B1

Possessivprädikate und Zugehörigkeit im Māori

Kupu Whakapapa Loina

Dieser Artikel ist Teil des Māori-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Mit nā/nō + zugehörige Person sagt man, wem etwas gehört oder zugeordnet ist: Nāku tēnei pukapuka „Dieses Buch ist meins“, Nōku tēnei whare „Dieses Haus ist meins“. Nā gehört zur A-Kategorie, nō zur O-Kategorie; gefragt wird entsprechend mit Nā wai? oder Nō wai? Die Person, der etwas zugeordnet wird, steht dabei vor der bezeichneten Sache.

Überblick

Ein Prädikat ist der Teil einer Aussage, der mitteilt, was über jemanden oder etwas gilt. In einem Satz wie „Dieses Buch ist meins“ bildet „ist meins“ das Prädikat. Māori benötigt hier kein Verb, das dem deutschen „sein“ entspricht. Stattdessen kann eine Besitz- oder Zugehörigkeitsform am Satzanfang stehen: Nāku tēnei pukapuka.

Solche Sätze werden auf B1 wichtig, weil sie mehr leisten als die Wortgruppen tāku pukapuka „mein Buch“ und tōku whare „mein Haus“. Mit nāku oder nōku wird gerade die zugehörige Person hervorgehoben: Das Buch ist meins, das Haus gehört mir. Das Muster eignet sich deshalb zum Zuordnen, Identifizieren, Nachfragen und Gegenüberstellen.

Die bereits bekannte Unterscheidung zwischen A und O bleibt erhalten. Vereinfacht bezeichnet A oft Beziehungen zu etwas, das jemand hervorbringt, erwirbt oder beeinflusst; O steht häufig bei Vorgegebenem, Ererbtem, körpernah Zugeordnetem oder etwas, das eine Person umgibt beziehungsweise trägt. Diese Merkhilfe ist nützlich, aber nicht lückenlos. Häufige Verbindungen sollten als Ganzes gelernt werden.

So funktioniert es

Das Grundmuster

Der einfache Bauplan lautet:

Stelle Form Aufgabe
1 nā oder nō + zugehörige Person nennt Kategorie und Person
2 tēnei pukapuka, te whakaaro, ngā kākahu usw. nennt die zugeordnete Sache

Daraus entstehen zum Beispiel:

  • Nāku + tēnei pukapuka → Nāku tēnei pukapuka. „Dieses Buch ist meins.“
  • Nōku + tēnei whare → Nōku tēnei whare. „Dieses Haus ist meins.“
  • Nā te kaiako + te whakaaro → Nā te kaiako te whakaaro. „Der Gedanke stammt von der Lehrkraft.“

Der zweite Teil ist eine Nominalgruppe (eine Wortgruppe mit einem Substantiv, also einem Wort für eine Person, Sache, einen Ort oder einen Begriff). Sie kann mit einem Artikel oder einem Demonstrativ beginnen:

Zuordnungsform Zugeordnete Sache Gesamtsatz
nāku te pukapuka „das Buch“ Nāku te pukapuka.
nāku tēnei pukapuka „dieses Buch“ Nāku tēnei pukapuka.
nāku ngā pukapuka „die Bücher“ Nāku ngā pukapuka.
nāku ēnei pukapuka „diese Bücher“ Nāku ēnei pukapuka.

Wichtig: nāku verändert sich nicht danach, ob ein Buch oder mehrere Bücher gemeint sind. Die Zahl wird im zweiten Teil durch te/ngā oder tēnei/ēnei sichtbar.

A-Kategorie mit nā

Nā entspricht der A-Kategorie, die aus Formen wie tāku pukapuka und āku pukapuka bekannt ist. Typische Beziehungen betreffen etwas Hervorgebrachtes, Geschaffenes oder aktiv Erworbenes:

  • Nāku tēnei pukapuka. — Dieses Buch ist meins.
  • Nā te kaiako te whakaaro. — Der Gedanke stammt von der Lehrkraft.
  • Nā Rangi te waiata. — Das Lied ist von Rangi.
  • Nā rāua ngā tamariki. — Die Kinder sind die Kinder der beiden.

Bei Gedanken, Liedern oder Arbeiten kann die deutsche Übersetzung „gehört“ zu eng sein. Häufig geht es um Urheberschaft, also darum, wer etwas geschaffen oder hervorgebracht hat.

O-Kategorie mit nō

Nō entspricht der O-Kategorie, bekannt aus tōku whare und ōku kākahu. Dazu gehören häufig Häuser und Unterkünfte, Kleidung, Körperteile, Herkunftsbeziehungen und andere als gegeben oder eng verbunden dargestellte Verhältnisse:

  • Nōku tēnei whare. — Dieses Haus gehört mir.
  • Nō Mere ngā kākahu. — Die Kleidung gehört Mere.
  • Nō tēnei whānau te whenua. — Das Land gehört zu dieser Familie.

A und O geben nicht den „Grad“ des Eigentums an. Ein O-Verhältnis ist nicht schwächer als ein A-Verhältnis. Die Form ordnet vielmehr die Art der Beziehung ein.

Die kompakten Personenformen

Bei einer einzelnen Person gibt es drei sehr häufige verschmolzene Formen:

Zugehörige Person A-Kategorie O-Kategorie Deutsche Grundbedeutung
ich nāku nōku von mir, meins
du nāu nōu von dir, deins
er oder sie nāna nōna von ihm oder ihr, seins oder ihres

Māori unterscheidet bei nāna/nōna nicht zwischen „ihm“ und „ihr“. Der Zusammenhang zeigt, welche Person gemeint ist. Die Längenzeichen sind Bestandteil der Form: nā, nō, nāku, nōku sollten nicht ohne tohutō (Längenzeichen über dem Vokal) geschrieben werden.

Bei Namen, Substantiven und den übrigen Pronomen bleiben nā und nō getrennt:

Person oder Gruppe A-Kategorie O-Kategorie
Mere nā Mere nō Mere
die Lehrkraft nā te kaiako nō te kaiako
wir beide, du eingeschlossen nā tāua nō tāua
wir beide, du ausgeschlossen nā māua nō māua
wir, mindestens drei, du eingeschlossen nā tātou nō tātou
wir, mindestens drei, du ausgeschlossen nā mātou nō mātou
ihr, mindestens drei nā koutou nō koutou
sie, mindestens drei nā rātou nō rātou

Das deutsche „unser“ lässt offen, ob die angesprochene Person dazugehört und ob genau zwei oder mehr Menschen gemeint sind. Māori macht beides sichtbar. Nā tāua tēnei mahi ordnet die Arbeit „uns beiden, dir und mir“ zu; nā māua schließt die angesprochene Person aus.

Nach der zugehörigen Person fragen

Wai bedeutet in dieser Verbindung „wer“. Die Kategorie der erwarteten Beziehung bestimmt die Frage:

  • Nā wai tēnei? — Wem gehört das hier? / Von wem ist das hier? (A)
  • Nō wai tēnei whare? — Wem gehört dieses Haus? (O)
  • Nā wai te whakaaro? — Von wem stammt der Gedanke? (A)
  • Nō wai ngā kākahu? — Wem gehört die Kleidung? (O)

Die Antwort übernimmt gewöhnlich dieselbe Kategorie:

  • Nā wai tēnei pukapuka? — Nāku.
  • „Wem gehört dieses Buch? — Mir.“

Wer die Kategorie noch nicht kennt, muss sie also nicht nur in der Antwort, sondern schon in der Frage wählen. Bei vertrauten Wortgruppen ist das unkompliziert: whare steht in dieser Beziehung gewöhnlich mit O, ein hervorgebrachter whakaaro mit A.

Drei ähnliche, aber verschiedene Muster

Deutsch kann alle folgenden Sätze ähnlich wiedergeben. Im Māori setzen sie jedoch einen anderen Schwerpunkt:

Māori-Muster Beispiel Natürliche deutsche Wiedergabe Schwerpunkt
Possessivform vor dem Substantiv tāku pukapuka mein Buch benennt ein Buch innerhalb einer Wortgruppe
Gleichsetzung mit Possessivgruppe Ko tāku pukapuka tēnei. Das hier ist mein Buch. identifiziert den gezeigten Gegenstand
Possessivprädikat Nāku tēnei pukapuka. Dieses Buch ist meins. ordnet das Buch ausdrücklich mir zu
unbestimmter Besitz He pukapuka tāku. Ich habe ein Buch. führt ein nicht näher bestimmtes Buch ein

Für die deutsche Gewohnheit ist besonders der letzte Gegensatz wichtig. „Ich habe ein Buch“ und „Das Buch ist meins“ sind auch im Deutschen nicht dasselbe. Im Māori wird dieser Unterschied durch deutlich verschiedene Satzmuster ausgedrückt.

Beispiele im Kontext

Māori Deutsch Hinweis
Nāku tēnei pukapuka. Dieses Buch ist meins. A-Kategorie; ein bestimmtes Buch
Nāku ēnei pukapuka. Diese Bücher sind meine. nāku bleibt gleich; ēnei zeigt die Mehrzahl
Nōku tēnei whare. Dieses Haus gehört mir. Haus als O-Beziehung
Nā wai tēnei? Wem gehört das hier? allgemeine A-Frage
Nō wai tēnei whare? Wem gehört dieses Haus? Frage mit O wegen whare
Nā te kaiako te whakaaro. Der Gedanke stammt von der Lehrkraft. A als Urheberschaft
Nā Rangi te waiata hou. Das neue Lied ist von Rangi. Rangi hat es hervorgebracht
Nō Mere ngā kākahu nei. Diese Kleidung gehört Mere. Kleidung steht gewöhnlich mit O
Nāu te mahi nei. Diese Arbeit ist von dir. Zuordnung zu „du“
Nōna te motokā whero. Das rote Auto gehört ihm oder ihr. O-Beziehung; Geschlecht bleibt offen
Nā tāua tēnei mahi. Diese Arbeit ist von uns beiden, dir und mir. Zweizahl, einschließlich der angesprochenen Person
Nā māua tēnei mahi. Diese Arbeit ist von uns beiden, aber nicht von dir. Zweizahl, ausschließlich
Nō rātou te whare nui. Das große Haus gehört ihnen. mindestens drei zugehörige Personen
Nā wai ngā tamariki? — Nā rāua. Wessen Kinder sind das? — Die der beiden. A aus Sicht der Eltern

Häufige Fehler

Nā und nō ohne Rücksicht auf die Beziehung vertauschen

  • Nicht passend: Nāku tēnei whare. für das eigene Haus im üblichen Zugehörigkeitsverhältnis
  • Passend: Nōku tēnei whare.
  • Warum: Häuser und Unterkünfte werden gewöhnlich der O-Kategorie zugeordnet. Das deutsche „mein“ hilft bei dieser Entscheidung nicht.

Die attributive Form unverändert als Prädikat verwenden

  • Falsch: Tāku tēnei pukapuka.
  • Richtig: Nāku tēnei pukapuka.
  • Warum: tāku begleitet normalerweise ein Substantiv, etwa in tāku pukapuka. Für die ausdrückliche Aussage „Das Buch ist meins“ steht hier nāku.

Vor das Grundmuster zusätzlich ko setzen

  • Falsch: Ko nāku tēnei pukapuka.
  • Richtig: Nāku tēnei pukapuka.
  • Warum: Das Possessivprädikat beginnt bereits mit nāku. Das Gleichsetzungsmuster mit ko ist anders gebaut: Ko tāku pukapuka tēnei.

Die Mehrzahl an nāku/nōku markieren wollen

  • Falsch: eine neue Form für „meine“ suchen, nur weil mehrere Bücher gemeint sind
  • Richtig: Nāku ngā pukapuka oder Nāku ēnei pukapuka.
  • Warum: Anders als tāku/āku zeigt nāku nicht die Zahl der zugeordneten Dinge. Diese steht im nachfolgenden Ausdruck.

Inklusive und exklusive „Wir“-Formen verwechseln

  • Nicht passend: Nā mātou tēnei mahi, wenn die angesprochene Person zur Gruppe gehört
  • Passend: Nā tātou tēnei mahi für mindestens drei Personen einschließlich des Gegenübers
  • Warum: mātou schließt die angesprochene Person aus, tātou schließt sie ein. Für genau zwei gelten entsprechend māua und tāua.

Nā wai? als einzige Frageform auswendig lernen

  • Nicht passend: Nā wai tēnei whare? im gewöhnlichen O-Verhältnis zu einem Haus
  • Passend: Nō wai tēnei whare?
  • Warum: Auch das Fragewort folgt der A-/O-Kategorie. Lerne deshalb beide Fragen als Paar: Nā wai? — Nō wai?

Hinweise zum Gebrauch

Possessivprädikate heben die Zuordnung hervor. Sie passen besonders gut, wenn mehrere mögliche Personen im Raum stehen, ein Gegenstand zurückgegeben werden soll oder nach Urheberschaft gefragt wird. Eine kurze Antwort wie Nāku kann daher je nach Situation „meins“, „von mir“ oder „ich war es“ bedeuten. Die deutsche Übersetzung richtet sich nach dem Zusammenhang, nicht nach einem einzigen festen Wort.

Bei Werken, Ideen und Handlungen liegt Besitz im deutschen Sinn oft gar nicht im Mittelpunkt. Nā te kaiako te whakaaro weist die Idee der Lehrkraft als Urheberin oder Urheber zu. Ebenso kann Nā Rangi te waiata heißen, dass das Lied von Rangi stammt. Eine Wiedergabe mit „gehören“ wäre hier missverständlich.

Die A-/O-Wahl ist ein Beziehungssystem, keine Liste unveränderlicher Eigenschaften von Dingen. Häufige Standardverbindungen sind verlässlich lernbar, doch Perspektive und örtlicher Sprachgebrauch können die Einordnung beeinflussen. Besonders bei kulturell wichtigen Beziehungen, Land und Verwandtschaft sollte eine grobe Formel wie „kontrollierbar oder nicht kontrollierbar“ nicht als vollständige Erklärung behandelt werden.

Über die Grundlagen hinaus

Nā/nō und mā/mō

Neben nā/nō gibt es die parallelen Formen mā/mō. Sie weisen häufig auf etwas Vorgesehenes, Zukünftiges oder einer Person Zuzuteilendes:

  • Nāku tēnei pukapuka. — Dieses Buch ist meins / stammt von mir.
  • Māku tēnei pukapuka. — Dieses Buch ist für mich / soll mir zufallen.
  • Nōku tēnei whare. — Dieses Haus gehört mir.
  • Mōku tēnei rūma. — Dieses Zimmer ist für mich vorgesehen.

Die A-/O-Unterscheidung bleibt bestehen: mā gehört zur A-Seite, mō zur O-Seite. Man sollte māku aber nicht einfach als „Zukunft von nāku“ behandeln. Je nach Zusammenhang geht es um Bestimmung, Nutzen, Verantwortung oder eine noch nicht verwirklichte Zuordnung.

Besitz und Handelnder können sich berühren

Nā kann in anderen Satzmustern auch die handelnde oder verursachende Person hervorheben. Deshalb ist Nāku nicht in jedem Zusammenhang bloß „meins“. Vergleiche:

  • Nāku tēnei pukapuka. — Dieses Buch ist meins / dieses Buch ist von mir.
  • Nāku i tuhi te reta. — Ich war es, der den Brief schrieb.

Im zweiten Satz folgt mit i tuhi eine Verbalgruppe, also ein Ausdruck mit einer Handlung. Dadurch wird nāku als hervorgehobener Handelnder verstanden. Im ersten Satz folgt dagegen die bezeichnete Sache unmittelbar, sodass die Besitz- oder Zuordnungslesart naheliegt. Fortgeschrittene Lernende sollten daher immer auf den ganzen Satzbau achten.

Kategorie als Perspektive

Die Wahl von A oder O kann zeigen, wie eine Beziehung aufgefasst wird. Das betrifft besonders Beziehungen zwischen Menschen, Werke, Aufgaben und gemeinschaftlich Zugeordnetes. Es genügt langfristig nicht, isolierte deutsche Übersetzungen zu sammeln. Aussagekräftiger sind vollständige Paare wie tāku pukapuka → Nāku tēnei pukapuka und tōku whare → Nōku tēnei whare. So bleibt dieselbe Kategorie über verschiedene Satzmuster hinweg sichtbar.

Übungstipps

  1. Bilde Umformungspaare. Mache aus tāku pukapuka den Satz Nāku tēnei pukapuka und aus tōku whare den Satz Nōku tēnei whare. Übe A und O immer parallel.
  2. Spiele Fundbüro. Lege fünf Gegenstände oder Bilder hin und frage abwechselnd Nā wai tēnei? und Nō wai tēnei?. Antworte kurz mit nāku, nāu, nāna beziehungsweise nōku, nōu, nōna.
  3. Trenne Person und Zahl. Halte nāku fest und wechsle nur tēnei pukapuka, ēnei pukapuka, te whakaaro, ngā pukapuka. Wechsle danach bei derselben Sache zwischen nāku, nā tāua, nā māua und nā rātou. So wird klar, welcher Satzteil welche Information trägt.

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