Ortsadverbien im Deutschen
Ortsadverbien
Dieser Artikel ist Teil des Deutsch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Ortsadverbien geben ohne ein nachfolgendes Substantiv an, wo etwas ist: hier, dort, oben, unten, links, rechts, vorne, hinten, draußen, drinnen. Sie verändern ihre Form nicht. Für eine Richtung stehen häufig Verbindungen wie nach links, nach oben oder später auch Formen wie dorthin und hierher.
Überblick
Ortsadverbien sind Wörter, die einen Ort, eine Lage oder eine räumliche Richtung beschreiben. Ein Adverb ist ein unveränderliches Wort: Es bekommt also keine Endung für Geschlecht, Zahl oder Fall. In Das Bad ist oben und Die Zimmer sind oben bleibt oben genau gleich. Anders als eine Präposition steht ein Ortsadverb selbstständig; nach in, auf oder neben folgt dagegen normalerweise eine Ergänzung wie in der Küche oder neben dem Fenster.
Diese Wörter gehören zum Grundwortschatz auf Niveau A1. Man braucht sie beim Fragen nach einem Gegenstand, bei Wegbeschreibungen, in Gebäuden und in einfachen Alltagssituationen: Wo ist der Ausgang? — Dort hinten. Schon mit wenigen Ortsadverbien kann man sehr genaue Hinweise geben.
Der wichtigste erste Schritt ist die Unterscheidung zwischen Ort und Richtung. Das Bild hängt links beschreibt eine Position. Geh nach links beschreibt eine Bewegung mit einem Ziel. Später kommen feinere Richtungsformen wie hinein, hinaus, herauf oder hinunter hinzu; für den Anfang reichen meist die einfachen Ortswörter und Verbindungen mit nach.
So funktioniert es
Die wichtigsten Ortsadverbien
| Ortsadverb | Grundbedeutung | Typische Frage | Beispiel |
|---|---|---|---|
| hier | an diesem Ort, bei der sprechenden Person | wo? | Ich warte hier. |
| dort | an einem anderen oder gezeigten Ort | wo? | Dort ist die Haltestelle. |
| da | an einem aus dem Zusammenhang bekannten Ort | wo? | Da liegt dein Schlüssel. |
| oben | an einer höheren Stelle | wo? | Das Büro ist oben. |
| unten | an einer tieferen Stelle | wo? | Unten wartet ein Taxi. |
| links | auf der linken Seite | wo? | Links ist die Küche. |
| rechts | auf der rechten Seite | wo? | Der Schalter ist rechts. |
| vorne | im vorderen Teil | wo? | Vorne ist noch ein Platz frei. |
| hinten | im hinteren Teil | wo? | Die Toiletten sind hinten. |
| draußen | außerhalb eines Raums oder Gebäudes | wo? | Die Kinder spielen draußen. |
| drinnen | innerhalb eines Raums oder Gebäudes | wo? | Drinnen ist es warm. |
Diese Angaben brauchen keinen Artikel und keine Deklination (also keine Anpassung der Wortendung). Man sagt nicht etwa im Oben oder das linkse, wenn nur das Adverb gemeint ist. Vergleiche:
- Adverb: Der Eingang ist links.
- Adjektiv vor einem Substantiv: Das ist der linke Eingang.
- Präposition mit Ergänzung: Der Eingang ist neben der Apotheke.
Die drei Sätze beschreiben einen Ort, verwenden aber unterschiedliche grammatische Mittel.
Hier, da und dort
Hier bezeichnet meist den Ort der sprechenden Person oder einen Ort in ihrer unmittelbaren Umgebung: Setz dich hierhin oder einfach Bleib hier. Dort verweist typischerweise auf einen anderen, oft weiter entfernten, gezeigten oder bereits genannten Ort: Siehst du das Haus? Dort wohnt Ana.
Da ist besonders häufig und flexibel. Es kann auf einen sichtbaren Punkt zeigen (Da ist der Bus!) oder einen bekannten Ort wieder aufnehmen (Warst du schon in Leipzig? — Ja, ich war letztes Jahr da.). In Ich bin da bedeutet es je nach Situation „Ich bin angekommen“, „Ich bin anwesend“ oder „Ich stehe zur Verfügung“. Deshalb lässt sich da nicht immer nur als eine schwächere Form von dort verstehen.
Für A1 genügt diese praktische Orientierung:
- hier: bei mir oder an meinem gegenwärtigen Ort
- dort: an dem anderen, bezeichneten Ort
- da: an dem Ort, den die Situation oder das Gespräch klar macht
Die tatsächliche Entfernung ist nicht mathematisch festgelegt. Auch ein Ort direkt neben einer Person kann mit dort bezeichnet werden, wenn er als Gegenpunkt zu hier dargestellt wird.
Lagepaare: oben und unten, links und rechts, vorne und hinten
Diese Wörter bilden Gegensatzpaare. Ihre Bedeutung hängt oft von einem Bezugspunkt ab. Bei einem Haus sind oben und unten meist durch die Stockwerke klar. Bei einem Blatt Papier bedeuten sie den oberen und unteren Bereich. Vorne kann die Vorderseite eines Gebäudes, den vorderen Teil eines Busses oder den Anfang einer Warteschlange meinen.
Bei links und rechts muss klar sein, aus welcher Blickrichtung man schaut. In einer Wegbeschreibung gilt normalerweise die Perspektive der Person, die den Weg geht: An der Ampel gehst du nach rechts. Bei Bildern, Bühnen oder Fahrzeugen kann eine besondere Perspektive gelten; dann sollte man genauer formulieren.
Mehrere Ortsadverbien lassen sich kombinieren. Das zweite Wort grenzt den Ort genauer ein:
- hier oben — oben an diesem Ort
- da draußen — außerhalb, an der gezeigten Stelle
- dort hinten — im hinteren Teil des entfernten oder bezeichneten Ortes
- rechts unten — im unteren rechten Bereich
In solchen Verbindungen stehen die Wörter meist ohne Komma: Der Preis steht rechts unten.
Ort oder Richtung?
Die Frage wo? fragt nach einer festen Position. Die Frage wohin? fragt nach dem Ziel einer Bewegung. Bei den einfachen Lagewörtern wird eine Richtung oft mit nach ausgedrückt.
| Ort: wo? | Richtung: wohin? |
|---|---|
| Der Eingang ist links. | Geh nach links. |
| Die Aussichtsterrasse ist oben. | Wir fahren nach oben. |
| Die Fahrräder stehen draußen. | Bring das Fahrrad nach draußen. |
| Die Gäste warten drinnen. | Komm nach drinnen. |
Bei vorne und hinten sind je nach Situation verschiedene Formulierungen möglich: Geh nach vorne, Komm nach vorn, Lauf nach hinten. Die kürzeren Formen vorn und hinten sind ebenfalls gebräuchlich; vorn klingt in manchen Regionen oder Textsorten natürlicher als in anderen. Als klare Anfängerform eignet sich vorne für den Ort und nach vorne für die Richtung.
Nicht jede Bewegung verlangt nach. Bei Verben, deren Bedeutung oder Zusammenhang die Richtung schon deutlich macht, steht oft das bloße Adverb: Bieg links ab, Schau nach rechts oder Geh raus. Für neutrale Weganweisungen ist nach links/rechts jedoch ein verlässliches Grundmuster.
Stellung im Satz
Ein Ortsadverb kann im Mittelfeld oder am Satzanfang stehen. Im deutschen Hauptsatz steht das konjugierte Verb (die an Person und Zeit angepasste Verbform) an zweiter Stelle.
- Das Buch liegt dort.
- Wir warten draußen.
- Draußen wartet ein Taxi.
- Oben ist das Schlafzimmer.
Steht das Ortsadverb am Anfang, folgt direkt das Verb und danach meistens das Subjekt (wer oder was handelt beziehungsweise beschrieben wird): Dort liegt das Buch, nicht Dort das Buch liegt. Die Anfangsstellung hebt den Ort hervor oder verbindet den Satz mit dem vorherigen Gespräch.
Treffen mehrere Angaben zusammen, steht die Ortsangabe häufig eher spät: Wir treffen uns morgen um acht draußen. Das ist eine nützliche Grundtendenz, aber keine starre Regel. Ein wichtiger oder kontrastierter Ort kann weiter vorne stehen: Draußen treffen wir uns, nicht im Café.
Beispiele im Zusammenhang
| Deutscher Beispielsatz | Bedeutung in einfachen Worten | Hinweis |
|---|---|---|
| Ich bin hier. | Die sprechende Person befindet sich an diesem Ort. | Ort bei der sprechenden Person |
| Das Buch liegt dort. | Das Buch liegt an der bezeichneten anderen Stelle. | dort verweist auf einen Ort |
| Da ist ja mein Handy! | Die Person entdeckt ihr Handy an einer sichtbaren Stelle. | spontanes Zeigen mit da |
| Oben wohnt eine Familie. | Eine Familie wohnt in einem höheren Stockwerk. | Ortsangabe am Satzanfang |
| Warte bitte unten am Eingang. | Die Person soll an der tieferen Stelle beim Eingang warten. | unten wird durch eine Ergänzung präzisiert |
| Geh an der nächsten Kreuzung nach links! | An der Kreuzung führt der Weg auf die linke Seite. | Richtung mit nach |
| Die Apotheke ist gleich rechts. | Die Apotheke befindet sich unmittelbar auf der rechten Seite. | Position, keine Bewegung |
| Im Bus sind vorne noch Plätze frei. | Im vorderen Teil des Busses kann man noch sitzen. | Bezugspunkt ist der Bus |
| Unsere Fahrräder stehen dort hinten. | Die Fahrräder stehen im entfernten hinteren Bereich. | zwei Ortsadverbien zusammen |
| Es regnet, aber die Kinder spielen draußen. | Die Kinder spielen außerhalb des Hauses. | Gegensatz zwischen drinnen und draußen |
| Komm nach drinnen, das Essen ist fertig. | Die angesprochene Person soll ins Haus oder in den Raum kommen. | Ziel einer Bewegung |
| Der Absender steht rechts oben auf dem Brief. | Die Angabe befindet sich im oberen rechten Bereich. | typische Angabe auf einer Fläche |
| Bist du schon da? | Es wird gefragt, ob die Person angekommen ist. | feste Alltagsverwendung von da |
| Hier vorne können Sie aussteigen. | Der passende Ausstieg ist im nahen vorderen Bereich. | genaue Kombination zweier Angaben |
Häufige Fehler
Ein Ortsadverb unnötig verändern
- Falsch: Die Kinder spielen draußenen.
- Richtig: Die Kinder spielen draußen.
- Warum? Ortsadverbien sind unveränderlich. Weder Mehrzahl noch Geschlecht oder Fall verändern ihre Form.
Die Richtung mit der falschen Verbindung bilden
- Falsch: Geh zu links.
- Richtig: Geh nach links.
- Warum? Für die einfache Richtung verbindet man links und rechts mit nach. Das bloße Adverb ist in festen Verbindungen wie links abbiegen ebenfalls richtig.
Nach mit einer festen Position verwenden
- Falsch: Das Café ist nach rechts.
- Richtig: Das Café ist rechts.
- Warum? Sein beschreibt hier einen Ort, keine Bewegung. Deshalb genügt das Ortsadverb ohne nach.
Nach einer Ortsangabe am Satzanfang die Verbposition vergessen
- Falsch: Dort der Bus hält.
- Richtig: Dort hält der Bus.
- Warum? Dort besetzt die erste Position des Hauptsatzes; das konjugierte Verb muss an zweiter Stelle stehen.
Da und dort zu streng nach Entfernung trennen
- Unnatürlich als starre Regel: Da ist immer nah und dort immer weit weg.
- Besser: Da verweist auf einen aus der Situation bekannten Ort; dort markiert deutlicher einen anderen oder bezeichneten Ort.
- Warum? Der Gesprächszusammenhang ist wichtiger als eine exakt messbare Entfernung.
Drinnen und draußen wie Präpositionen benutzen
- Falsch: Das Fahrrad steht draußen dem Haus.
- Richtig: Das Fahrrad steht draußen. / Das Fahrrad steht vor dem Haus.
- Warum? Draußen kann allein stehen. Soll ein Substantiv wie Haus folgen, braucht man eine passende Präposition, hier zum Beispiel vor.
Hinweise zum Gebrauch
Da ist in der gesprochenen Alltagssprache besonders häufig. Es kann neutral auf einen Ort verweisen und viele feste Gesprächsfunktionen übernehmen: Ich bin gleich da, Ist jemand da?, Da bist du ja! Dort wirkt oft genauer zeigend oder stellt einen deutlicheren Gegensatz zu hier her. Beide Wörter sind standardsprachlich; die Wahl hängt stark von Situation und Betonung ab.
Drinnen und draußen betrachten einen Raum oder ein Gebäude als Grenze. Die Schuhe bleiben draußen heißt, dass sie nicht in den betreffenden Innenraum kommen. In formelleren Hinweisen liest man auch innen und außen: Die Tür lässt sich von innen öffnen. Diese Formen bezeichnen häufig eine Seite oder Perspektive und sind nicht in jedem Satz mit drinnen/draußen austauschbar.
Vorne/hinten und oben/unten sind relative Angaben: Sie brauchen einen gedanklichen Bezugspunkt. Wenn Missverständnisse möglich sind, ergänzt man ihn mit einer Präpositionalgruppe: vorne im Zug, oben auf der Seite, hinten im Schrank. So bleibt das Adverb unverändert, während die Ergänzung den Ort genauer beschreibt.
Über die Grundlagen hinaus
Die folgenden Unterschiede müssen auf A1 noch nicht aktiv beherrscht werden. Sie erklären aber viele Formen, die im Alltag früh auftauchen.
Deutsch unterscheidet bei Richtungsadverbien oft zwischen hin und her. Hin bezeichnet eine Bewegung vom Standort der sprechenden Person weg oder zu einem anderen Ziel; her bezeichnet eine Bewegung zur sprechenden Person beziehungsweise zu ihrem Bezugspunkt:
| Grundidee | Bewegung zu einem anderen Ort | Bewegung zum Bezugspunkt |
|---|---|---|
| hier/dort | dorthin gehen | hierher kommen |
| innen/außen | hineingehen, hinausgehen | hereinkommen, herauskommen |
| oben/unten | hinaufgehen, hinuntergehen | heraufkommen, herunterkommen |
Im Alltag werden diese Formen häufig verkürzt: Komm rein!, Geh raus!, Komm runter! Der Zusammenhang zeigt dann die Richtung. Standardsprachlich können die vollständigen Formen einen Perspektivunterschied genauer ausdrücken: Bring die Kisten hinauf und Bring die Kisten herauf betrachten dieselbe Bewegung von verschiedenen Standorten aus.
Auch da bildet Verbindungen, deren Bedeutung nicht mehr rein räumlich sein muss. Daher kann räumlich „von dort“ bedeuten (Ich komme gerade daher), sehr häufig aber auch „deshalb“: Es regnet; daher bleiben wir drinnen. Diese übertragene Bedeutung sollte man aus dem ganzen Satz erschließen.
Besonders nützlich ist außerdem der Gegensatz zu Hause und nach Hause: Ich bin zu Hause beantwortet wo?, Ich gehe nach Hause beantwortet wohin? Diese festen Wendungen folgen demselben Grundgedanken von Ort und Richtung, auch wenn sie nicht einfach aus einem der behandelten Ortsadverbien gebildet werden.
Übungstipps
- Beschreibe einen vertrauten Raum. Sage oder schreibe sechs Sätze wie Links ist das Fenster. Hinten steht ein Regal. Oben hängt eine Lampe. Dadurch verbindest du jedes Wort mit einem echten räumlichen Bild.
- Übe Ort und Richtung paarweise. Bilde zu jeder Lage einen zweiten Satz mit Bewegung: Der Aufzug ist rechts. Geh nach rechts. So wird der Unterschied zwischen wo? und wohin? automatisch.
- Gib einen kurzen Weg an. Zeichne einen einfachen Stadtplan und erkläre den Weg mit hier, dort, geradeaus, nach links, nach rechts. Prüfe dabei besonders die Verbposition, wenn ein Ortsadverb am Satzanfang steht.
Verwandte Grammatikthemen
- Grundlage: W-Fragen — mit wo?, wohin? und woher? nach Ort, Ziel und Herkunft fragen
- Ergänzung: Präpositionen des Ortes — Orte mit Ergänzungen wie in der Küche oder auf dem Tisch genauer angeben
- Satzbau: Wortstellung im Hauptsatz — verstehen, warum es Dort liegt das Buch heißt
- Anwendung: Imperativ — Weganweisungen wie Geh nach links! oder Komm nach drinnen! bilden
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