zeit …“, „Sollten Probleme auftreten …“. Solche Sätze sind korrekt, wirken aber oft gehobener oder kompakter als die Variante mit hvis.

Gemischte Zeitbezüge

Nicht jede Bedingung und ihre Folge liegen in derselben Zeit. Bei gemischten Konditionalsätzen verbindet man die Formen nach der tatsächlichen Bedeutung:

  • Hvis jeg havde lært dansk som barn, ville jeg tale det flydende nu. – Eine nicht erfüllte Bedingung in der Vergangenheit hat eine Folge in der Gegenwart.
  • Hvis jeg ikke var så forsigtig, ville jeg have sagt ja i går. – Eine gegenwärtige Eigenschaft erklärt eine ausgebliebene Handlung in der Vergangenheit.

Man sollte also nicht mechanisch zwei identische Zeitstufen einsetzen. Zuerst ist zu klären: Wann liegt die Bedingung, und wann liegt ihre Folge?

Ville im hvis-Satz

Die Faustregel „kein ville nach hvis“ schützt vor vielen Fehlern, ist aber nicht absolut. Ville ist möglich, wenn wirklich Bereitschaft, Wunsch oder höfliches Entgegenkommen gemeint ist:

  • Hvis du ville hjælpe mig, ville jeg være taknemmelig. – „Wenn du bereit wärst, mir zu helfen, wäre ich dankbar.“
  • Hvis du ville vente et øjeblik, finder jeg dokumentet. – höfliche Bitte

Hier ersetzt ville nicht einfach das Präteritum; es trägt eine eigene Bedeutung. Für eine neutrale Bedingung bleibt Hvis du hjalp mig ... die klarere Form.

Andere modale Folgen

Der Folgesatz muss nicht immer ville enthalten. Je nach Aussage passen kunne („könnte“), burde („sollte“) oder skulle („sollte/müsste“):

  • Hvis vi havde en bil, kunne vi besøge dem oftere.
  • Hvis du er syg, bør du blive hjemme.

Damit verändert sich die Aussage: Es geht dann nicht bloß um eine gedachte Folge, sondern um Möglichkeit, Rat oder Verpflichtung.

Übungstipps

  1. Bilde Dreiergruppen. Nimm eine Situation und formuliere sie real, hypothetisch und rückblickend: Hvis jeg har tid ..., Hvis jeg havde tid ..., Hvis jeg havde haft tid .... So wird der Bedeutungsunterschied hörbar.
  2. Markiere die beiden Zeitpunkte. Schreibe bei längeren Sätzen über jeden Teilsatz „Gegenwart“, „Zukunft“ oder „Vergangenheit“. Wähle erst danach zwischen Präsens, Präteritum und Vorvergangenheit.
  3. Trainiere die Wortstellung getrennt. Verwandle Du kommer ikke in hvis du ikke kommer und stelle anschließend den ganzen Bedingungssatz nach vorn: Hvis du ikke kommer, tager vi bussen. Achte dabei auf ikke im Nebensatz und die Umstellung tager vi im Hauptsatz.

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